Es ist sicher nicht leicht, zu entscheiden, ob ich dem Bettler etwas geben soll oder nicht. Zu groß sind die Zweifel, ob er wirklich hilfsbedürftig ist oder ob er es gewerbsmäßig betreibt oder gar von einer Gruppe dazu verpflichtet wird, für sie auf diese Weise Geld zu verdienen. Wir haben leider nie Sicherheit, ob das, was wir tun, richtig ist oder nicht, ob wir wirklich dem andern helfen oder nur ausgenutzt werden. Wenn Sie mit den 5 Euro Ihr schlechtes Gewissen beruhigen, ist das sicher keine gute Motivation. Wir möchten keine Schuldgefühle haben. Denn sie sind unangenehm. Aber wir müssen uns damit aussöhnen, dass wir nicht unser Leben lang mit einer weißen Weste herumlaufen können.
Entscheiden Sie also für sich selbst, was für Sie und für den Bettler stimmiger ist. Vielleicht können Sie ihn auch mal ansprechen und im Gespräch erspüren, ob das, was er erzählt, richtig ist oder eher das Gefühl von Auswendiglernen hinterlässt. Spüren Sie in das eigene Herz hinein und tun Sie das, was Ihnen innerlich Frieden und Weite schenkt.
Ihr Pater Anselm Grün