Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Abendländisches Schisma

Liborius Verlagsgruppe Bayerisches Sonntagsblatt Liborius Magazin Liboriusblatt
Donnerstag, 24. Mai 2012 Dagmar, Ester
Augenblicke|Nachrichten|Wissen|Unser Glaube|Specials|Forum|E-Cards|Spiele

Etappen Ihres Lebens: Taufe | Kommunion | Firmung | Ehe | Trauer

Drucken | Versenden | Mail an die Redaktion

Geschichte der Kirche

1378 n. Chr. – Abendländisches Schisma

Der Bischof von Rom stirbt, und kaum ein Römer trauert: Als am 27. März 1378 Papst Gregor XI. für immer die Augen schließt, klagt niemand in der Ewigen Stadt. Gerade erst war der Pontifex zurückgekehrt und hatte die Zeit der Päpste in Avignon damit beendet, da brachte er durch harte Urteile das Volk gegen sich auf. Am Ende hinterlässt der letzte Franzose auf dem Heiligen Stuhl eine zerstrittene Kurie, eine zerrüttete Kirche. Das Konklave wählt am 8. April 1378 Bartolomeo Prignano, der zwar Erzbischof, aber nicht Kardinal ist – bis heute kam das nie wieder vor. Offiziell eingeführt werden kann Prignano indes nicht, denn das Volk will einen Römer. Aus Angst präsentieren die Kardinäle den greisen, aber zumindest römischstämmigen Kardinal Tebaldeschi, nur um wenig später doch Prignano zum Papst zu machen. Dieser versucht als Urban VI., Reformen durchzupeitschen, und schafft sich damit unzählige Feinde. Manche Forscher vermuten heute, Urban VI. habe an einer geistigen Störung gelitten, Beweise dafür gibt es allerdings nicht. Für die Kardinäle jedenfalls ist klar, dass dieser Mann nicht Stellvertreter Christi auf Erden sein kann. Viele der Würdenträger verlassen Rom und ernennen am 28. September 1378 in Fondi Robert Graf von Genf zum Gegenpapst Clemens VII. Die Kirche erlebt ihre zweite große Spaltung nach 1054, das Abendländische Schisma.

An dieser Spaltung droht die Kirche zu zerbrechen, das Schisma führt zu absurden Situationen: So belegen die Päpste den jeweils anderen und die „abtrünnigen“ Anhänger mit dem Kirchenbann. Das hat zur Folge, dass praktisch die gesamte Christenheit gebannt ist. In der Folge brechen Rechtsstreitigkeiten aus, die Bistümer und die Bischöfe wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Alle Versuche, die jeweiligen Päpste zu einem Rücktritt zu bewegen, scheitern. Die Kirche als stabilisierendes Element des Abendlandes scheint Vergangenheit zu sein.

Schließlich gelingt es, 1409 ein allgemeines Konzil einzuberufen. In Pisa wird Alexander V. als neuer Papst gewählt. Plötzlich erheben nicht mehr zwei, sondern drei Päpste Anspruch auf den Stuhl Petri. Und zu allem Überfluss stirbt nur ein Jahr später Alexander V., er galt zumindest als begabt und integer. Sein Nachfolger, der Gegenpapst Johannes XXIII., ist genau das Gegenteil – und die Lage der Kirche noch schlechter als zuvor.

(sb)

Historische Zeichnung der Konzilssitzung im Konstanzer Münster (Foto: Public Domain)

Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt