Wenn man sich mit den deutschen Vorgängern Benedikts XVI. befasst, muss man zunächst klären, wer in diesem Zusammenhang im Laufe der Jahrhunderte als deutsch bezeichnet werden kann. Als die „deutschen Päpste“ werden diejenigen Päpste bezeichnet, die aus Regionen stammten, die dem geschichtlichen Verständnis nach als deutsch zu bezeichnen sind. Ein Beispiel hierfür ist das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation).
Leo IX.
So ist ein Elsässer der erste in der Reihe der deutschen Päpste. Bruno Graf von Egisheim und Dagsburg saß vom 12. Februar 1049 bis zum 19. April 1054 als Papst Leo IX. auf dem Stuhl Petri. Geboren wurde er in Eguisheim im Elsass. Leo trat als eifriger Reformer in Erscheinung, Entschlossen bekämpfte er Laieninvestitur und Simonie. Leo IX. gelang es, die Verwaltungsstrukturen der Kirche zu verändern und den Einfluss der italienischen Kleriker zu mindern. Das Kardinalskollegium machte er zu einem bedeutsamen Stützpfeiler päpstlicher Politik. Leo IX. wurde später heiliggesprochen.
Viktor II.
Nur kurze Zeit später erlangte Gebhard, der Bischof von Eichstätt als Viktor II die Papstwürde. Er hatte das Amt vom 13. April 1055 bis zum 28. Juli 1057 inne. Viktor II. wollte vor allem die Rechter der Kirche stärken. Dazu nahm er auch weite Reisen in Kauf. Zusammen mit Kaiser Heinrich III. setzte er sich für eine intensive Umsetzung der Kirchenreform ein. Das kirchliche und das weltliche Oberhaupt setzten sich gegen die Simonie, den Kauf oder Verkauf eines kirchlichen Amtes, und gegen die Priesterehe ein.
Stephan IX.
Friedrich von Lothringen war als Papst Stephan IX. unmittelbar im Anschluss an Viktor II. der nächste deutsche Papst. Seine Amtszeit währte vom 2. August 1057 bis zum 29. März 1058. Er starb nach einem kurzen Pontifikat, in dem er sich ebenfalls für den Zölibat und die Befreiung der Kirche vom Einfluss der Fürsten einsetzte. Noch auf dem Totenbett bestimmte der Heilige Vater, dass mit der Wahl seines Nachfolgers erst begonnen werden solle, wenn Hildebrand, der spätere Papst Gregor VII., von seiner Reise nach Deutschland zurück kommen werde.
Hadrian VI.
Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation führt dazu, dass auch ein Holländer als deutscher Papst geführt wird. Adriaan Florisz Boeyens leitete seine Kirche vom 9. Januar 1522 bis zum 14. September 1523 als Papst Hadrian VI.. Er stammte aus Utrecht (heute Niederlande), das damals zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte. Hadrian VI. war bis zur Wahl des Polen Johannes Paul II. im Jahr 1978 der letzte Papst, der nicht Italiener war.