Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: 9/11: Tag der schlimmen Erinnerungen

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Montag, 21. Mai 2012 Hermann Joseph , Erenfrid
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Kirche und Terrorismus

9/11: Tag der schlimmen Erinnerungen

Es ist ein Tag schlimmer Erinnerungen und fürchterlicher Bilder. Der Schrecken des 11. September 2001 ist auch nach zehn Jahren noch in den Köpfen der Menschen gegenwärtig.

Ein Bild des Schreckens Manhattan im September 2001. (Foto: DPA)
Ein Bild des Schreckens Manhattan im September 2001. (Foto: DPA)

Jeder von uns hat eine Erinnerung an bestimmte Tage im Leben. Wir können uns an Kleinigkeiten, an Details erinnern. Das gilt für den Hochzeitstag, die Geburt der Kinder, aber auch für traurige Ereignisse wie den Tod eines lieben, nahestehenden Menschen. Aber auch geschichtliche Ereignisse prägen unsere Erinnerungen. Für viele Menschen sind das noch Erlebnisse aus dem Krieg, der Nachkriegszeit. Es sind sicherlich auch der Bau und der Fall der Berliner Mauer, die sich tief in den Herzen und Köpfen der Menschen festgesetzt haben.

9/11

Gleiches gilt für ein weiteres schreckliches und auch Angst  machendes Ereignis. Der Anschlag auf die Twin Towers in Manhattan war ein solcher Moment. Ich weiß noch, wie eine Kollegin durchklingelte und sagte: „Geh mal schnell an den Fernseher, da ist gerade ein Flugzeugunglück in New York passiert.“ Ich stand gerade erst davor und dachte – jetzt läuft die Wiederholung. Nein, es war das zweite Flugzeug, das nicht nur in die Türme sondern auch ganz heftig in unser Gemüt eindrang.

Angst und Sorge

In den Tagen danach hatte ich Angst um den Kölner Dom, ich sorgte mich um mich selbst, wenn ich über die Domplatte ging. Jedes Motorengeräusch in der Luft hätte mich glaube ich in Panik versetzt. Ruhig zur Tagesordnung überleiten, das fiel in diesen Tagen auch uns Journalisten schwer. Die Sachlichkeit der Berichterstattung zu bewahren, als feststand, dass es eben kein Unglück, sondern ein feiger terroristischer Anschlag war, war eine Herausforderung, die einen gelegentlich immer wieder – auch nach den Anschlägen von Oslo – einholt.

Bischöfe und Friedensethik

Ereignisse wie dieses muss man verarbeiten, um daraus die Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Nach zehn Jahren haben jetzt die deutschen Bischöfe eine interessante ethische Bewertung vorgenommen. „Grundlage dafür ist die kirchliche Friedensethik, die stets auch eine Ethik des Rechts ist. Gerade die rechtsethischen Dimensionen unserer Friedenslehre treten in der geistigen Auseinandersetzung mit den politischen Strategien zur Bekämpfung des Terrorismus in den Vordergrund“, machen die Bischöfe in ihrer Schrift „Terrorismus als ethische Herausforderung“ deutlich. 

An den Kern

Die Bischöfe gehen in ihrer Bewertung an den Kern der Frage „Wie entsteht Terrorismus?“. Dieser kann nämlich, so die Bischöfe, Bischöfe langfristig nur erfolgreich bekämpft werden, wenn die gewaltträchtigen Verhältnisse und die menschenunwürdigen Lebensbedingungen in großen Teilen der Welt überwunden werden. Terrorismus ist also auch eine Folge ungerechter und unwürdiger Lebensverhältnisse. Nachdrücklich betonen die Oberhirten den Grundsatz des Vorrangs der Gewaltprävention gegenüber dem Einsatz von Gewaltmitteln.

Den Rechtsstaat nicht aufgeben

Ein weiterer zentraler Punkt in der Argumentation der Bischöfe ist die Feststellung, dass rechtsstaatliche Prinzipien nicht zur Bekämpfung des Terrorismus aufs Spiel gesetzt werden dürfen. Kritisiert wird hier die erhebliche Einschränkung von Rechten potentieller Terroristen oder von Taliban-Kämpfern durch die Vereinigten Staaten. Auch die unmenschlichen Verhörmethoden benennen die Bischöfe im gleichen Atemzug wie den wiederholten Hinweis auf das Unrecht der Folter.

Deutliche Worte


Die Bischöfe erinnern auch an deutliche Worte, die Papst Johannes Paul II. im Jahr 2002 zum Terrorismus und den aus ihm resultierenden Folgen für die Religionen gefunden hat: „Sie müssen zusammenarbeiten, um die sozialen und kulturellen Ursachen des Terrorismus zu beseitigen, und allen, die sich des Terrorismus schuldig machen, jede Form religiöser oder moralischer Legitimation verweigern.“ Den interreligiösen Dialog als wichtiges Instrument gegen den Terrorismus benannte auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der das Papier der deutschen Bischöfe der Öffentlichkeit präsentierte. Dieser Dialog trage, auch in Deutschland, dazu bei, dass „Fremdheit und Missverständnisse überwunden werden und so keine Feindschaft zwischen den Glaubensgemeinschaften entstehen“.

Wunsch nach Frieden


Jeder Mensch trägt sicher die Hoffnung auf Frieden in seinem Herzen. Ein Gebet, das dem Heiligen Franziskus zugeschrieben wird geht weiter. Es nimmt den Menschen selbst in die Pflicht. Ohne ihn als Werkzeug des Friedens im Alltag ist ein globaler Friede nur schwer vorstellbar. (hei)

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe übe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht;
dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt;
dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo die Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.


Herr, lass mich trachten:
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer da hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen,
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. Amen.






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