Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Trauerphasen

Liborius Verlagsgruppe Bayerisches Sonntagsblatt Liborius Magazin Liboriusblatt
Donnerstag, 9. Februar 2012 Anna Katharina Emmerick
Aktuell|Nachrichten|Wissen|Unser Glaube|Specials|Forum|E-Cards|Spiele

Etappen Ihres Lebens: Taufe | Kommunion | Firmung | Ehe | Trauer

Drucken | Versenden | Mail an die Redaktion

Trauerphasen

Trauerphasen

Was macht die Trauer mit mir?

Wenn Sie einen lieben Menschen verloren haben, reagieren Sie mit Trauer. Jeder trauert auf seine eigene Weise. Und bei jedem dauert es seine eigene Zeit, bis die Trauer überwunden ist. Der Trauerprozess verläuft nicht kontinuierlich, es gibt auch immer wieder Rückschritte.

Trotz der subjektiven Trauer-Empfindung eines jeden Einzelnen haben Fachleute durch Untersuchungen einen vorhersehbaren Verlauf der Trauerphasen bemerkt.

Yorick Spiegel, Professor für Systematische Theologie in Frankfurt/Main („Der Prozess des Trauerns“) und Dr. Doris Wolf, Psychologin in Mannheim („Einen geliebten Menschen verlieren“) beschreiben die vier Phasen in ihren Büchern so:

Yorick Spiegel, „Der Prozess des Trauerns“:

  •  Schockphase (wenige Stunden bis einige Tage): Der Angehörige wird mit dem Tod einer geliebten Person konfrontiert. Die Nachricht löst oft einen Schock aus – die Trauernden sind wie benommen, schwer ansprechbar, empfindungslos und starr. Alle Gefühlsregungen sind blockiert. Weinen und Klagen sind äußere Zeichen für denn inneren Zusammenbruch.

  • Kontrollierte Phase – die Zeit für die Bestellung und Durchführung des Begräbnisses: Wenn sich der Angehörige vom Schock erholt hat, beginnt er an das Begräbnis zu denken. Das erfordert einen klaren Verstand; der Trauernde muss sich für die Bestellung des Begräbnisses „zusammennehmen“.  Die Kontrolle richtet sich sowohl auf ihn selbst als auch auf jene Personen, mit denen er in Kontakt tritt, um das Begräbnis zu veranlassen. Dazu gehören zum Beispiel das Personal des Krankenhauses, der Beamte beim Standesamt, der Pfarrer, der Bestatter, die Familienangehörigen, Freunde usw. Trauernde sind in der kontrollierten Phase oft besonders aktiv. Sie leiden jedoch unter Störungen in der Wahrnehmung der Wirklichkeit, unter Distanz vom eigenen Ich. Panik- und Angstgefühle, Reizbarkeit, Misstrauen und Verletzlichkeit kennzeichnen diese Phase. Angebotene Hilfe wird oft abgelehnt, der Trauernde wirkt „kalt“, „ungerührt“, „teilnahmslos“ und  „desinteressiert“. Dieses Verhalten deutet in Wirklichkeit auf große Trauer hin, wird jedoch von Außenstehenden falsch interpretiert. Die kontrollierte Phase der Trauer endet normalerweise nach dem Begräbnis, wenn die Trauergäste nach Hause gehen.

  • Regressive Phase (vier bis zwölf Wochen): Die regressive Phase ist ein Rückgriff auf frühkindliche Verlusterfahrungen. Hier wird sich der Trauernde erst richtig bewusst, dass er mit seiner Trauer alleine ist. In dieser besonders kritischen Phase brechen Emotionen auf. Mit dem Tod des geliebten Menschen ist für den Trauernden eine Welt zusammengebrochen. Er fühlt sich aus der Bahn geworfen, wird apathisch, reizbar und zieht sich zurück. Die Ohnmacht dem Tod gegenüber wird ihm schmerzlich bewusst. Er muss seine ganze Energie darauf verwenden, wenigstens nach außen hin ein gewisses Maß an „Normalität“ zu zeigen, um nicht völlig zusammenzubrechen. Trotzdem wirkt sein Verhalten nach außen oft irrational.

    Trauernde gehören zu den Ärmsten der Gesellschaft, denn alles, was sie sind und haben, ist für sie im Augenblick wertlos und bedeutungslos geworden. Mit dem unterbewussten Rückgriff auf frühkindliche Trauererfahrungen und Mechanismen, mit denen sie als Kind Schmerz oder einen Verlust verarbeitet haben, versuchen sie die Trauer zu bewältigen.

  • Adaptive Phase (sechs bis zwölf Monate): Die adaptive Phase ist die Phase der Anpassung. Nach der Phase der Regression beginnt der Trauernde, sich vom Verstorbenen loszulösen. Er setzt sich damit auseinander, was er mit dem Verstorbenen verloren hat. Der Verstorbene wird mit all seinen guten und schlechten Eigenschaften in der eigenen Erinnerung lebendig, und die zerbrochene innere Welt wird wieder instand gesetzt. 

Foto: Getty Images

Doris Wolf, „Einen geliebten Menschen verlieren“:

  • Die Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens des Schocks und der Verleugnung: Der Hinterbliebene ist wie erstarrt, kann gar nicht glauben, dass der Kranke wirklich tot ist oder reagiert mit einem Gefühlsausbruch.

  • Die Phase der aufbrechenden Gefühle: Der Angehörige erlebt heftige Gefühle der Verzweiflung, Angst, Hilflosigkeit und Einsamkeit. Häufig sind Trauernde wütend auf den Verstorbenen und sich selbst und empfinden Schuldgefühle. Begleitet werden diese Gefühle von massiven körperlichen Beschwerden (zum Beispiel Ruhelosigkeit, Appetitverlust, Gefühle des Zugeschnürtseins).

  • Die Phase der langsamen Neuorientierung: Der Verlust wird langsam akzeptiert. Der Trauernde widmet sich wieder seinen alten Aktivitäten oder sucht neue Aufgaben und entwickelt ein neues Selbstwertgefühl.

  • Die Phase des neuen inneren Gleichgewichts: Der Hinterbliebene hat einen neuen Sinn im Leben gefunden. Er fühlt sich wieder im Gleichgewicht und sieht zuversichtlich in die Zukunft.

 

 


Quellen:

 

 

kt

Foto: Fotolia
Was bedeutet ein Kreuz, ein Buchsbaum, eine gesenkte Fackel auf dem Grabstein? Zum Überblick
Begriffe zum Thema Tod und Trauer (Foto: Fotolia)
Foto: Fotolia
Was uns in der Trauer hilft: Pater Matthias im Gespräch (Foto: Augustiner Wien)
Wo finde ich das Testament des Verstorbenen? Die wichtigsten Fragen auf einen Blick

Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt