Volkskundler: Deutsche sparen auch bei Beerdigungen
München (KNA) Auch beim Sterben wird gespart: Zum einen ließen sich
immer mehr Deutsche nach ihrem Tod einäschern, zum anderen nehme
auch die Zahl der preiswerten anonymen Bestattungen zu, berichtet
der Hamburger Historiker und Volkskundler Norbert Fischer dem
Nachrichtenmagazin «Focus». Durch diese Trends entgingen den
kommunalen Friedhöfen wichtige Einnahmen. Zudem bestehe durch den
geringeren Raumbedarf aufgrund von Urnenbeisetzungen auf deutschen
Friedhöfen kein Platzmangel mehr. Ihre Areale dürften in Zukunft
eher schrumpfen, so Fischer.
Darüber hinaus verlören die kommunalen Friedhöfe Marktanteile an die
mehr als 80 privaten «Friedwälder». Anonyme Beisetzungen nehmen laut
Fischer vor allem deshalb zu, weil die Menschen ihren
Hinterbliebenen «keine Arbeit und keine Kosten» verursachen wollten,
oder weil sie sich sagten: «Ich will einfach kein Geld auf dem
Friedhof vergeuden, ich will das Geld lieber verkonsumieren - oder
vererben.»
Fischer, der als Professor an der Universität Hamburg den Wandel der
Bestattungssitten erforscht, hält es nur für eine Frage der Zeit,
bis auch in Deutschland der Friedhofszwang für Urnenbestattungen
aufgehoben wird. Dann dürften die Hinterbliebenen über die Asche des
Verstorbenen frei verfügen - und sie überall verstreuen.