Karneval ist nicht umsonst dort stark, wo das katholische Leben blüht. In Mainz, in Köln und auch am Niederrhein wird heftig gefeiert. Vom 11.11. bis zum Aschermittwoch geht die närrische Zeit. Karneval ist ein durch und durch katholisches Fest, wenn man es vom Ursprung her betrachtet.
Zwei Fastenzeiten
Warum beginnt der Karneval schon am 11.11.? Irgendwann muss er ja mal anfangen und, bevor der Winter kommt und die besinnliche Adventszeit vor der Tür steht, da können die Närrinnen und Narren schon einmal so richtig „op de Trumm kloppe“. Die elf war bereits im frühen Mittelalter eine Zahl, die für Klamauk und Mummenschanz stand. So lag es nahe, den 11. im 11. um 11 Uhr 11 mit dem Start des närrischen Treibens zu verknüpfen. Nicht zuletzt, um vor der früher auch vor dem Weihnachtsfest verbindlichen Fastenzeit, noch einmal richtig zu schlemmen und es sich gut gehen zu lassen. Der eigentliche Start in die närrische Zeit ist dann nämlich meist das Dreikönigsfest.
Frühlingsfeste
Ob Fasnacht, Fasching oder Karneval: Begonnen hat alles wahrscheinlich mit heidnischen Frühlingsfesten, bei denen das Ende des Winters ausgelassen gefeiert wurde. Bereits 5000 vor Christus wurde in Mesopotamien ein Fest gefeiert, an dem Sklaven und Herren gleichgestellt wurden. Später wurden die Gespenster der Dunkelheit symbolisch aus den Dörfern und Städten vertrieben. Der Frühling sollte mit lautem Krach und Spiel geweckt und aus seinem Schlaf gelockt werden, damit er Wärme bringe als Basis für eine gute Ernte im Herbst.
Katholisches Leben
Die Lebens- und Leibesfreude der Menschen stand im Mittelpunkt dieser Feste. Diese Tradition ist im heutigen Karneval verblieben. Durchgesetzt hat sich das Fest dort, wo katholisch gelebt wurde. In Gegenden mit protestantischer Tradition hat sich in Folge der Reformation der Karneval nicht halten können: Ohne Fastenzeit kein Anlass vorher noch zu feiern! Der Katholizismus als eigene Lebensform in Regionen wie dem Rheinland und die Fastenzeit haben den Karneval beeinflusst und geprägt. Berühmteste Ausnahme in einem eher protestantisch geprägten Umfeld ist sicher die Basler Fasenet.
Kirchenkalender
Da Karneval ein Frühlingsfest ist, das im Zusammenhang mit der Fastenzeit steht, richten sich die närrischen Hochtage nach dem Kirchenkalender. Darauf weist schon der Name des Festes hin, denn das lateinische „carne vale“ heißt übersetzt nichts anderes als „Fleisch lebe wohl“. Für den Beginn der Festenzeit muss man seit dem Konzil von Benevent im Jahre 1091, bei dem die sechs Sonntage vor Ostern vom Fasten ausgenommen wurden und die Fastenzeit um sechs Tage nach vorne rückte, auf Aschermittwoch als den Mittwoch nach dem 7. Sonntag vor Ostern, Bezug nehmen.
Rheinisch katholisch
Zwei Tage vorher ist mit dem Rosenmontag der Höhepunkt der närrischen Zeit erreicht. Viele große Karnevalisten haben auf den Bühnen ihrer Pfarrsäle klein angefangen. Auch drehen sich in viele Karnevalslieder immer wieder um Themen aus dem Umfeld des Glaubens. Die Kölner Gruppe die Bläck Fööss, die in einem ihrer bekanntesten Lieder natürlich auch den Kölner Dom besungen hat, bewies vor einigen Jahren die Verbindung von Fasteleer und Kirche mit durchaus kirchenkritischem Humor in der Ballade „Ich wör `su jän ens Weihbischof“ = „Ich wär so gern mal Weihbischof“, die wir heute ab 11 Uhr 11 auch als Video des Tages präsentieren.