Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Investiturstreit und Gang nach Canossa

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Donnerstag, 24. Mai 2012 Dagmar, Ester
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Geschichte der Kirche

Das Historiengemälde „Heinrich vor Canossa“ von Eduard Schwoiser zeigt den unbeugsamen Heinrich (Foto: Public Domain)

1075 n. Chr. – Investiturstreit und Gang nach Canossa

„Investitur“ bezeichnet die Einsetzung eines geistlichen Würdenträgers. Diese Einsetzung war lange den weltlichen Machthabern vorbehalten. Doch im 11. Jahrhundert lehnen verschiedene Bewegungen eine Einsetzung, die von einem Laien vorgenommen wird („Laieninvestitur“), grundsätzlich ab. Papst Gregor VII. formuliert diese Ansicht in seinem Dokument „Dictatus papae“ weiter aus und verbietet jede Laieninvestitur. Als Strafe stellt der Papst den Kirchenbann in Aussicht. Ziel dieses Verbotes ist zunächst wohl allein der deutsche König Heinrich IV., der den Mailänder Bischofssitz mit einem Deutschen hatte besetzen wollen. Als dieses Ansinnen scheiterte, setzte der Kaiser mehrere neue Bischöfe in Italien ein, woraufhin der Papst die Berater des Königs bannt und sein „Dictatus papae“ formuliert.

Die Lage spitzt sich weiter zu, als Heinrich 1076 beim Reichstag in Worms verbal zurückschlägt und den Papst zum Rücktritt auffordert. Das Schreiben ist ein Herrscherbefehl – die Antwort fällt ebenso hart aus, Gregor bannt nun auch den Kaiser. In der Folge fallen viele Fürsten vom König ab, er bekommt die Macht des Heiligen Stuhles deutlich zu spüren. Am Ende bleibt Heinrich nichts anderes übrig, als klein beizugeben. Am 25. Januar 1077 bittet der König im Büßergewand vor der Burg Canossa um Vergebung. Und Gregor vergibt, am 28. Januar 1077 wird der Kirchenbann aufgelöst. Doch damit ist der Investiturstreit noch nicht beendet. Heinrich ist angeschlagen und so wird er von den deutschen Fürsten als König abgesetzt. Doch der Salier will sich damit nicht abfinden, zwingt den neuen Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden zur Schlacht und erlebt mit, wie sein Konkurrent einer schweren Verletzung – ihm wurde die Hand abgeschlagen – erliegt. Danach marschiert Heinrich nach Italien, erobert Rom und lässt sich durch den von ihm eingesetzten Gegenpapst Clemens III. zum Kaiser krönen. Endgültig allerdings beigelegt wird der Investiturstreit erst nach dem Tod Heinrichs IV. 1122 in Worms. Das Wormser Konkordat schafft feste Regeln, der Kaiser verliert enorm an geistlicher Macht. Und damit ist das geschehen, was sich bereits längst angedeutet hatte: Die enge Bindung von Kirche und Staat ist zerbrochen.

(sb)

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