Vor kurzem ist mein Vater gestorben. Er war aus der Kirche ausgetreten, während meine Mutter Katholikin ist. Die beiden haben die Position des anderen immer respektiert und trotz dieses Gegensatzes eine recht harmonische Ehe geführt. Nun möchte meine Mutter gerne Messen für meinen Vater lesen lassen. Ihr wäre das ein großer Trost in ihrer Trauer, aber ich bin nicht sicher, ob er das gewollt hätte und außerdem: Geht das für jemanden, der aus der Kirche ausgetreten war?
Angelika P., Stuttgart
Es ist schön, dass Ihre Eltern trotz verschiedener Positionen eine harmonische Ehe geführt haben. Der Austritt aus der Kirche hängt ja oft mit Enttäuschungen und Konflikten zusammen. Ihre Mutter hat das Bedürfnis, in der heiligen Messe mit ihrem Mann Gemeinschaft zu erfahren. Und dieses Bedürfnis ist gut. Sie muss sich nicht fragen, was ihr Mann vor seinem Tod gewollt hat. Ihr Vater ist jetzt bei Gott – so dürfen Sie hoffen. Und bei Gott ist er nicht mehr von Vorurteilen geprägt. Er blickt durch. Und in Gott möchte er sicher auch Gemeinschaft mit seiner Frau erfahren, auch in der Form, die er während seines Lebens vielleicht abgelehnt hat. Wenn einer in Gott hinein stirbt, ist es nicht mehr so entscheidend, ob er in der Kirche war oder nicht.
Ihr Pater Anselm Grün