Ich bin gläubig und besuche gerne, aber nicht regelmäßig den Gottesdienst. Seit 30 Jahren war ich auch nicht mehr bei der Kommunion. Der Grund: Es plagt mich eine Jugendsünde, die ich aber keinem Priester erzählen möchte. Andererseits sehne ich mich immer mehr danach, von dieser Last befreit zu werden. Gibt es eine andere Möglichkeit – außer den Beichtstuhl oder das Beichtgespräch – die Absolution zu erhalten?
Petra U., Hannover
Es gibt zwei Möglichkeiten für Sie. Die erste: Sie vertrauen darauf, dass Gott Ihnen Ihre Jugendsünde vergeben hat. Sie halten sie Gott hin und vertrauen auf seine vergebende Liebe. Dann können Sie auch im Vertrauen auf Gottes Vergebung bei der Heiligen Messe zur Kommunion gehen. Die Kirche sagt, dass wir nur Todsünden unbedingt beichten müssen, bevor wir zur Kommunion gehen. Todsünden sind aber absolut freie Entscheidungen gegen Gott und gegen seinen Willen.
Vermutlich war Ihre Jugendsünde eher eine Sünde der Schwäche. Da dürfen Sie auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen. Halten Sie Jesu Wort in Ihr Herz hinein: „Deine Sünden sind Dir vergeben.“
Die zweite Möglichkeit wäre, mit einem Priester darüber zu sprechen, was Sie aus der Jugend belastet. Sie werden merken, dass es schon befreiend ist, über seine Schuld zu sprechen. Denn wenn es wirklich eine tiefe Schuld ist, dann haben wir das Gefühl, wir würden nicht zur Gemeinschaft gehören.
Das Gespräch verbindet uns wieder mit der menschlichen Gemeinschaft. Und die Erfahrung der Absolution dringt tief in unser Unbewusstes ein und befreit uns auch von allen Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen.
Natürlich sollten Sie nicht zu einem beliebigen Priester gehen, sondern zu einem, zu dem Sie Vertrauen haben. Dann wird die Beichte für Sie befreiend und heilend sein.
Aber es kann durchaus auch eine Hilfe sein, im anonymen Beichtstuhl zu beichten. Der Priester sieht und kennt Sie nicht. Aber er wird Sie anhören und Ihnen die Absolution erteilen. Sie werden spüren: Wenn ich es wage, auch über meine weniger ruhmreichen Seiten zu sprechen, ist das befreiend und heilend. Aber trauen Sie Ihrem Gefühl. Wählen Sie die Möglichkeit, zu der Sie Ihr Herz drängt.
Ihr Pater Anselm Grün