Salvatore Pappalardo
Wenn es einen Diplomaten unter den Kardinälen gibt, dann ist es er. Salvatore Pappalardo war nicht nur Dozent für Jura und Diplomatie und Mitarbeiter in der Abteilung für besondere kirchliche Aufgaben. Seit 1970 ist der 59-Jährige Erzbischof von Palermo und hat so auch Erfahrungen als Seelsorger erworben.
Corrado Ursi
Ist Pappalardo der Diplomat, so ist Ursi der Seelsorger schlechthin. Als Erzbischof von Neapel kennt er den armen Süden und ist besonders in den unteren Schichten beliebt. Der 70-Jährige kennt wie wenige seine einzelnen Pfarreien und die Bedürfnisse der Menschen. Allerdings besteht in seiner Bodenständigkeit auch das größte Manko: Ursi spricht nur Italienisch und hat keinerlei Auslandserfahrungen vorzuweisen.
Bernardin Gantin
Ein Farbiger als Papst – eine Wahl von Bernardin Gantin zum Pontifex wäre schlichtweg eine Sensation. Allerdings eine, die keinesfalls unmöglich scheint. Denn der 56-Jährige aus dem Benin, hat lange in Rom studiert und war später in mehreren Räten und Kommissionen der Kurie tätig. Die Menschen schätzen den ersten farbigen Kurienkardinal als kompetenten und vor allem sympathischen Gesprächspartner.
Basil Hume
Der Benediktinermönch aus Großbritannien ist Erzbischof von Westminster. Basil Hume gilt als frisch, dynamisch und kreativ. Leider aber auch als unerfahren und vergleichsweise kurienfremd. Tatsächlich könnten seine vergleichsweise jungen 55 Jahre ein entscheidendes Argument gegen den Benediktiner sein.
Jean Villot
Der Franzose ist eine Kurien-Legende. Als Carmalengo, Kardinalstaatsekretär und Präsident des Päpstlichen Rates Cor Uunum bekleidet Villot entscheidende Positionen im Vatikan. Trotz seiner hohen Ämter steht der ehemalige Erzbischof von Lyon bei Weitem nicht so im Rampenlicht. Stattdessen wird der 72-Jährige oft von Giovanni Benelli in der öffentlichen Wahrnehmung überflügelt. Kein Wunder: Villot ist eher ein loyaler Diener denn ein Taktiker und Karrierist. Seine Berufung zum Kardinalstaatsekretär war bei der „Kurien-Lobby“ dennoch umstritten – die Gegner von damals könnten auch seine Gegner im Konklave sein.
Franz König
Über Franz König muss nicht viel gesagt werden. Viele gehen davon aus, dass er Papst werden könnte – wenn er denn nur wollte. Doch der Österreicher hat wiederholt alle Ambitionen öffentlich dementiert. Und doch bietet sich seine Wahl an: Als Erzbischof von Wien leitet er eine der größten Diözesen der Welt. Zudem gilt er als erster Ansprechpartner für die Politik und die Kirchen des Ostens und ist ein Vorreiter der Ökumene. Aus diesen Gründen trauen manche Kreise ihm zu, trotz seines Dementis am Ende Papst zu werden – auch wenn er schon 73 Jahre alt ist.
Aloisio Lorscheider
Er ist der Jüngste unter den papabile. Und dennoch einer der wirklich ernst zu nehmenden Kandidaten. Sein theologisches Wissen und soziales Engagement sind berühmt. Außerdem hat sich der Brasilianer als mutiger Kritiker der Militärdiktatur weltweit Anerkennung erworben. Allerdings stößt der Erzbischof von Fortaleza nicht überall auf Zustimmung: Wird er in Südamerika als „Erzbischof der Armen und Entrechteten“ gefeiert, so begegnen dem Befreiungstheologen viele Konservative argwöhnisch und skeptisch. Und: Trotz seiner „Jugend“ musste der 53-Jährige bereits eine Herz-Operation überstehen – vielleicht ein entscheidendes Argument gegen seine Wahl zum Papst.
Anastasio Ballestrero
Der 64-Jährige sticht aus der Menge der Kandidaten heraus. Nicht nur deshalb, weil man ihn für seine Spiritualität bewundert. Oder weil er als vormaliger Karmelitenoberer alle Klöster seines Ordens weltweit besuchte, mit Ausnahme von Ungarn, wo man ihm die Einreise verweigerte. Und schlussendlich weil er erst vor einem Jahr Erzbischof von Turin wurde. Anastasio Ballestrero fällt deshalb auf, weil er der einzige Nicht-Kardinal unter den papabile ist. Deshalb scheint seine Wahl eher unwahrscheinlich, auch wenn er so beliebt ist. Doch der letzte Papst, der nicht vorher Kardinal war, hieß Urban VI. – und lebte im 14. Jahrhundert.
Simon Biallowons
Hier geht es zurück: Teil 1 der Papst-Favoriten