Hildegard von Bingen

"Werde, was du bist – Mensch, werde Mensch!"
Würde Hildegard von Bingen noch heute leben, wäre sie Bestsellernonne und absolute Person der Zeitgeschichte. Mit Charisma, Witz und intellektuellem Scharfsinn wurde sie zur Institution im Männerklub katholische Kirche. Sie vertrat eine revolutionäre und magnetische Glaubensauffassung und schrieb Bücher über Kräuterkunde, die heute, 900 Jahre später, ein bemerkenswertes Revival erleben
Als zehntes Kind einer adeligen Familie, im Jahr 1098 geboren, war Hildegards Schicksal klar: Als jüngste Tochter einer adeligen Familie war sie dazu bestimmt Nonne zu werden. Auf dem Disibodenberg erhielt Hildegard in Nachbarschaft eines Benediktinerklosters eine für damalige Verhältnisse hervorragende Bildung. Die später selige Klausnerin Jutta von Sponheim beeinflusste sie durch ihre außergewöhnliche Spiritualität, die Benediktinermönche lehrten sie Theologie Natur- und Kosmoskunde. Nach dem Tod ihrer Meisterin übernahm Hildegard die geistige Führung des mittlerweile stark gewachsenen Konvent. In der Folgezeit hatte Hildegard ihre ersten Visionen und empfing den göttlichen Befehl, den auch die Propheten des Alten Testaments erhalten hatten: „Schreibe, was du siehst und hörst.“ Aus der Niederschrift dieser Visionen entstand in den Jahren 1041-1051 dann Hildegards erstes Werk, „Scivias“, das den Menschen und seine Entwicklung von der Schöpfung bis zur Erlösung am Ende der Zeit in die Beziehung zu Gott und dem Kosmos setzt.
Das kontemplative Leben Hildegards und ihrer Schwestern wurde jedoch jäh gestört. Wohl aus Platzmangel, aber auch auf Grund einer göttlichen Eingebung Hildegards, verließen die Nonnen den Disibodenberg. In den Jahren zwischen 1147 und 1151 gründete Hildegard ihr erstes Kloster auf dem Rupertsberg.
Nach den Strapazen des Umzugs und Aufbaus fand Hildegard wieder mehr Zeit für das Niederschreiben ihrer Visionen. Nach wie vor stand bei ihr der Ganzheitsgedanke im Zentrum. Ihn machte sie auch in den beiden darauf folgenden großen Schriften, „Liber Vitae Meritorum“ und „Liber Divinorum Operum“, zum Thema. Der Kosmos und seine Wirkung begründet Hildegards Spiritualität: Für sie ist alles miteinander verbunden, aufeinander bezogen und in Gott untrennbar vereint.
Das Geheimnis um ihr "Lebendiges Licht"
Hildegard starb 81-jährig am 17 September 1179 und hinterließ ein großes geistiges Erbe.
Sie war eine außergewöhnliche Frau ihrer Zeit, die auch von den mächtigen Männern der Kirche wegen ihres sicheren und grundehrlichen Urteils respektiert wurde. Sie sagte stets die Wahrheit, auch wenn diese unangenehm war. Einem resignierenden Abt, der sich mit seinen Aufgaben quälte schrieb sie ins Stammbuch: „Denk’ daran, dass du ein irdischer Mensch bist, und fürchte dich nicht so sehr, denn Gott sucht nicht immerzu Himmlisches in dir.“ Hildegard konnte weitherzig und erfrischend-humorvoll sein. Ihre Integrität erlaubte es ihr, großen kirchenpolitischen Einfluss zu nehmen. So unternahm Hildegard insgesamt rund 15 Jahre lang Missionspredigten, was damals für eine Frau eigentlich unmöglich war. Niemand schien sich jedoch dem entziehen zu können, was sie zu sagen hatte.
Sie vertrat ein konsequent christliches Leben. Menschen, die heute nach Orientierung und ganzheitlichem Sinn suchen, sind von Hildegard und ihrer Spiritualität des „Lebendigen Lichtes“ genauso angetan wie die Menschen ihrer Zeit, vor rund 900 Jahren. Der Ganzheitsgedanke steht auch im Zentrum der naturheilkundlichen Schriften Hildegards, die zwischen 1150 und 1165 auf dem Rupertsberg entstanden. Vorraussetzung für die Heilung sind dabei eine maßvolle und geordnete Lebensführung. Es ist wohl auch das Intuitive und dadurch Selbstverständliche, an Hildegards Glaubensauffassung, was die Faszination an der Heiligen ausmacht. Einer ihrer berühmtesten Sätze lautet: „Werde, was du bist – Mensch, werde Mensch!“
Julius Thiemann
Vision – Der Film über Hildegard von Bingen im Kino
Szenen aus den Film, Bilder von den Dreharbeiten, Details zur Handlung













































