Was ist der Grund für die Idealisierung des Verstorbenen?
Es kommt sehr häufig vor, dass der Trauernde sich nur noch an gute Seiten des Verstorbenen erinnert und sogar vehement bestreitet, dass er auch (offenkundige) Schwächen hatte. Meist ist der Hinterbliebene in der Trauerphase gar nicht in der Lage, den erlittenen Verlust sachlich zu bewerten oder die Stärken und Schwächen des Verstorbenen objektiv zu beurteilen. Hinter der Glorifizierung kann aber auch Angst vor dem Verstorbenen (er könnte ja den Hinterbliebenen in den Tod mitreißen) oder Angst um den Verstorbenen (er soll vor Gott in einem guten Licht erscheinen) stehen. Auch können damit Schuldgefühle verdrängt und vergangene Auseinandersetzungen mit dem Verstorbenen verborgen werden.
Praktischer Hinweis: Nie einen Trauernden beglückwünschen, dass er jetzt von der Person befreit ist, unter der er schwer zu leiden hatte.
Kann ein Todesfall Angst auslösen?
Sehr häufig sogar. Im Nachhinein werden Kleinigkeiten, die man dem Verstorbenen „angetan“ hat, als große Schuld gewertet. Oft wird durch den Todesfall auch Angst ausgelöst: Angst vor dem Verstorbenen, der jetzt noch weiter Macht ausübt; Angst, selber sterben zu müssen; Angst, nicht von dem Verstorbenen loszukommen; Angst, von ihm in den Tod gerissen zu werden, weil das Leben ohne ihn sinnlos ist.