Gott für die Germanen
Seine Getreuen hatten Bonifatius gewarnt. Doch er ließ sich nicht von seinem Entschluss abbringen. Im Jahr 754 bricht der inzwischen 80-Jährige noch einmal zur Mission auf. Zu seiner letzten. Am 5. Juni 754 wird Bonifatius am Fluss Boorne von heidnischen Friesen überfallen und ermordet. Sein brutaler Tod erschüttert die Christenheit – aber er zerstört nicht das Werk des Bonifatius: die Christianisierung Europas.
Das 7. und das 8. Jahrhundert sind die Zeit der christlichen Missionare. Zuerst kommen die Iren auf das europäische Festland, um dort die Botschaft Christi zu verbreiten. Ihnen gelingt es, die Klöster zu einer neuen Blüte zu führen. Die Bevölkerung aber empfängt die frohe Botschaft mit wenig Freude.
Trotzdem sind es Missionare von der Insel, die dem Christentum zum Durchbruch in den Germanengebieten verhelfen. Allerdings keine Iren, sondern Angelsachsen. Der erste bekannte angelsächsische Missionar ist Willibrord. Er beginnt 690, in den Friesengebieten das Christentum zu verkünden. Unterstützt durch den Karolinger-Herrscher Pippin feiert er rasch Erfolge. Willibrord wird berühmt und findet Mitarbeiter. Darunter auch ein gewisser Winfrid. Winfrid pilgert 719 nach Rom und kehrt unter einem neuen Namen zurück: Bonifatius.
Mit diesem Namen bekundet er seine Treue zu Papst Gregor II., der ihn am 15. Mai 719 offiziell als Missionar in das Herrschaftsgebiet der Franken geschickt hat. Bonifatius setzt damit die Strategie seiner angelsächsischen Landsmänner fort. Sie vertrauen nicht mehr allein auf Gott und ihr Glück, sondern auf päpstliche Sendschreiben und königliche Schutzbriefe. Es ist eine „Mission von oben“ – was nicht bedeutet, dass sie vom Volk abgelehnt wird. Im Gegenteil: Gerade Bonifatius wird zur Legende, auch wenn sich die Ehrenbezeichnung „Apostel der Deutschen“ wohl erst nach der Reformation durchgesetzt hat.
Diesen Titel verdient sich Bonifatius durch seine Erfolge und sein strategisches Geschick. Er gründet zahlreiche Diözesen, wie Regensburg oder Passau, und errichtet Klöster, wie in Fulda. Vor allem aber verknüpft Bonifatius das fränkische Christentum eng mit dem Papst in Rom. Eine Verknüpfung, die in den folgenden Jahrhunderten entscheidend für die Entwicklung des christlichen Abendlandes werden wird.
(sb)