1789 n. Chr. – Aufklärung
Mit der Französischen Revolution 1789 wird der König gestürzt. Doch das ist nicht das einzige „Heiligtum“, das aggressiv attackiert wird. Joseph II. beschlagnahmt kirchliche Güter im großen Stil. Auch in der Geistesgeschichte gerät die alte Autorität stark unter Beschuss. Philosophen wie Voltaire kritisieren die Kirche massiv. Die Dogmen und die Beanspruchung der weltanschaulichen Deutungshoheit widerstreben den Aufklärern. Das neue Ideal der Vernunft brachte den Volksglauben und die Wundergeschichten in die Bredouille, der „Glaube“ wird in die Nähe eines infantilen und blinden Gefühles gerückt. Trotzdem wissen viele Aufklärer, dass der praktische Nutzen der Religion nach wie vor wichtig ist, um die Gesellschaft zusammenzuhalten. So ist von Voltaire der Satz übermittelt: „Wenn Gott nicht existierte, müsste man ihn erfinden.“ Die katholische Kirche wird aber nicht nur von außen angegangen, auch im Inneren gibt es schwere Unruhen. Papst Clemens XIV. verbietet 1773 auf Druck der weltlichen Machthaber den Jesuitenorden. Damit verliert das Papsttum eine seiner wichtigsten Stützen – die Jesuiten schwören das vierte Gelübde direkt auf den Papst. Die Kirche scheint auf einem lange nicht mehr da gewesenen Tiefpunkt ihrer Macht angekommen. Die Feldzüge Napoleons tun dazu das ihrige, die Kirche wird in vielen Gegenden enteignet und zur hilflosen Marionette degradiert. In seinem Gesetzwerk „Code Civil“ wird die strikte Trennung von Kirche und Staat festgeschrieben. Im „Reichsdeputationshauptschluss“ vom 25. Februar 1803 wird für das Heilige Römisches Reich Folgendes festgelegt: Die Fürsten, die in den Revolutionskriegen Güter verloren hatten, mussten durch die Enteignung kirchlicher Besitztümer entschädigt werden. Die geistlichen Fürstentümer wurden mit Ausnahme von Mainz komplett aufgelöst, die Reichskirche hatte aufgehört zu existieren.
(sb)