Der liebe Bischof Luciani wird sich gewundert haben, in welch erlauchten Kreis er da gekommen ist. Aber Gehorsam ist eben Gehorsam. Den hatte er gelobt, und so nahm er den Aufstieg eben ein wenig leidend in Kauf. Was man ihm schon von Ferne ansehen konnte: Er wäre lieber Dorfpfarrer gewesen, obwohl er einmal magna cum laude Doktor der Theologie wurde.
Nach dem Tod von Papst Paul VI. war offenbar die Not groß, einen Mann für den Stuhl Petri zu finden. Die Kardinäle schauten sich fragend um. Die Zeit für einen Nicht-Italiener war noch nicht reif. Die zwei Superkandidaten Italiens Siri und Benelli nahmen sich gegenseitig die Stimmen weg, und so schauten dann plötzlich alle auf den bescheidenen Luciani aus Venedig. Schließlich waren aus Venedig im 20. Jahrhundert schon zwei Päpste gekommen: der Heilige Pius X. und eben Johannes XXIII. Luciani wird sich gewundert haben, dass man plötzlich auf ihn verfallen war. Es wäre doch so gerne Landpfarrer gewesen.
Aber dann saß der Landpfarrer eben plötzlich auf dem Stuhl Petri. Und er machte es gut, ganz anders als die Vorgänger. Er hielt einfache Predigten und Katechesen, holte Kinder an den Papsthron, nannte Gott auch eine Mutter und schlich sich im Handumdrehen in die Herzen der Menschen. Und nach 33 Tagen war er tot.
Ein Stoff für Krimischreiber. Im Vatikan hätte es Intrigen gegen den Naivling gegeben. Er habe den Vatikan reformieren und die Sexualkunde modernisieren wollen. So hätte ein wenig Gift nachgeholfen. Alles frei erfunden. Herzkrank war er, überfordert war er, bescheiden war er. Er wollte keinen Rummel machen um seine Herzbeschwerden und ist nachts im Bett gestorben. Der Schweizer Journalist Viktor Willy verkündet immer wieder: Gott wollte ihn uns nur zeigen. Die Welt war seiner noch nicht würdig. In die Geschichte geht er ein als der „Lächelnde Papst“.
Pater Eberhard von Gemmingen