Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Fragen an Anselm Grün: Was ist der Sinn der Beichte?

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Fragen an Anselm Grün: Was ist der Sinn der Beichte?

Ich gehe zweimal im Jahr zum Beichten: an Ostern und an Weihnachten. Ich beichte immer wieder die gleichen Sünden. Deswegen frage ich mich, ob ich es nicht gleich lassen soll, wenn ich mich ohnehin nicht bessere. Was ist der Sinn der Beichte?
Harald L. (42), Stuttgart

Beichten ist eine Art Bilanz, die ich über das letzte halbe Jahr ziehe. Ich schaue, wie es war. Überlege, wo ich nicht zufrieden bin. Darüber spreche ich dann. Natürlich können wir nach der Beichte nicht völlig anders sein. Aber es wäre gut, sich nicht irgendwelche abstrakten Vorsätze zu machen, sondern ein Übungsprogramm zu entwerfen, das mich in einem Punkt etwas weiter bringt. Wir können nicht alles zugleich ändern. Aber wenn wir etwas trainieren, können wir auf einem Feld weiter kommen.

In der Beichte erfahre ich, dass ich bedingungslos von Gott angenommen werde. Viele können sich selbst nicht vergeben, wenn sie einen Fehler gemacht haben. Die Beichte hilft uns, uns selbst zu vergeben und damit aufzuhören, uns selbst ständig Vorwürfe zu machen.

Wenn wir wirklich schuldig geworden sind in einer schweren Sache, dann helfen uns Beschwichtigungen nicht. Denn in uns ist ein innerer Richter, der uns anklagt und uns daran hindert, an die Vergebung zu glauben. Da ist das Ritual der Beichte wichtig. Die Psychologie sagt uns, dass das Ritual in die Tiefen unseres Unbewussten hineinreicht, in denen diese inneren Widerstände gegen Vergebung Macht haben. Durch die Beichte werden diese Widerstände entmachtet und wir fühlen uns wieder als Menschen unter Menschen, befreit von allen Selbstvorwürfen.

Ihr Pater Anselm Grün

 

Die Kommentare der Liborius-User:


von Gabriele Schreiber

am Donnerstag, 1. September 2011

Es hat einige Zeit gedauert bis das Beichtgespräch mit einem Priester mir tiefen Frieden gebracht hat. Meine Beziehung zu Gott ist dadurch sehr eng geworden und ich leben mehr und mehr im Einklang mit seinem Willen. Dazu musste ich erst eine Schwelle aus Angst, Hilflosigkeit und Unvollkommenheit überwinden. Ich fange an Zeugnis für meinen Glauben abzulegen, das macht mein Leben auf den ersten Blick sehr viel schwieriger, denn ich kämpfe gegen eine Welle anderer Meinungen an aber es macht mich innerlich freier und ich begebe mich dadurch mehr und mehr in Gottes Hand. Für mich gehören die Eucharistiefeier, die Anbetung und das Bußsakrament unwiderruflich zu einem Leben in Fülle (Joh.10/10 ) dazu. Der Himmel auf Erden ist möglich.

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von Johanna Bach

am Montag, 21. Juli 2008

Im dunklen Beichtstuhl anonym seine Sünden aufzuzählen, diese Art von Beichte gibt mir nichts. Viel befreiender ist für mich das Beichtgespräch. Zugegeben, beim ersten Mal hat es mich Überwindung gekostet. Der Pfarrer, mit dem man spricht, sitzt einem ja gegenüber, aber diese offene Form des Eingeständnisses ist meiner Meinung nach viel ehrlicher und bekennender. Und im Gespräch wird einem auch tatsächlich bewusst, was Pater Anselm angesprochen hat:
Die Beichte hilft uns, uns selbst zu vergeben und damit aufzuhören, uns selbst ständig Vorwürfe zu machen.

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