Kinder sind im ersten Moment starr vor Schreck - und können Minuten später wieder lachen
In dem Buch „Wenn Kinder nach dem Sterben fragen“ heißt es:
So haben wir vielleicht als Kind selbst kein Verständnis bei dem Verlust eines nahen Menschen oder auch Tieres erfahren. Vielleicht war für den damals fünfjährigen Jungen der Tod der Großmutter, die eigentlich viel mehr Mutter war, so schmerzlich, dass er innerlich verstummte. Die Erwachsenen deuteten dieses Verstummen dann: „Für den Jungen ist das gar nicht schlimm. Er versteht es ja noch gar nicht – geweint hat er ja auch nicht einmal!“
Wenn ein Kind vom Tod eines geliebten Menschen hört, sind seine Reaktionen für uns Erwachsene oft schwer zu verstehen. Im ersten Moment wirkt es starr vor Schreck und tief betroffen, im nächsten Augenblick kann es wieder lachen und fröhlich sein – und wenig später ist es wieder am Boden zerstört. „Kinder trauern nicht nur anders, sie fühlen auch anders“, sagt Psychologe Dr. Arnd Stein. „Sie sind in ihrer Emotionalität viel leichter auslenkbar als Erwachsene.“ Wenn sich ein Kind zum Beispiel freut, dann erfüllt die Freude seine gesamte Person. Alle anderen Gefühle sind in diesem Moment ausgeblendet. Stein erklärt es mit einem Vergleich: „Stellen wir uns die gesamte Gefühlswelt als großen Kreis vor, der einzelne Gefühle als kleine Kreise enthält. Wenn nun ein Kind etwas Bestimmtes empfindet, vergrößert sich der entsprechende kleine Kreis – und füllt den großen Kreis vollständig aus. Beim Erwachsenen dagegen überschneiden und überlappen sich die einzelnen Kreise, das heißt, seine Gefühle setzen sich meist aus verschiedenen Tönungen zusammen. So ist seine Trauer auch dann als Grundstimmung vorhanden, wenn er sich über etwas freut.“