Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Die Cluniazensische Refor

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Donnerstag, 24. Mai 2012 Dagmar, Ester
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Geschichte der Kirche

Der Clou von Cluny

Ein Erfolgsrezept der angelsächsischen Missionare, die Europa christianisierten, war die enge Zusammenarbeit mit weltlichen Herrschern: Die Kirche suchte den Schutz der Könige. Doch im 10. Jahrhundert beginnt diese strategische Partnerschaft zu zerbrechen. Besonders Klöster wenden sich von den regionalen Herrschern ab und dem römischen Papsttum zu. Ein Kloster übernimmt dabei die Pionierrolle und wird für einige Jahrhunderte zum Reformmotor des mittelalterlichen Christentums: die Benediktinerabtei Cluny in Frankreich.

Cluny wird am 11. September 910 in Burgund gegründet. Die Ironie des Schicksals will es, dass ein Herzog die Emanzipation der Klöster vom Königtum einleitet. Wilhelm I. ist Herzog von Aquitanien und überträgt bei der Gründung von Cluny alle Verantwortung und Macht an die Mönche selbst, die sich wiederum direkt dem Heiligen Stuhl in Rom unterstellen. Der erste Abt wird noch von Wilhelm I.
ernannt, danach bestimmen die Mönche ihr Oberhaupt selbst. In der Regel setzt der jeweilige Abt seinen Nachfolger ein und garantiert so vor allem in der Anfangszeit bemerkenswerte Stabilität und Kontinuität. So wird Cluny rasch zum Vorbild für andere Gemeinschaften, der cluniazensische Klosterverband entsteht. Mehr als 1000 Klöster mit gut 20.000 Mönchen entstehen allein in den ersten Jahrzehnten, neben dem Papsttum die machtvollste Institution in der mittelalterlichen Kirche.

Durch die rasche Expansion dehnt Cluny nicht nur seinen Einflussbereich aus, sondern häuft auch große Reichtümer an. Die Abtei gilt bald als Schmuckstück und Schatzkammer des westlichen Christentums, die Abteikirche ist zeitweise die größte christliche Kirche der Welt. Der Prunk steht im Kontrast zum asketischen Leben der Mönche. Die Betonung von Askese und Frömmigkeit gegenüber der körperlichen Arbeit und dem geistigen Studium prägen die so genannte „Cluniazensische Reform“, an der sich bald in fast ganz Europa das monastische Leben orientiert. Die Bedeutung des Chorgebets und der Liturgie ist in Cluny ungleich höher, als es der heilige Benedikt in seiner Regel vorgesehen hatte. Am Ende sind die Mönche den Großteil ihrer Zeit mit Gebeten und Gottesdiensten beschäftigt. Cluny verliert seine Vormachtstellung in der Kirche – die Zeit der Reformorden bricht an.

(sb)

 

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