1870 n. Chr. – Vaticanum I.
Das erste Vatikanische Konzil reagiert auf die großen Veränderungen. Man will Irrlehren und – aus der Sicht des Vatikans – Fehlentwicklungen entschlossen begegnen und abwehren. Auf der anderen Seite ist sich die Kirche durchaus dessen bewusst, dass besonders im Bereich des Kirchenrechts Änderungen vorgenommen werden müssen. Die spektakulärste Neuerung: Die Unfehlbarkeit des Papstes wird in der Bulle „Pastor Aeternus“ zum Dogma erhoben, worauf sich die Altkatholiken aus Protest abspalten. Doch trotz der Demonstration der Stärke in dieser Frage, muss die Kirche in Italien einen herben Schlag hinnehmen. Bislang hatte Frankreich den Kirchenstaat mit seinen Truppen beschützt. Nun aber befindet sich Frankreich im Krieg mit Preußen und zieht seine Truppen ab. Das nutzen italienische Truppen beginnen den Kirchenstaat zu erobern. Am 20. September 1870 wird Rom eingenommen. Zur Legalisierung des Vorgehens wird eine Volksabstimmung initiiert, die große Mehrheit der Bevölkerung stimmt der Einverleibung des Kirchenstaates zu, die am 6. Oktober 1870 offiziell verkündet wird. Damit ist die Einigung Italiens und das Ziel des Risorgimento (Wiederherstellung“) vollendet. Der Papst lebt zwar noch im Vatikan, ist aber nach dem „Verlust des Kirchenstaates“ nur noch moralische Instanz. Formell allerdings bringen erst die Lateranverträge von 1929 eine gegenseitige Anerkennung.
(sb)