Leben und Tod sind zwei Seiten einer Medaille. Wichtig ist es dabei, Menschen an der Seite zu haben, die einem in schwerer Zeit Stütze sind. Neben Angehörigen und Freunden gibt es einen Berufsstand, der helfen will „am Ende der Reise gut anzukommen“. Das ist das Bestreben des Bundesverbandes Deutscher Bestatter e.V (BDB). und deren Mitglieder.
Ob fachliche Kompetenz, einfühlsame Gespräche, beratende Tätigkeiten zur Bestattungsvorsorge, Hilfestellung bei allen Fragen oder aber die Qualitätssicherung und Weiterbildung des Berufszweiges, all das gehört zu den Aufgabenbereichen des Bundesverbandes Deutscher Bestatter und seiner Mitglieder. Dazu sprachen wir mit dem Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur e.V., dem Diplom-Theologen Oliver Wirthmann.
Liborius: Was beinhaltet die Aufgaben Ihres Verbandes?
Oliver Wirthmann: Der Bundesverband Deutscher Bestatter versteht sich als Standesvertretung aller Männer und Frauen, die in Deutschland Bestattungsdienstleistungen anbieten und erbringen. Dabei repräsentieren wir ca. 80 % der Deutschen Bestatter. Es ist uns durch unser Kuratorium Deutsche Bestattungskultur ein primäres Anliegen, Wege zu einer würdigen und den vielen menschlichen Biografien angemessenen Abschiedskultur aufzuzeigen. Wir organisieren Ausbildung und Fortbildung für die Bestatter in unserem weltweit einmaligen Ausbildungszentrum im unterfränkischen Münnerstadt. Als Wegweiser und Helfer stehen wir auch den Trauernden in ihrer Suche nach vertrauensvollen Bestattern zur Seite. Auch bei allen Fragen nach einer Bestattungsvorsorge schon zu Lebzeiten geben wir wertvolle Hinweise und Orientierung für alle Bürger.
Liborius: Wie hat sich die Trauerarbeit im Laufe der Zeit gewandelt?
Oliver Wirthmann: Trauerarbeit ist die elementare Aufgabe eines jeden Menschen, der durch den Tod einen geliebten Angehörigen oder Partner verliert. Hier gibt es seit Menschengedenken eigentlich immer die gleiche existenzielle Erfahrung, die die jüdische Dichterin Mascha Kaleko wunderbar zum Ausdruck bringt: „Bedenke: Den eigenen Tod, den stirbt man nur. Mit dem Tod der anderen muss man leben“. Was sich jedoch stark verändert, ist die Bestattungskultur in unserem Land: Neben vielen positiven und guten Beispielen eines würdigen und ethisch verantworteten Gedenkens, gibt es zunehmend eine sehr fragwürdige Entsorgungsmentalität. Sehr entlarvend wird dann von Discount-Bestattung, Anonym-Bestattung, Leichentourismus und anderen Wortungetümen gesprochen. Einen Menschen zu Grabe zu tragen und Abschied zu nehmen ist aber immer mehr als eine technische und finanzielle Frage, vielmehr Grundlage menschlicher Kultur.
Liborius: Sie unterscheiden zwischen geprüften und ungeprüften Bestattern. Was beinhaltet solch eine Prüfung?
Oliver Wirthmann: Bestattungsunternehmen, die das Markenzeichen führen, erfüllen strenge persönliche, fachliche und betriebliche Kriterien und garantieren die Einhaltung der anspruchsvollen ethischen Standards des Bundesverbandes Deutscher Bestatter. Bundesweit gibt es etwa 1.000 Bestattungsunternehmen, die das Markenzeichen führen. Ohne Zweifel gibt es jedoch auch sehr viele Bestattungsunternehmen in Deutschland, die wohl Mitglied in einem unserer Landesverbände sind, jedoch noch keine Zertifizierung mit dem Markenzeichen haben. Hier werben wir für dieses verbindliche Qualitätsmerkmal, zumal viele Bestatter es bereits jetzt schon erfüllen würden.
Liborius: Sind die geprüften Bestatter auch gleichzeitig kostspieliger?
Oliver Wirthmann: Keineswegs. Es gibt ohnehin die irrige Vorstellung Bestattungen müssten vor allem „billig“ sein. Der Bundesverband rät Trauernden zu einem Preisvergleich, ohne irgendwelchen Vermittlerportalen im Internet oder Lockvogelangeboten zum Opfer zu fallen. Der Weg führt eigentlich immer am besten zu einem Bestatter des Vertrauens im eigenen Lebensumfeld. Dann wird man ohne Schwierigkeiten eine preiswerte Bestattung bekommen, die den persönlichen finanziellen Möglichkeiten entspricht.
Liborius: Wie oft wird ein Betrieb geprüft?
Oliver Wirthmann: Markenzeichenbetriebe unterliegen der ständigen Kontrolle durch eine unabhängige Prüfstelle des TÜV Rheinland/LGA InterCert sowie regelmäßiger interner Audits des BDB. Eine europagültige Norm beschreibt die fachgerechte Ausführung von Bestattungsleistungen.
Liborius: Kann ein bereits ausgezeichneter Bestatter seine Auszeichnung wieder verlieren?
Oliver Wirthmann: Bei gravierenden Verstößen kann das Markenzeichen einem Betrieb definitiv aberkannt werden. Das ist für einen Betrieb sehr bitter, aber unerlässlich, um die qualitativ hohen Standards einzuhalten und auch immer weiter auszubauen.
Liborius: Wird jeder Bestatter geprüft oder ist das ein Zusatzzertifikat?
Oliver Wirthmann: Es handelt sich um ein besonderes Qualitätssiegel, das dem Verbraucher Sicherheit mit Blick auf die komplexen Bestattungsdienstleistungen bietet. Sicher ist aber das Markenzeichen nicht alleine ausschlaggebend, ob ein Bestatter wertig und solide arbeitet.
Liborius: Kann ein Endverbraucher sich im Zweifel über die Arbeit eines Unternehmens auch an den Verband wenden?
Oliver Wirthmann: Der Bundesverband Deutscher Bestatter unterhält eine juristische Schlichtungsstelle, an die sich Kunden im Falle von Schwierigkeiten und sich anbahnenden Auseinandersetzungen bezüglich einer Bestattung wenden können. Je mehr jedoch Betriebe in Ausbildung, Qualitätsrichtlinien und würdige Abschiednahmen persönlich investieren, desto weniger wird es auch zu strittigen Fragen kommen. Die Maxime für Bestatter mit Blick auf die Verstorbenen lautet daher griffig: „Am Ende der Reise gut ankommen!“ – Bestatter helfen dabei täglich, denn jede Lebensgeschichte verdient ein würdiges Ende.
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