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FAQ Trauer

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FAQ zum Thema Tod & Trauer

Warum ist der Tod ein Tabuthema? Warum fühlen sich manche Angehörigen schuldig, wenn jemand verstorben ist? Wann müssen sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen? Antworten auf wichtigen Fragen rund ums Thema „Trauer“ finden Sie hier

 


Wir glauben doch an die Auferstehung. Darf man als Christ trotzdem trauern?

Natürlich. Trauer ist eine notwendige und gesunde Reaktion auf den Verlust eines geliebten Menschen. Auch der Glaube ändert nichts an der Trauer. Unterdrückte Trauer ist sehr belastend und kann zu psychischen und körperlichen Problemen führen.

Warum sprechen wir nicht gerne über den Tod?

„Ich will mir einfach nicht vorstellen, dass ich das Liebste verliere. Der Tod ist endgültig; der Mensch, den man liebgewonnen hat, verreist ja nicht vorübergehend. Gleichzeitig hat man auch Angst um sich selbst – das Thema Sterben und Tod betrifft mich ja auch. ‚Sterben’ benutzen wir im Alltag relativ selten, weil wir das Wort mit Qual und Schmerzen verbinden. ‚Wenn ihm mal was passiert’ – das geht leichter über die Lippen als ‚Wenn er stirbt’. Die Umschreibung ist eine Art Selbstschutz – damit man den Begriff nicht beim Namen nennen muss.“ (Arnd Stein, Psychologe)

Ist es normal, dass die Gedanken des Trauernden völlig auf den Verstorbenen fixiert sind?

Ja. Es verständlich, dass alle Gedanken des Trauernden ausschließlich um den Verstorbenen kreisen. Diese intensive Beschäftigung mit dem Verstorbenen und mit seinem Tod gehört zur normalen Trauerarbeit und ist ebenfalls notwendig für die Bewältigung des Verlustes. 

Warum macht sich der Trauernde selbst Vorwürfe?

Der Trauernde lebt in einer Welt mit eigenen Gesetzmäßigkeiten und einer eigenen Logik. So kommt es zu Überzeugungen wie: „Ich habe gesündigt, deshalb musste mein Bruder sterben.“ Der/die Betroffene ist nicht „verrückt“, sondern durchlebt gerade eine schwierige Phase der Trauer. 

Was kann ich tun, wenn der Trauernde einem Unbeteiligten plötzlich die Schuld am Tod des Verstorbenen gibt?

Ein häufiges Phänomen während der Trauer ist das Missachten von Tatsachen und Sachzusammenhängen. In der Vorstellung des Trauernden besteht ein kompliziertes Zusammenspiel zwischen einzelnen Personen. So kann es dazu kommen, dass er /sie die Schuld am Tod des geliebten Menschen einer Person zuschreibt, die gar nichts damit zu tun hatte.

Die beste Reaktion ist stillschweigendes Hinnehmen der Vorwürfe. 

Was ist der Grund für die Idealisierung des Verstorbenen?

Es kommt sehr häufig vor, dass der Trauernde sich nur noch an gute Seiten des Verstorbenen erinnert und sogar vehement bestreitet, dass er auch (offenkundige) Schwächen hatte. Meist ist der Hinterbliebene in der Trauerphase gar nicht in der Lage, den erlittenen Verlust sachlich zu bewerten oder die Stärken und Schwächen des Verstorbenen objektiv zu beurteilen. Hinter der Glorifizierung kann aber auch Angst vor dem Verstorbenen (er könnte ja den Hinterbliebenen in den Tod mitreißen) oder Angst um den Verstorbenen (er soll vor Gott in einem guten Licht erscheinen) stehen. Auch können damit Schuldgefühle verdrängt und vergangene Auseinandersetzungen mit dem Verstorbenen verborgen werden.

Praktischer Hinweis: Nie einen Trauernden beglückwünschen, dass er jetzt von der Person befreit ist, unter der er schwer zu leiden hatte.

Kann ein Todesfall Angst auslösen?

Sehr häufig sogar. Im Nachhinein werden Kleinigkeiten, die man dem Verstorbenen „angetan“ hat, als große Schuld gewertet. Oft wird durch den Todesfall auch Angst ausgelöst: Angst vor dem Verstorbenen, der jetzt noch weiter Macht ausübt; Angst, selber sterben zu müssen; Angst, nicht von dem Verstorbenen loszukommen; Angst, von ihm in den Tod gerissen zu werden, weil das Leben ohne ihn sinnlos ist. 

Kann der Tod eines lieben Menschen beim Trauernden zu einer Minderung des Selbstwertgefühls führen?

Es kann vorkommen, dass sich der Trauernde ohne den Verstorbenen nicht zurechtfindet und seine Selbständigkeit einbüßt, ja die Selbstachtung verliert.

Beginnt die Trauer immer erst mit dem Tod des geliebten Menschen?

Nein. Die Trauer kann schon vorweggenommen werden, wenn zum Beispiel eine unheilbare Krankheit festgestellt wird und der Tod nur noch eine Frage der Zeit ist.

Wann muss der Trauernde professionelle Hilfe bekommen? 

Trauerverarbeitung ist dann krankhaft, wenn folgende Anzeichen intensiv und anhaltend auftreten:

  • Ablehnung jeder Hilfe 
  • Apathie 
  • Isolation
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Halluzinationen
  • Stimmen hören
  • das Gefühl, dass der Tote anwesend ist
  • Realitätsverlust
  • Leugnung des Toten
  • zwanghafte Selbstanschuldigungen
  • paranoide Ängste
  • Schlaflosigkeit
  • Selbstmordgedanken
  • aggressive und destruktive Träume
  • wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes
  • gesteigerter Alkohol- und Nikotingenuss

Was tun, wenn der Trauernde den Tod nicht anerkennt und nach dem Verstorbenen sucht?

Dahinter steht die Sehnsucht nach der verlorenen Vergangenheit, in der man beheimatet war. Man sollte den Trauernden dahin führen, dass seine Heimat und das Ziel seiner Sehnsucht nicht in der Vergangenheit liegen kann: „Die schönsten Erinnerungen liegen noch vor uns!“Die Verkündigung von der Auferstehung Jesu ist dem Gläubigen ein wirksamer Trost.

Kann es vorkommen, dass jemand nach einem Todesfall Erleichterung, ja Euphorie verspürt?

Durchaus - als Ausdruck für das befreite Gefühl des Trauernden, die bedrückende Situation überstanden und die damit zusammenhängenden seelischen Belastungen überwunden zu haben. Sind diese Regungen sehr stark ausgeprägt, spricht man auch von einer manischen Reaktion.

Warum klagt der Trauernde manchmal den Verstorbenen an?

Mit Vorwürfen oder mit einer Anklage macht der Hinterbliebene den Verstorbenen für sein momentanes Leid verantwortlich: „Warum hast du mir das angetan?“ Außerdem will der Trauernde den Verstorbenen unbewusst zur Rückkehr zwingen. Je vehementer diese Versuche sind, desto schneller wird der Trauernde aber erkennen, dass der Verstorbene nie mehr zurückkommt. 

Kann der Tod eines Menschen beim Hinterbliebenen Aggressionen auslösen?

Ja – vor allem wenn eine Autoritätsperson stirbt. Jetzt entsteht beim Hinterbliebenen zwar eine gewisse Befriedigung, aber gleichzeitig werden auch aggressive Regungen freigesetzt, die zu Lebezeiten des Verstorbenen unterdrückt wurden. Diese gedanklichen oder verbalen Aggressionen gegen den Verstorbenen führen beim Trauernden meist zu Schuldgefühlen.

Warum kann es bei Trauernden zu Schuldgefühlen kommen?

Schuldgefühle dem Verstorbenen gegenüber können unterschiedlich intensiv sein und verschiedene Gründe haben:

  • Schuld wegen der Erleichterung über den Tod
  • Schuld wegen bestimmter Versäumnisse oder Fehler
  • Schuld, weil man dem Verstorbenen den Tod gewünscht hat
  • Schuld, weil man selbst überlebt hat

Praktischer Hinweis: Der Zuspruch der Vergebung im Lichte des Glaubens kann von Schuldgefühlen befreien.

Welche Bedeutung hat das Totenmahl/der Leichenschmaus im Trauerprozess?

Das Totenmahl kann mehrere sehr wichtige Funktionen erfüllen:

  • es zeigt, dass das Leben weitergeht
  • es bietet Gelegenheit, eventuellen Vorwürfen gegen den Verstorbenen ein Ende zu setzen
  • man kann sich über Beschuldigungen wegen angeblicher Vernachlässigung aussprechen
  • das gemeinsame Mahl kann Spannungen abbauen und Familienbande erneuern
  • es bietet die Gelegenheit, sich gemeinsam mit anderen an den Verstorbenen mit all seinen Stärken und Schwächen zu erinnern, was eine wichtige Rolle bei der Trauerbewältigung spielt

Wie formuliere ich mein Beileid?

Am besten sprechen Sie einem Trauernden ihr Beileid aus, indem Sie genau das sagen, was Sie gerade empfinden: „Ich weiß jetzt gar nicht, was ich sagen soll – ich war sehr schockiert, als ich gehört habe, dass … gestorben ist. Ich bin darüber sehr betroffen.“

Praktischer Hinweis: Sätze wie „Das wird schon wieder“, „Kopf hoch!“, „Mir ging es damals schlechter als dir“, „Nur Mut“ oder „Man muss eben tapfer sein und das mit Haltung tragen“ unbedingt vermeiden! Sie wirken auf Trauernde eher verletzend und tragen dazu bei, dass sie sich unverstanden und alleine gelassen. Hier kann der „Segen der Trauernden“ sehr hilfreich sein.

 

Quellen:

  • Karl Wagner: „Die Feier der Beerdigung“, Freiburg im Breisgau 2001
  • Dr. Arnd Stein, Psychologe

 

kt

 

Lesen Sie hier: Wenn Menschen den Tod verdrängen

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