Meine 12-jährige Tochter ist auf dem Gymnasium und in allen Fächern eine gute Schülerin. Nur in Religion bleibt sie weit hinter ihren anderen Leistungen zurück. Allerdings erst, seit sie in diesem Schuljahr den jetzigen Lehrer bekam. Disziplinarische Probleme gibt es nicht, aber egal wie meine Tochter sich auch anstrengt, sowohl schriftlich als auch mündlich bekommt sie bestenfalls eine Vier. Meine Tochter ist deswegen so frustriert, dass sie im nächsten Jahr lieber den Ethikunterricht besuchen möchte. Meine Frau und ich haben unsere Kinder katholisch erzogen und tun uns sehr schwer mit der Entscheidung. Ein Gespräch mit dem Religionslehrer vermittelte uns den Eindruck, dass es ihm egal sei, wenn nicht sogar lieber. Was würden Sie uns raten?
Harry B., per e-mail
s ist schade, dass der Religionslehrer offensichtlich kein Gespür hat für die Situation Ihrer Tochter. Ich würde jedoch – bevor Ihre Tochter den Ethikunterricht besucht – erst einmal mit dem Direktor sprechen, ob Ihre Tochter im nächsten Jahr wirklich diesen Religionslehrer bekommt. Der Direktor sollte zumindest wissen, dass der Leistungsabfall in Religion mit diesem Lehrer zu tun hat. Diese Information hilft ihm, mit dem Religionslehrer angemessen umzugehen und hellhörig zu werden, wie er sich auch andern Schülern gegenüber verhält. Wenn das Gespräch mit dem Direktor nicht weiter hilft, dann würde ich dem Wunsch der Tochter nachgeben. Aber ich würde versuchen, das Interesse an Religion wach zu halten. Entweder versuchen Sie selbst, mit ihr über die wesentlichen Themen des Glaubens zu sprechen oder sie geht in eine Jugendgruppe, in der sie religiös eingebunden ist.
Ihr Pater Anselm Grün