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Besonders prominentes Geschenk
"Bei seinem Besuch 2006 übergab uns Benedikt XVI. einige Bischofsinsignien", erzählt Raischl, "ohne etwas zu sagen, legte er auch dieses wunderschöne Kreuz hinzu." Es ist berühmt: Joseph Kardinal Ratzinger trägt es beispielsweise auf dem Bild-Cover seiner Autobiografie. Es war ein Geschenk eines orthodoxen Christen, der einmal bei ihm studiert hat.
Erster Stock: Sonderausstellung
Thema der Sonderausstellung, die jährlich wechselt, ist derzeit "Heimat". Nicht nur um die räumliche Dimension geht es: "Benedikt XVI. kann sich an seine Zeit hier in Marktl ja nicht erinnern", so Raischl. "Damit ist die Frage nach dem Woher in unserem Leben hier auf die Spitze getrieben. Sie wird immer virulenter in unserer mobilen Zeit: Woher komme ich eigentlich? Was prägt mich? Die Religion spielt dabei eine wichtige Rolle." Großteils lebt die Ausstellung von Zitaten Benedikts XVI. – das geht ans Herz. Etwa, wenn er schildert, wie er nach dem Tod seines Vaters spürte, "dass die Welt für mich ein Stück leerer geworden war und dass ein Teil meines Zuhauses in die andere Welt verlegt war." (Aus meinem Leben)
Gästebuch
Dass viele von ihrem Besuch hier sehr bewegt sind, zeigen die vielen internationalen Besucherstimmen.
Erster Stock: Kunstwerk
Das Licht, das hier im Flur durch das Fenster strömt, lässt Mark Angus' "Ave maris stella" ("Meerstern", 2008) zu jeder Tageszeit anders aussehen. Das Glaskunstwerk ist eine Interpretation des Gebets am Ende der Enzyklika "Spe salvi", rechts unten ist Maria zu sehen, neben ihr der Engel bei der Verkündigung.
Erster Stock
Wenige Schritte von dem Glaskunstwerk entfernt: das Geburtszimmer, das gleichzeitig das gemeinsame Schlafzimmer der ganzen Familie ist. Es ist bitterkalt, draußen liegt viel Schnee, als Maria Ratzinger hier am 16. April 1927 Joseph zur Welt bringt. Sie ist bereits 43 Jahre alt, ihr Mann 50.
Geburtszimmer
Die Vorhänge in diesem Raum bleiben geschlossen: "Die Konzentration soll ganz im Raum bleiben", so Raischl. Zwei Bänke laden zum Verweilen und Innehalten ein.
Taufbuch der Pfarrei Marktl
Schon vier Stunden nach seiner Geburt wird der künftige Papst in der Pfarrkirche St. Oswald auf den Namen Joseph Aloisius Ratzinger getauft. Bemerkenswert: Der Name der Hebamme erscheint noch vor denen der Eltern. Heute gebe es einige Marktler, die besonders stolz darauf seien, dass sie von der selben Hebamme zur Welt gebracht worden seien wie der Papst, erzählt Raischl.
Karte von Marktl
Zur Kirche (2) hatte es die Familie Ratzinger (1) nicht weit, wie man hier sieht.
Blick zur Kirche
Aus meinem Leben: "Dass der Geburtstag der letzte Tag der Karwoche und der Vorabend von Ostern war, wurde in der Familiengeschichte immer vermerkt, denn damit hing es zusammen, dass ich gleich am Morgen meines Geburtstages mit dem eben geweihten Wasser ... getauft worden bin".
Taufkirche
"...Der erste Täufling des neuen Wassers zu sein, wurde als eine bedeutsame Fügung gesehen..."
Taufbecken
"...Freilich – es war nicht Ostersonntag gewesen, sondern eben Karsamstag. Aber je länger ich nachdenke, desto mehr scheint mir das dem Wesen unseres menschlichen Lebens gemäß zu sein, das noch auf Ostern wartet, noch nicht im vollen Licht steht, aber doch vertrauensvoll darauf zugeht." (Aus meinem Leben)
Taufbecken
1965 wurde das Taufbecken aus der umgestalteten Kirche entfernt, man befand den Stil als nicht mehr zeitgemäß.
Detailansicht Taufbecken
2006 kehrte das Becken zurück: Am Ostersonntag wurde erstmals wieder ein Kind darin getauft.
Innenraum der Kirche
Von dem ursprünglichen Bau der Kirche ist lediglich der Chorraum mit dem neugotischen Altar erhalten, in dem heute das Taufbecken steht (vorne links). Im Bild: der moderne Teil der Kirche St. Oswald.
Benedikt XVI.
Bei seinem Besuch 2006 in St. Oswald hielt der Papst an seinem Taufbecken inne.
Anlässlich seines Papstbesuches
Marktl-Ansicht
Bei einer Predigt anlässlich seines Besuches 1986 sagte der damalige Joseph Kardinal Ratzinger: "Auch wenn die Erinnerungen an Marktl im Dunkel der frühen Tage für mich fast versinken, so bleibt es doch der Ort, an dem mir meine Eltern das Leben geschenkt haben, der Ort, an dem ich meine ersten Schritte auf dieser Erde getan habe, der Ort, da ich sprechen gelernt habe, der Ort, an dem ich getauft worden bin am Karsamstagmorgen und so Glied der Kirche Jesu Christi wurde."
Auf Wiedersehen in Marktl?
Ob es Benedikt XVI. möglich sein wird, noch einmal zu seinen Wurzeln in Marktl zurückzukehren, ist offen. Aber wie sagte er einmal in einem Interview auf die Frage, ob er Heimweh habe? Die wunderschöne und geliebte bayerische Landschaft sei ihm vor dem inneren Auge so gegenwärtig, "dass meine Seele darin wandern kann."