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Freitag, 12. März 2010 3. Freitag der Fastenzeit Almud, Beatrix

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der Papst heute?

Ein Tag in Benedikts Leben: Aufstehen um 5.00 Uhr...

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"Marktlforschung"

"Der Herr segne diesen mir so teuren Ort"

Ein Deutscher ist Papst – und sein kleiner Geburtsort Marktl am Inn erlangt über Nacht Weltruhm. Wie sieht es dort nun aus, vier Jahre später nach dem Konklave? Wie gehen die Einwohner um mit dem Rampenlicht? glaubenslust.de hat "Marktlforschung" betrieben und nimmt Sie mit auf eine Bilderreise durch den Ort, das Geburtshaus mit seiner ganz besonderen Atmosphäre bis hin zum berühmten Taufbecken. Gehen Sie mit uns zurück zu Benedikts XVI. Wurzeln und erfahren Sie, was "Heimat" für ihn bedeutet.

Für Hintergrundinfos: Klicken Sie auf das Bild!

Ein kleiner 2.700-Einwohner-Ort mit Weltruhm

An seine ersten zwei Lebensjahre hier kann sich Papst Benedikt XVI. gar nicht mehr erinnern. Doch sagte er selbst einmal: "Nach langer Lebensreise ist es schön, seine Wurzeln wieder zu entdecken." Wie aber gehen diesem Marktler mit dem großen Erbe um?

Ehre, wem Ehre gebührt

"Die Menschen hier sind schon stolz", sagt ein junge Marktlerin kurz und knapp. Schon 1997 bekam Kardinal Joseph Ratzinger die Ehrenbürgerwürde verliehen (was in München damals scheiterte). 2006 wurde anlässlich seines Besuches die goldene Säule vor dem Geburtshaus errichtet: ein Werk des Eggenfelder Bildhauers Joseph Michael Neustifter.

Nahaufnahme Benediktsäule

4,2 Meter ist sie hoch, die Form gleicht einer Schriftrolle. Die Benediktsäule ist ein Zeichen christlicher Frohbotschaft und soll die Freude über die Ernennung Ratzingers zum Papst ausdrücken.

Heilige Familie auf Benediktsäule

Maria und Joseph – so hießen auch die Eltern Benedikts XVI., dem seine Familie bis heute heilig ist: "Heimat ist dort, wo die Kindheit verlebt wurde, wo die Geschwister sind und die Menschen, mit denen man zusammengehört. Unsere Familie war jedenfalls ein wirkliches Zuhause und hat sozusagen immer den tragenden Grund für mein Leben gebildet", schreibt er in seiner Autobiografie "Aus meinem Leben".

Familienfoto

Joseph, Georg und Maria Ratzinger mit den Eltern: "Mein Vater war ein sehr gerechter, aber auch strenger Mann. Aber wir haben immer gespürt, daß er streng war aus Güte. Und deswegen konnten wir seine Strenge gut aufnehmen." ... "Meine Mutter hat immer schon das, was an ihm vielleicht zu streng war, durch ihre Wärme und Herzlichkeit ausgeglichen." (Aus: Salz der Erde)

Fahnen auf dem Marktplatz vor dem Geburtshaus

Der anfängliche Hype in Marktl nach der Papstwahl im April 2005 ist vorüber. Auch die "Vermarktlung" hält sich inzwischen in Grenzen...

Souvenirs in der Bäckerei nebenan

"Wir hatten am Anfang noch viel mehr Papst-Produkte", erzählt die Bäckerin dieses Geschäftes. Der Grund: Die Leute strömten herbei, doch das Papsthaus war noch in Privatbesitz, das Taufbecken nicht in der Kirche, sondern im Heimatmuseum platziert – viele Touristen waren enttäuscht. Findige Geschäftsleute witterten ihre Chance – und tun es noch...

Relikte der "Vermarktlung"

Die "Süße Mitra" ist immer noch ein Renner. Der Laden nebenan verkauft sogar Papst-Benedikt-Torte und "Vatikanbrot".

Erinnerungen an Benedikts XVI. Besuch 2006

Auch das Tourismusbüro gegenüber wartet mit Souvenirs auf: von T-Shirts über Postkarten, Benedikt-Glasskulpturen bis hin zu diesen steinernen Mitbringseln mit Sprüchen darauf – auch auf Italienisch. Italiener und Polen sind die häufigsten ausländischen Gäste.

Polnische Reisegruppe vor dem Geburtshaus

Auch wenn es inzwischen ruhiger geworden ist, reißt der Besucherstrom nicht ab: Mehr als 70.000 Menschen kamen seit 16. April 2007 nach Marktl, um Benediks XVI. schlicht gehaltenes Geburtszimmer und das berühmte Taufbecken zu besichtigen. Das Haus wurde 1701 gebaut, ging Ende des 18 Jh. an die Wagnersfamilie Lankensberger über und blieb bis 1999 im Besitz der Familie. Eine alleinerziehende Mutter, vor deren Fenstern nach der Papstwahl permanent Touristen aufkreuzten, verkaufte es 2006 an die Stiftung Geburtsthaus Papst Benedikt XVI..

Damals

Die Familie wohnt seit 1925 hier, 1927 wird Joseph Ratzinger als drittes Kind geboren. 1929 folgt der Umzug nach Tittmoning – Vater Ratzinger arbeitet als Stationskommandant und wird häufig versetzt, nicht zuletzt, weil er das Nazi-Regime zutiefst verachtet.

Tafel neben dem Eingang

Auch wenn alle Welt vom "Geburtsthaus" spricht: Die Marktler nennen es immer noch das "Amts- und Zollhaus", weil es das vor langer Zeit einmal war.

Ebenfalls direkt neben dem Eingang

Wer dachte, die Ratzingers seien die einzigen Berühmtheiten, die hier lebten, irrt...!

Das Haus von hinten

Heute ist das Haus renoviert, damals freilich war der Zustand ein anderer. Die Familie Ratzinger bewohnte den ersten Stock, in dem sich auch die Polizeistation befand.

Willkommen im Geburtshaus

"Benedikt XVI. war es wichtig, dass hier nicht seine Person im Mittelpunkt steht", erklärt der theologische Referent des Geburtshauses, Ludwig Raischl, der die Ausstellung konzeptioniert hat. "Es geht um die christliche Botschaft und urreligiöse Frage nach dem Woher des Lebens. Das Haus soll ein würdiger Ort der Begegnung sein – auch mit der eigenen Person."

Stationen eines Lebens

Die Dauerausstellung würdigt jede Lebensphase Benedikts XVI.. Sie ist schlicht und doch modern: Etwa kann der Besucher in jedem Raum an einer "Mediabox" Fotos und Videos abrufen. Vor Betreten der Ausstellung sehen sich die meisten den zwölfminütigen Film zur Einstimmung an, der nicht nur Werk und Mensch in den Blick nimmt, sondern auch meditativen Charakter hat.

Begegnungen mit Benedikt

Zweifellos: Man lernt hier den Menschen Joseph Ratzinger und sein Denken besser kennen. Interessant etwa der Primizspruch, den er sich damals, 1951, aussuchte: "Nicht Herren eures Glaubens sind wir, sondern Diener eurer Freude". Raischl weist auf die Demut hin, die daraus spricht: "Es geht um den Dienst. Die Ideologie des Herrenmenschen und auch ihr Scheitern hatte Ratzinger ja selbst erlebt. Er konnte nie etwas mit dem Begriff der ,Macht' anfangen, jede Gewaltverherrlichung hat ihn immer abgestoßen."

Wappen

Bezeichnend auch: Benedikt XVI. war der erste Papst, der auf die Tiara im Wappen als Symbol der Macht verzichtete, an ihre Stelle setzte er eine einfache Mitra.

Erster Stock: Papstzimmer

Im ersten Stock des Hauses befinden sich Themenräume: das Geburts-, Theologen- und Papstzimmer. Einige der Exponate haben Benedikt XVI. und sein Bruder Georg Ratzinger dem Haus persönlich übergeben.

Besonders prominentes Geschenk

"Bei seinem Besuch 2006 übergab uns Benedikt XVI. einige Bischofsinsignien", erzählt Raischl, "ohne etwas zu sagen, legte er auch dieses wunderschöne Kreuz hinzu." Es ist berühmt: Joseph Kardinal Ratzinger trägt es beispielsweise auf dem Bild-Cover seiner Autobiografie. Es war ein Geschenk eines orthodoxen Christen, der einmal bei ihm studiert hat.

Erster Stock: Sonderausstellung

Thema der Sonderausstellung, die jährlich wechselt, ist derzeit "Heimat". Nicht nur um die räumliche Dimension geht es: "Benedikt XVI. kann sich an seine Zeit hier in Marktl ja nicht erinnern", so Raischl. "Damit ist die Frage nach dem Woher in unserem Leben hier auf die Spitze getrieben. Sie wird immer virulenter in unserer mobilen Zeit: Woher komme ich eigentlich? Was prägt mich? Die Religion spielt dabei eine wichtige Rolle." Großteils lebt die Ausstellung von Zitaten Benedikts XVI. – das geht ans Herz. Etwa, wenn er schildert, wie er nach dem Tod seines Vaters spürte, "dass die Welt für mich ein Stück leerer geworden war und dass ein Teil meines Zuhauses in die andere Welt verlegt war." (Aus meinem Leben)

Gästebuch

Dass viele von ihrem Besuch hier sehr bewegt sind, zeigen die vielen internationalen Besucherstimmen.

Erster Stock: Kunstwerk

Das Licht, das hier im Flur durch das Fenster strömt, lässt Mark Angus' "Ave maris stella" ("Meerstern", 2008) zu jeder Tageszeit anders aussehen. Das Glaskunstwerk ist eine Interpretation des Gebets am Ende der Enzyklika "Spe salvi", rechts unten ist Maria zu sehen, neben ihr der Engel bei der Verkündigung.

Erster Stock

Wenige Schritte von dem Glaskunstwerk entfernt: das Geburtszimmer, das gleichzeitig das gemeinsame Schlafzimmer der ganzen Familie ist. Es ist bitterkalt, draußen liegt viel Schnee, als Maria Ratzinger hier am 16. April 1927 Joseph zur Welt bringt. Sie ist bereits 43 Jahre alt, ihr Mann 50.

Geburtszimmer

Die Vorhänge in diesem Raum bleiben geschlossen: "Die Konzentration soll ganz im Raum bleiben", so Raischl. Zwei Bänke laden zum Verweilen und Innehalten ein.

Taufbuch der Pfarrei Marktl

Schon vier Stunden nach seiner Geburt wird der künftige Papst in der Pfarrkirche St. Oswald auf den Namen Joseph Aloisius Ratzinger getauft. Bemerkenswert: Der Name der Hebamme erscheint noch vor denen der Eltern. Heute gebe es einige Marktler, die besonders stolz darauf seien, dass sie von der selben Hebamme zur Welt gebracht worden seien wie der Papst, erzählt Raischl.

Karte von Marktl

Zur Kirche (2) hatte es die Familie Ratzinger (1) nicht weit, wie man hier sieht.

Blick zur Kirche

Aus meinem Leben: "Dass der Geburtstag der letzte Tag der Karwoche und der Vorabend von Ostern war, wurde in der Familiengeschichte immer vermerkt, denn damit hing es zusammen, dass ich gleich am Morgen meines Geburtstages mit dem eben geweihten Wasser ... getauft worden bin".

Taufkirche

"...Der erste Täufling des neuen Wassers zu sein, wurde als eine bedeutsame Fügung gesehen..."

Taufbecken

"...Freilich – es war nicht Ostersonntag gewesen, sondern eben Karsamstag. Aber je länger ich nachdenke, desto mehr scheint mir das dem Wesen unseres menschlichen Lebens gemäß zu sein, das noch auf Ostern wartet, noch nicht im vollen Licht steht, aber doch vertrauensvoll darauf zugeht." (Aus meinem Leben)

Taufbecken

1965 wurde das Taufbecken aus der umgestalteten Kirche entfernt, man befand den Stil als nicht mehr zeitgemäß.

Detailansicht Taufbecken

2006 kehrte das Becken zurück: Am Ostersonntag wurde erstmals wieder ein Kind darin getauft.

Innenraum der Kirche

Von dem ursprünglichen Bau der Kirche ist lediglich der Chorraum mit dem neugotischen Altar erhalten, in dem heute das Taufbecken steht (vorne links). Im Bild: der moderne Teil der Kirche St. Oswald.

Benedikt XVI.

Bei seinem Besuch 2006 in St. Oswald hielt der Papst an seinem Taufbecken inne.

Anlässlich seines Papstbesuches

Marktl-Ansicht

Bei einer Predigt anlässlich seines Besuches 1986 sagte der damalige Joseph Kardinal Ratzinger: "Auch wenn die Erinnerungen an Marktl im Dunkel der frühen Tage für mich fast versinken, so bleibt es doch der Ort, an dem mir meine Eltern das Leben geschenkt haben, der Ort, an dem ich meine ersten Schritte auf dieser Erde getan habe, der Ort, da ich sprechen gelernt habe, der Ort, an dem ich getauft worden bin am Karsamstagmorgen und so Glied der Kirche Jesu Christi wurde."

Auf Wiedersehen in Marktl?

Ob es Benedikt XVI. möglich sein wird, noch einmal zu seinen Wurzeln in Marktl zurückzukehren, ist offen. Aber wie sagte er einmal in einem Interview auf die Frage, ob er Heimweh habe? Die wunderschöne und geliebte bayerische Landschaft sei ihm vor dem inneren Auge so gegenwärtig, "dass meine Seele darin wandern kann."

Fotos: Peter Fuchs / Abbildungen mit freundlicher Genehmigung des Geburtshauses Papst Benedikt XVI.

 

Das Geburtshaus Benedikt XVI. ist jedes Jahr zwischen Ostern und Allerheiligen geöffnet, Dienstag bis Freitag (10.00 bis 12.00, 14.00 bis 18.00 Uhr) und Samstag/Sonntag (10.00 bis 18.00 Uhr). 

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Antonia Groll (2.5.09)

Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt

Text des Tages, Hildegard von Bingen:

Der Mensch ist ein Bild Gottes und ein Partner aller Kreaturen der Welt.