Warum wurde im Januar 2009 die Exkommunikationaufgehoben?
Am 15. Dezember 2008 wandte sich der Generalobere der Piusbruderschaft, der exkommunizierte Bischof Bernard Fellay, an den Vatikan. Er bat darum, seine Exkommunikation und die seiner drei Mitbrüder aufzuheben. Die Initiative ging also nicht vom Vatikan aus.
Was bedeutet die Aufhebung der Exkommunikation?
Die vermeintliche "Wiederaufnahme" ist überhaupt keine Wiederaufnahme. Die vier Bischöfe waren nie draußen. Marcel Lefebvre exkommunizierte sie und sich durch die illegitime Weihe. Die Kirche verweigerte ihnen daraufhin die Sakramente – das, und wirklich nur das, wird durch die Aufhebung der Exkommunizierung rückgängig gemacht. Ämter ausführen dürfen die Bischöfe nicht.
Was verspricht sich der Papst davon?
"Die Rücknahme der Exkommunikation dient dem gleichen Ziel wie die Strafe selbst: noch einmal die vier Bischöfe zur Rückkehr einzuladen. Diese Geste war möglich, nachdem die Betroffenen ihre grundsätzliche Anerkennung des Papstes und seiner Hirtengewalt ausgesprochen hatten, wenn auch mit Vorbehalten, was den Gehorsam gegen seine Lehrautorität und gegen die des Konzils betrifft", so Benedikt XVI.
Er betont, man müsse unterscheiden zwischen Personen und der Institution: "Die Personen wurden von der Gewissenslast der schwersten Kirchenstrafe befreit. Von dieser disziplinären Ebene ist der doktrinelle Bereich zu unterscheiden."
Im Prinzip war es ein intelligenter Schachzug des Papstes: Durch seine Umarmung sollten die Piusbrüder daran gehindert werden, weiter im Rücken der Kirche ihre Messer zu wetzen. Dieses Vorgehen ist gerade in der Politik eine wirksam und oft gebrauchte Strategie. Ein Beispiel: Hillary Clinton wird als Außenministerin der USA davon abgehalten, gegen Barack Obamas Regierung zu intrigieren.
Warum sorgen die Pius-Brüder jetzt wieder für Wirbel?
Die besagten Pius-Brüder sind zwar nicht mehr exkommuniziert, die Bruderschaft hat aber keinen kanonischen Status in der Kirche, und solange üben ihre Amtsträger, auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind, keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus. Deshalb sorgen die aktuell geplanten Weihen für mächtige Empörung.
Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hatte mehrfach erklärt, er erwarte von den Traditionalistenbischöfen, dass sie unerlaubte Weihen unterlassen, bis ihr kirchenrechtlicher Status geklärt sei. "Einerseits sagt man (d.h. die Piusbrüder, A.d.R.), man erkennt den Papst und den Bischof an und fügt sich ein in das Kirchenrecht der katholischen Kirche, andererseits aber begeht man dann solche Akte, die natürlich als Provokation angesehen werden müssen", so Müller im Gespräch mit Radio Vatikan. Kirchenrechtler sprechen von einer "schismatischen Haltung" der Brüder. In Regensburg wird nun auf Anweisungen aus dem Vatikan gewartet.
Wie wird der Vatikan reagieren?
Klar ist bisher nur: Der Vatikan will in den kommenden Tagen seine Kontakte zu den Traditionalisten neu strukturieren. Die bislang eigenständig operierende päpstliche Kommission "Ecclesia Dei", die die Verhandlungen mit rückkehrwilligen Mitgliedern der Priesterbruderschaft St. Pius X. und ähnlicher Gruppe koordiniert, soll direkt der Glaubenskongregation unterstellt werden. Die Änderung werde noch in diesem Monat durch ein Schreiben des Papstes, vermutlich im Rang eines Erlasses ("Motu proprio") verfügt, verlautete aus römischen Kirchenkreisen.
Danach soll der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, unmittelbar künftig für den Kontakt zu jenen Traditionalisten zuständig sein, die in eine volle Gemeinschaft mit dem Papst zurückkehren wollen. Für die laufenden Amtsgeschäfte soll ein Sekretär oder Vize-Präsident ernannt werden.
Simon Biallowons, Antonia Groll (12.6.09)
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