Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Bittere Erkenntnis: Die Rente ist nicht sicher

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Soziales

Bittere Erkenntnis: Die Rente ist nicht sicher

Immer mehr Senioren brauchen eine Nebentätigkeit, um über die Runden zu kommen. Katholisches Rentenmodell als Zukunftsoption? Das liborius.de-Interview mit dem KAB Bundesvorsitzenden Georg Hupfauer.

KAB: Eigenes Rentenmodell entwickelt (Foto:dpa)
KAB: Eigenes Rentenmodell entwickelt (Foto:dpa)

In diesem Jahr ist die Reichsversicherungsordnung 100 Jahre alt geworden. Wie wichtig war es eigentlich damals, Sozialgesetze zu schaffen?

Hupfauer: Sozialgesetze sind zum Schutz der Menschen vor Ausbeutung als Arbeitskräfte und zur Absicherung von Lebensrisiken einfach notwendig. Gesetzliche Unfall-, Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung sind die Säulen der Sozialgesetzgebung und teilweise sogar älter als die Reichsversicherungsordnung (RVO). Es waren im  19. Jahrhundert Selbsthilfe-Organisationen, die einstigen  Arbeitervereine, die mit kleinen Beiträgen Solidargemeinschaften gründeten. Der Staat erkannte die Notwendigkeit, durch Gesetze eine soziale Ordnung auf dem kapitalistisch geprägten Arbeitsmarkt aufzubauen. Die RVO als drittes Gesetzbuch neben dem Bürgerlichen Gesetzbuch (1900) und der Reichsabgabenordnung (1919) ist daher eine bedeutende Leistung in der deutschen Gesetzgebung. Sie hat bis heute trotz aller Änderungen eine erstaunliche Lebenskraft bewiesen.

Ein Teil der Reichsversicherungsordnung war die Alters- und Invaliditätsversicherung, die heutige Rentenversicherung. Passt das System noch in die heutige Zeit?

Hupfauer: Die große Finanzkrise von 2008, die in der Euro-Krise noch immer nachwirkt, hat doch den Beweis dafür geliefert, dass ein durch Beiträge umlagefinanziertes Renten-System gegen alle Krisen geschützt ist. Die Basis bildet die Deutsche Rentenversicherung aus dem Jahr 1957. Auch wenn der Slogan „Die Rente ist sicher“ vom ehemaligen Arbeitsminister Norbert Blüm oft ins Lächerliche gezogen wird, ist er dennoch richtig. Die Höhe der Rentenzahlung ist der Unsicherheitsfaktor. Nur ausreichend hohe Rentenansprüche können vor Altersarmut schützen. Das System passt!

Wo liegt die größte Schwäche unseres heutigen Rentensystems? Kann sie Altersarmut gezielt vermeiden?

Hupfauer: Es ist nicht der oft in der Politik angeführte demografische Faktor. Die beiden größten Schwächen sind Arbeitslosigkeit und Niedriglöhne. Unterbrochene Erwerbsbiografien und geringe Lohnzahlungen sind gerade für Frauen ein großer Nachteil im Aufbau von Rentenansprüchen. Die „Rente für Mütter“ – Anerkennung von Erziehungszeiten im Rentenrecht – hat einen ersten Ausgleich geschaffen. Altersarmut kann im System nur dann wirksam vermieden werden, wenn die Menschen 40 bis 45 Jahre eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung haben und ihr Stundenlohn wenigstens bei 12,50 Euro liegt. 

Die katholischen Verbände haben ein eigenes Rentenmodell entwickelt. Wie sieht das aus?

Hupfauer: Das Modell hat drei Stufen. In der ersten Stufe wird vom 16. bis zum 65. Lebensjahr aus Beiträgen aller steuerpflichtigen Einnahmen umlagefinanziert eine Sockelrente aufgebaut. In der zweiten Stufe kommt die gesetzliche Rentenversicherung hinzu, für die Beiträge aus dem Arbeitslohn zu zahlen sind. Sockelrente und gesetzliche Rente bilden eine Einheit, die in der dritten Stufe ergänzt wird durch betriebliche oder private Vorsorge. Stufe eins und zwei garantieren eine auskömmliche Rente, die deutlich über dem Grundsicherungsniveau liegt. Stufe drei hilft, den Lebensstandard zu sichern.

Glauben Sie, dass Ihr Rentenmodell praxistauglich ist?

Hupfauer: Ja. Wir haben das Modell auch vom ifo-Institut in München prüfen und durchrechnen lassen. Es ist sicher einfacher umzusetzen als der Gesundheitsfonds. Die Deutsche Rentenversicherung zeigt sich immer noch mehr als skeptisch, sie bietet aber die Voraussetzungen, auch die Sockelrente in ihrem System zu verwalten. Schließlich soll sich künftig die Rente aus beiden Beitragseinnahmen finanzieren.

Wie versuchen die katholischen Verbände ihr Rentenmodell in Politik und Gesellschaft bekannt zu machen?

Hupfauer: Seit Jahren werden die Vereine vor Ort nicht müde, in Bildungsveranstaltungen und bei öffentlichen Aktionen für das Modell der Sockelrente zu werben. Auch Unterschriftenaktionen haben bereits stattgefunden. Der Bundesarbeitsministerin sind diese Unterschriften übergeben worden. Auf verschiedenen Ebenen finden Fachgespräche statt mit  politischen Parteien und Gewerkschaften. Die Frage nach einer Sockelrente ist dabei von Interesse. Wir hoffen, uns weiter an den Gesprächen mit unserem Modell beteiligen zu können – auch am Renten-Dialog mit Frau Ministerin von der Leyen.




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Die Kommentare der Liborius-User:


von Reckmann

am Mittwoch, 7. September 2011

Ist das nicht eine Doppelbesteuerung?

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