Die Frage Ihres Kollegen, wie Sie den Ausgleich zum Beruf schaffen, würde ich ehrlich beantworten. Denn die Frage zeigt ja, dass er mit sich und seinem Leben nicht ganz zufrieden ist. Sie sollen ihn nicht missionieren. Aber Sie sollen durchaus Zeugnis geben von dem, was Sie trägt. Da ist einmal die Familie. Das wird er sicher verstehen. Aber es kommt darauf an, wie Sie von der Familie erzählen.
Und dann können Sie versuchen, von Ihrem Glauben zu sprechen, dass Sie sich da geborgen fühlen von Gott, dass Sie nicht ständig über alles nachgrübeln müssen, weil Sie die Sorgen und Probleme des Geschäfts Gott übergeben und darauf vertrauen, dass er das segnet, was Sie tun. Und Sie können erzählen, dass das Gebet oder die Meditation Ihnen Ruhe schenkt und dass da die Arbeit keine Rolle spielt, weil Sie in eine andere Welt eintauchen.
Auch wenn er Atheist ist, wird er vermutlich interessiert zuhören. Vielleicht wird er nachfragen. Sie spüren ja seine Reaktion. Wenn er Ihren Glauben lächerlich macht, dann würde ich nicht weiter erzählen. Aber gerade sein Atheismus ist ja auch eine Herausforderung für Sie, sich zu überlegen, was mir mein Glaube eigentlich gibt und wie er mich trägt. Und Sie können überlegen, wie Sie das, was der Glaube Ihnen bedeutet, in Worten sagen können, die auch ein anderer – Nichtglaubender – verstehen kann.
Ihr Pater Anselm Grün