Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Mit Kindern über den Tod sprechen

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Samstag, 11. Februar 2012 Anselm
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Mit Kindern über den Tod sprechen

Mit Kindern über den Tod sprechen

Den Tod mitzuerleben, ist für Kinder anfangs unbegreiflich. Warum musste Oma jetzt sterben? Und warum kommt sie in die Erde, wenn alle anderen aber sagen, dass sie jetzt im Himmel ist? Soll ich als Mutter/Vater meinem Kind überhaupt sagen, dass ein lieber Mensch gestorben ist? Und soll ich es mit zur Beerdigung nehmen? Psychologen haben Tipps und Ratschläge zum Thema „Mit Kindern über den Tod reden“ in vielen Büchern niedergeschrieben. Hier lesen Sie eine Auswahl davon. 

(Im Anhang finden Sie auch einige hilfreiche Literaturhinweise.)

Dem Kind zu erzählen, dass jemand gestorben ist, den es gekannt hat, macht Erwachsene oft unsicher und hilflos. Soll man dem Kind wirklich alles erzählen? Ja, man soll, raten Experten. Denn Kinder brauchen Informationen und sie haben das Recht zu erfahren, was passiert ist – auch bei unnatürlichen Todesvorgängen (Mord, Suizid). Kinder spüren sofort, wenn man sie anlügt oder nicht ernst nimmt. „Dafür bist du noch zu klein“ – dieser Satz macht Kinder nur unsicher. Sie bekommen dann fast zwangsläufig Angst vor dem Thema, für das sie noch „zu klein“ sind.

Benutzen Sie klare und verständliche Worte, wenn Sie über den Tod oder das Sterben sprechen. „Die Oma ist friedlich eingeschlafen“ ist dafür nicht geeignet – Kinder ängstigen sich dann womöglich vor dem eigenen Einschlafen. Erklären Sie deshalb deutlich den Unterschied zwischen schlafen und tot sein. Es ist auch ganz normal, dass Kinder die Todesnachricht zuerst verleugnen. Das gehört zum Trauerprozess dazu.

"Die Oma ist jetzt beim lieben Gott im Himmel"

Der Tod ist eigentlich ein ganz natürlicher Vorgang; wir sind nicht unsterblich. Der Tod wird nur gerne ausgeblendet und tabuisiert – weil wir uns selbst davor fürchten. Kinder erfahren diese Furcht erst durch die Erwachsenen, die ihnen Fragen nach dem Tod nicht beantworten wollen oder das Thema allgemein meiden. Es ist völlig legitim, zum Beispiel zu sagen: „Die Oma ist jetzt beim lieben Gott im Himmel.“ Wir glauben ja daran, dass es ein Weiterleben nach dem Tod gibt – und das ist auch etwas Tröstliches für die Kinder. Nur nehmen sie alles wörtlich auf – sodass nach dem Satz „Die Oma ist jetzt beim lieben Gott im Himmel“ natürlich weiter gefragt wird: „Warum liegt sie dann im Sarg in der Erde? Da kriegt sie ja gar keine Luft! Und sie hat nichts zu essen!“ Zunächst können Sie den Unterschied zwischen Leib und Seele erklären – und dann, dass der Tote keine Schmerzen mehr hat, keine Luft und keine Nahrung braucht.

Kinder dürfen fragen - und ehrliche Antworten erwarten

Wichtig ist, dem Kind zu vermitteln, dass es jederzeit fragen darf und Antworten bekommt. Sagen Sie ihm ruhig, wenn Sie etwas selbst nicht genau wissen, etwa: „Ich stelle mir vor, dass Oma jetzt im Himmel beim lieben Gott ist. Wir können sie dort zwar nicht besuchen, aber sie ist immer bei uns. Sie kann uns von dort oben ganz deutlich sehen."

Wichtig ist auch, zu akzeptieren, dass jedes Kind anders trauert. Gerade in verschiedenen Altersstufen reagieren sie unterschiedlich. Ältere Kinder glauben häufig, dass sie schuld am Tod des Verstorbenen sind – gerade, wenn zu dessen Lebzeiten ein Satz wie „Ich will dich nie mehr wiedersehen“ gefallen ist. Jungen schweigen öfter als Mädchen über ihre Gefühle oder wissen nicht, wie sie diese ausdrücken sollen. Deswegen ist es hilfreich, immer wieder offen für ein Gespräch zu sein, das Kind aber nicht dazu zu drängen. Und: Verständnis für seine Reaktionen zu zeigen.

Kinder sind im ersten Moment starr vor Schreck - und können Minuten später wieder lachen

In dem Buch „Wenn Kinder nach dem Sterben fragen“ heißt es:

So haben wir vielleicht als Kind selbst kein Verständnis bei dem Verlust eines nahen Menschen oder auch Tieres erfahren. Vielleicht war für den damals fünfjährigen Jungen der Tod der Großmutter, die eigentlich viel mehr Mutter war, so schmerzlich, dass er innerlich verstummte. Die Erwachsenen deuteten dieses Verstummen dann: „Für den Jungen ist das gar nicht schlimm. Er versteht es ja noch gar nicht – geweint hat er ja auch nicht einmal!“

Wenn ein Kind vom Tod eines geliebten Menschen hört, sind seine Reaktionen für uns Erwachsene oft schwer zu verstehen. Im ersten Moment wirkt es starr vor Schreck und tief betroffen, im nächsten Augenblick kann es wieder lachen und fröhlich sein – und wenig später ist es wieder am Boden zerstört. „Kinder trauern nicht nur anders, sie fühlen auch anders“, sagt Psychologe Dr. Arnd Stein. „Sie sind in ihrer Emotionalität viel leichter auslenkbar als Erwachsene.“ Wenn sich ein Kind zum Beispiel freut, dann erfüllt die Freude seine gesamte Person. Alle anderen Gefühle sind in diesem Moment ausgeblendet. Stein erklärt es mit einem Vergleich: „Stellen wir uns die gesamte Gefühlswelt als großen Kreis vor, der einzelne Gefühle als kleine Kreise enthält. Wenn nun ein Kind etwas Bestimmtes empfindet, vergrößert sich der entsprechende kleine Kreis – und füllt den großen Kreis vollständig aus. Beim Erwachsenen dagegen überschneiden und überlappen sich die einzelnen Kreise, das heißt, seine Gefühle setzen sich meist aus verschiedenen Tönungen zusammen. So ist seine Trauer auch dann als Grundstimmung vorhanden, wenn er sich über etwas freut.“ 

Lachen als Schutz vor Überforderung

Kinder verstecken ihre Gefühle oft vor Erwachsenen, manchmal auch, um die Eltern zu schützen. Erwachsene können dem Kind vermitteln, dass es in Ordnung ist, zu weinen. Oft drückt sich die Trauer eines Kindes beim Spielen oder anderen Aktivitäten aus, das kann auch noch sehr lange nach dem Tod eines geliebten Menschen sein.
Genauso normal ist es, wenn das Kind fröhlich ist oder bei der Beerdigung lacht. Trauern ist anstrengend. Lachen ist für Kinder eine Möglichkeit, mit den intensiven Gefühlen besser umzugehen – ein Selbstschutz vor Überbeanspruchung. Die Unbeschwertheit zwischen dem Trauerprozess ist wichtig, damit es sich erholen kann. Andere Kinder sind während des Trauerprozesses aggressiv oder abweisend („Lass mich!“). Jedes Kind und jeder Erwachsene trauert auf seine eigene Weise.
Wenn die Mutter oder der Vater des Kindes gestorben ist, wird die Frage natürlich umso präsenter: „Was wird aus mir, wenn die Mama/der Papa jetzt auch noch stirbt? Dann habe ich überhaupt niemanden mehr!“ 

Kinder beruhigen, indem sie klare Antworten bekommen

In „Wenn Kinder nach dem Sterben fragen“ heißt es:

Diese existentielle Angst aufzugreifen ist sehr wichtig, auch wenn Eltern sie vielleicht lieber beschwichtigen und verdrängen würden. Aber die Kinder haben ja erlebt, dass ein Elternteil plötzlich und völlig unerwartet sterben kann. Es ist gut möglich, mit den Kindern zu besprechen, bei wem sie dann gerne leben würden. Geschwister haben auch oft Angst, getrennt zu werden.
Wichtig kann für Kinder auch die wirtschaftliche Versorgung sein. Je nach Alter und Reife kann man ihnen klarmachen, dass für den Notfall ausreichend gesorgt ist. Oder wir benennen eine zuverlässige, vertraute Person, die ganz sicher für sie sorgen würde.
Diese  Fragen sollten wir aber nur thematisieren, wenn sie von den Kindern gestellt werden und sie nicht mit Gedanken belasten, die sie selber nicht haben.

Soll ich mein Kind also auch vor der Beerdigung verschonen? 

Kinder wissen, ob sie dabei sein wollen

Foto: A1Pix

Wenn das Kind zwei oder drei Jahre alt ist, wird es die Beerdigung noch nicht verstehen. Ältere Kinder wollen meist aber genau wissen, was dabei passiert – sie wollen die Situation „be-greifen“. Die meisten Kinder wissen, ob sie den Verstorbenen bei der Abschiednahme noch einmal sehen wollen oder nicht. Ihr Wunsch sollte respektiert werden. Es kann auch sein, dass sich das Kind kurz vorher noch einmal umentscheidet. Auch das sollte ernst genommen werden. Wichtig ist, dass ihm vorher genau erklärt wird, wie es in der Aussegnungshalle aussieht – und auch, dass sie jederzeit wieder nach draußen gehen können.

Wenn Kinder von dem Verstorbenen ferngehalten werden, kann es sein, dass sie ihn noch längere Zeit suchen oder glauben, im Sarg wäre gar nicht die Person gewesen, die sie kennen. Kinder zwischen sechs und zehn Jahren haben meist auch keine Berührungsängste am offenen Sarg. Wenn es den Verstorbenen noch einmal anfassen will, unterstützen Sie sein Vorhaben, vermitteln Sie ihm dabei Ruhe und Geborgenheit., auch wenn es Ihnen in dieser Situation vielleicht schwerfällt.
Auch auf die Trauerfeier können Sie Kinder ruhig mitnehmen (wenn diese das wollen). Es darf dort sowohl fröhlich als auch traurig sein; wenn es den Ablauf aber zu sehr stört, sollten Sie es aus Rücksicht auf die Trauergemeinde mit nach draußen nehmen. 

Kinder in die Planung mit einbeziehen

Es hilft dem Kind, wenn es vorher weiß, was bei der Trauerfeier und am Grab passiert. Ein vorheriger Spaziergang über den Friedhof kann das Thema veranschaulichen.
Das Kind sollte auch in die Planung der Beerdigung eingebunden werden. Wenn es möchte, kann es am Grab auch mit der Schaufel Erde ins Grab geben, eine Blume oder ein selbst gemaltes Bild dazulegen. Nach der Trauerfeier ist es wichtig, mit dem Kind über das Erlebte zu sprechen, damit es positiv verarbeitet werden kann. Die Todesanzeige oder Danksagung kann ebenfalls vom Kind mitgestaltet werden. Heute gibt es die Möglichkeit, dass eine Zeichnung (zum Beispiel eine große Sonne mit dem Text „Die Mama lebt jetzt im Himmel“) als Todesanzeige abgedruckt wird.

Ungeschönte Antworten können das Selbstwertgefühl des Kindes stärken

Beim Todesfall fragen Kinder häufig Vater oder Mutter: „Wann stirbst du?“ oder „Lebst du noch, wenn ich mal erwachsen bin?“. Hier ist es wichtig, ehrlich zu antworten, nicht ins Detail zu gehen (Kinder fragen von sich aus, wenn sie mehr wissen wollen), aber ehrlich zu sein – und beispielsweise zu sagen: „Wann genau ich sterbe, weiß ich selbst nicht.“ Und auf die Frage: „Lebst du auch noch, wenn ich neunzig bin?“ ganz ehrlich zu antworten: „So alt kann ich nicht werden.“
Ungeschönte Antworten helfen dem Kind mehr, als man in diesem Moment vielleicht vermuten mag. Ja, sie können sein Selbstwertgefühl durchaus stärken. Überfordern Sie das Kind nicht mit Einzelheiten, aber erzählen und erklären Sie ihm das, was es wissen will. Es ist auch normal, dass Kinder immer wieder dieselben Fragen stellen. Bleiben Sie dabei geduldig und beantworten Sie sie immer wieder.
Sie müssen ein Kind auch nicht vor einem Krankenhausbesuch, einem Alten- oder Pflegeheimbesuch schützen. Lassen Sie ihm die Wahl.
Nach einem Todesfall hat es sich als hilfreich erwiesen, dass die Routine im Tagesablauf so wenig wie möglich gestört wird. Sie vermittelt dem Kind Sicherheit inmitten einer ungewohnten Situation.

Wie lange trauern Kinder?

Wie lange der Trauerprozess anhält, kann niemand sagen. Trauer hat ihre spezifische Zeit, sie hat weder Anfang noch Ende. Wenn das Kind sich aber von Freunden abwendet, nicht mehr schläft oder nichts mehr isst, sollten Sie auf jeden Fall therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Oft hilft es auch, wenn sich Kinder mit Gleichaltrigen austauschen können*, die Ähnliches erlebt haben.

Im Trauerfall macht uns die Gegenwart eines Kindes klein. Umso mehr haben wir Angst, Kindern etwas Falsches vorzuleben. Doch indem wir unsere Gefühle ausdrücken, kann das Kind ebenso lernen, auch seine Trauer offen auszuleben.


Quellen/Literaturhinweise:

  • Daniela Tausch-Flammer/Lis Bickel: „Wenn Kinder nach dem Sterben fragen – Ein Begleitbuch für Kinder, Eltern und Erzieher“, Herder Verlag 1994
  • Gertrud Ennulat: „Kinder trauern anders – Wie wir sie einfühlsam und richtig begleiten“, Herder Verlag 2003
  • Georg Schwikart: „Die Trauerfeier – Ein Ratgeber“, Gütersloher Verlagshaus 2005
  • Peter Morgenroth: „Willst du mein Freund sein? - Geschichten rund ums Kirchenjahr“, Patmos 1995
  •  www.kindertrauer.info
  •  www.trauernde-kinder.de
  • Oliver Junker: „Und plötzlich ist alles anders – Trauernde Kinder verstehen und begleiten“, Shaker Media Verlag 2008
  • Ulf Nilsson/Anna-Clara Tidholm: „Adieu, Herr Muffin – Ein Bilderbuch für Kinder ab 5 Jahren“, Moritz Verlag, 5. Auflage 2008
  • Inger Hermann/Carme Sole Vendrell: „Du wirst immer bei mir sein“, Patmos Verlag 2000
  • Karen-Susan Fessel: „Ein Stern namens Mama“, Oetinger Verlag 1999
  • Gertrud Ennulat: „Kinder in ihrer Trauer begleiten – Ratgeber für Erzieher und andere Fachkräfte zum Umgang und zur Arbeit mit trauernden Kindern“, Herder Verlag 1998

 * Hinweis: Lacrima – Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche in München, Ansprechpartner: Diakon Tobias Rilling, 089/720 111 90, www.lacrima-muenchen.de

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Was uns in der Trauer hilft: Pater Matthias im Gespräch (Foto: Augustiner Wien)
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