Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: FAQ

Liborius Verlagsgruppe Bayerisches Sonntagsblatt Liborius Magazin Liboriusblatt
Donnerstag, 24. Mai 2012 Dagmar, Ester
Augenblicke|Das Magazin|Nachrichten|Wissen|Unser Glaube|Specials|Forum|E-Cards|Spiele

Etappen Ihres Lebens: Taufe | Kommunion | Firmung | Ehe | Trauer

Drucken | Versenden | Mail an die Redaktion

glaubenslust – Der Tag


Das Kreuz mit den Pius-Brüdern

Sie tun es einfach: Die Priesterbrüderschaft Pius X. will im Juni in der Schweiz, in den USA und in Regensburg insgesamt 21 Männer zu Priestern weihen – obwohl sie dazu nicht die Erlaubnis des Papstes hat. Bereits am 3. Mai hatte der Obere der Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay trotz des ungeklärten kirchenrechtlichen Status der Gemeinschaft in Frankreich einen jungen Schweizer zum Priester geweiht. Nicht nur Kirchenvertreter sind empört. Hier lesen Sie knapp zusammengefasst nochmals die bewegenden Ereignisse rund um die umstrittene  Priestervereinigung.

1988 wurden vier geweihte und zwei weihende Bischöfe exkommuniziert. Warum?

Seit 1975 hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status mehr. Grund war vor allem ihre strikte Ablehnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, speziell der Erklärung "Nostra aetate", mit der die Kirche einen wesentlichen Schritt im interreligiösen Dialog machte. Illegale Weihen führten 1988 zur Exkommunikation. "Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag bedeutet die Gefahr eines Schismas, weil sie die Einheit des Bischofskollegiums mit dem Papst in Frage stellt", erklärte dazu Papst Benedikt XVI. in seinem Brief an die Bischöfe am 10. März 2009.

Foto: KNA
Im Bild: Pius-Brüder bei einer Diakonenweihe im März 2009 (Foto: KNA)

Warum wurde im Januar 2009 die Exkommunikationaufgehoben?

Am 15. Dezember 2008 wandte sich der Generalobere der Piusbruderschaft, der exkommunizierte Bischof Bernard Fellay, an den Vatikan. Er bat darum, seine Exkommunikation und die seiner drei Mitbrüder aufzuheben. Die Initiative ging also nicht vom Vatikan aus.

Was bedeutet die Aufhebung der Exkommunikation?

Die vermeintliche "Wiederaufnahme" ist überhaupt keine Wiederaufnahme. Die vier Bischöfe waren nie draußen. Marcel Lefebvre exkommunizierte sie und sich durch die illegitime Weihe. Die Kirche verweigerte ihnen daraufhin die Sakramente – das, und wirklich nur das, wird durch die Aufhebung der Exkommunizierung rückgängig gemacht. Ämter ausführen dürfen die Bischöfe nicht.

Was verspricht sich der Papst davon?

"Die Rücknahme der Exkommunikation dient dem gleichen Ziel wie die Strafe selbst: noch einmal die vier Bischöfe zur Rückkehr einzuladen. Diese Geste war möglich, nachdem die Betroffenen ihre grundsätzliche Anerkennung des Papstes und seiner Hirtengewalt ausgesprochen hatten, wenn auch mit Vorbehalten, was den Gehorsam gegen seine Lehrautorität und gegen die des Konzils betrifft", so Benedikt XVI.

Er betont, man müsse unterscheiden zwischen Personen und der Institution: "Die Personen wurden von der Gewissenslast der schwersten Kirchenstrafe befreit. Von dieser disziplinären Ebene ist der doktrinelle Bereich zu unterscheiden."

Im Prinzip war es ein intelligenter Schachzug des Papstes: Durch seine Umarmung sollten die Piusbrüder daran gehindert werden, weiter im Rücken der Kirche ihre Messer zu wetzen. Dieses Vorgehen ist gerade in der Politik eine wirksam und oft gebrauchte Strategie. Ein Beispiel: Hillary Clinton wird als Außenministerin der USA davon abgehalten, gegen Barack Obamas Regierung zu intrigieren.

Warum sorgen die Pius-Brüder jetzt wieder für Wirbel?

Die besagten Pius-Brüder sind zwar nicht mehr exkommuniziert, die Bruderschaft hat aber keinen kanonischen Status in der Kirche, und solange üben ihre Amtsträger, auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind, keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus. Deshalb sorgen die aktuell geplanten Weihen für mächtige Empörung.

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hatte mehrfach erklärt, er erwarte von den Traditionalistenbischöfen, dass sie unerlaubte Weihen unterlassen, bis ihr kirchenrechtlicher Status geklärt sei. "Einerseits sagt man (d.h. die Piusbrüder, A.d.R.), man erkennt den Papst und den Bischof an und fügt sich ein in das Kirchenrecht der katholischen Kirche, andererseits aber begeht man dann solche Akte, die natürlich als Provokation angesehen werden müssen", so Müller im Gespräch mit Radio Vatikan. Kirchenrechtler sprechen von einer "schismatischen Haltung" der Brüder. In Regensburg wird nun auf Anweisungen aus dem Vatikan gewartet.

Wie wird der Vatikan reagieren?

Klar ist bisher nur: Der Vatikan will in den kommenden Tagen seine Kontakte zu den Traditionalisten neu strukturieren. Die bislang eigenständig operierende päpstliche Kommission "Ecclesia Dei", die die Verhandlungen mit rückkehrwilligen Mitgliedern der Priesterbruderschaft St. Pius X. und ähnlicher Gruppe koordiniert, soll direkt der Glaubenskongregation unterstellt werden. Die Änderung werde noch in diesem Monat durch ein Schreiben des Papstes, vermutlich im Rang eines Erlasses ("Motu proprio") verfügt, verlautete aus römischen Kirchenkreisen.

Danach soll der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, unmittelbar künftig für den Kontakt zu jenen Traditionalisten zuständig sein, die in eine volle Gemeinschaft mit dem Papst zurückkehren wollen. Für die laufenden Amtsgeschäfte soll ein Sekretär oder Vize-Präsident ernannt werden.

 

Simon Biallowons, Antonia Groll (12.6.09)

 

Der Papst im Portrait: Die wichtigsten Stationen & die besten Bücher Benedikts XVI.!




Übermittlung Ihrer Stimme...
noch nicht bewertet


Die Kommentare der Liborius-User:


von Henne

am Montag, 2. November 2009

Sollen die Piusbrüder doch machen, was sie wollen.
Aber nicht in der römisch-katholischen Kirche.

Übermittlung Ihrer Stimme...
noch nicht bewertet
 
 

Ihre Meinung zu diesem Thema (Sie müssen nicht angemeldet sein):

Ins Gästebuch eintragen
  (wird nicht angezeigt)
(* Pflichtfeld)

Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt