Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: "Der Feminismus à la Alice Schwarzer ist gescheitert"

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Frau und Gesellschaft

"Der Feminismus à la Alice Schwarzer ist gescheitert"

Themen rund um Familie und Erziehung haben momentan politisch Hochkonjunktur. Bei vielen Diskussionen fällt eine Frau auf, die gegen den Strom schwimmt. Liborius.de im Gespräch mit Birgit Kelle.

Birgit Kelle, eine Frau und Mutter von vier Kindern, die öffentlich Position bezieht.
Birgit Kelle, eine Frau und Mutter von vier Kindern, die öffentlich Position bezieht.

Birgit Kelle ist freie Journalistin und seit Oktober 2010 Member of the Board der New Women For Europe (NWFE), ein Dachverband für Frauen- und Familienverbände in Europa mit Beraterstatus am Europäischen Parlament. Sie ist verheiratet und Mutter von vier Kindern. Geboren 1975 in Siebenbürgen, Rumänien, 1984 übergesiedelt nach Deutschland. Von 2005 bis 2008 war sie Herausgeberin der christlichen Monatszeitung VERS1. Sie ist Vorsitzende des deutschen Vereins Frau 2000plus e.V.

Frau Kelle, Sie sind die Vorsitzende des Vereins Frau 2000plus e.V. Wie treiben Sie die Positionen für eine moderne, kinder- und familienfreundliche Frauenpolitik voran?

Wir wollen Öffentlichkeit schaffen. Das Problem ist doch: Unsere Meinung wird öffentlich überhaupt nicht artikuliert. Hausfrau und Mutter zu sein, ist nicht populär. Auch in der Politik will man den Status der Hausfrauen abschaffen, weil der Staat uns als fleißige Arbeitsbienen in der Wirtschaft braucht. Es wird dabei vergessen, dass viele Frauen sehr gerne Hausfrau und Mutter sind – wenn auch nur in einem Abschnitt ihres Lebens. Diesen Frauen wollen wir eine Stimme verleihen. Die gesamte Familienpolitik beschäftigt sich mit allen möglichen Lebensformen, mit Patchworkkonstellationen zum Beispiel oder mit Alleinerziehenden. Die bekommen alle mehr Öffentlichkeit als die Hausfrau, die Mutter oder die traditionelle Familie, obwohl nach wie vor eine große Mehrheit der Frauen in Deutschland zumindest in einem längeren Abschnitt ihres Lebens, genau in dieser Rolle lebt.

 
Sollte man Familien die Wahlfreiheit lassen, ob sie ihre Kinder selbst betreuen oder in eine Krippe geben sollen? Und sollte der Staat beide Betreuungsformen gleichermaßen fördern?

Wahlfreiheit bedeutet ja, dass man den Frauen gerade auch finanziell wirklich die Wahl lässt. Die politischen Instrumente der Frauenpolitik fokussieren sich aber allein auf die erwerbstätige Frau. Es wird alles getan, um die Frau ins Erwerbsleben einzugliedern und es wird nichts dafür getan, dass sie zu Hause bleiben darf. Die Erziehung zu Hause wird überhaupt nicht subventioniert, im Gegenzug wird aber jeder Kitaplatz mit rund 1.000 Euro monatlich gefördert. In diesem Sinne existiert also keine Wahlfreiheit. Wenn eine Familie in Nöten ist, sagt der Staat nur: Wir finanzieren dir einen Krippenplatz, aber wenn du zu Hause bleibst und deine Kinder selbst erziehst, bekommst du nichts. Das ist keine Wahlfreiheit, sondern Erpressung.


Sie werfen Alice Schwarzer und ihren Aktivistinnen vor, Frauen zu entwerten, die sich für familiäre Kindererziehung entscheiden. Ist der Feminismus à la Schwarzer gescheitert?

In meinen Augen absolut! Es war richtig, für die rechtliche Gleichstellung der Frau zu kämpfen, denn das war überfällig. Aber der entscheidende Fehler war, die Frau als Mutter als Problem zu definieren. Es wurde ja nie dafür gekämpft, dass eine Frau "nur" Mutter sein darf. Stattdessen sollte die Frau sich von der „Last der Mutterschaft“ befreien. Es war von Frau Schwarzer und Co. nie vorgesehen, dass die Frauen gerne in diesem Mutter-Modell bleiben! Es gibt dazu einen interessanten Satz von Simone de Beauvoir: „Nein, wir wollen den Frauen gerade nicht die Wahl lassen zwischen Berufstätigkeit und Mutterdasein und zwar aus dem einfachen Grunde, weil zu viele Frauen sich für die Mutterschaft entscheiden würden.“ Ich finde das sehr entlarvend. Offensichtlich hatte die feministische Vordenkerin de Beauvoir schon damals erkannt, dass ihr die meisten Frauen freiwillig gar nicht folgen würden. Dass sie aus ihrem Leben gar nicht befreit werden wollen. Frau Schwarzer hat diese Ideologie übernommen und beanspruchte schon immer für „die Frauen“ im Land zu sprechen. Da beginnt schon der Irrtum, denn es gibt kein gleich denkendes „Frauenkollektiv“, es gibt tausende von unterschiedlichen Vorstellungen davon, wie man als Frau glücklich wird. Und es gibt diese Frauen, die in der Struktur als Hausfrau und Mutter glücklich sind!

 
Sie setzen sich für eine Emanzipation ein, die Frausein und Mutterrolle nicht als Gegensatz propagiert, sondern gleichermaßen wertschätzt. Was genau bedeutet das für die Rolle der Frau in der Gesellschaft?

Die Fähigkeit, Kinder zu gebären, ist nicht etwas rein Biologisches. Das beeinflusst auch die Psyche einer Frau massiv. Dazu muss man sich nur einmal Frauen anschauen, deren Kinderwunsch nicht erfüllt wird. Mit welcher Vehemenz und Verzweiflung sie oft danach streben, das ist rational gar nicht erklärbar, es steckt mehr dahinter. Es werden immer die Frauen sein, die für den Fortbestand der Gesellschaft sorgen. Wir können politisch nicht beschließend, dass ab sofort Männer die Kinder bekommen. Deshalb benötigen Frauen in Zeiten der Mutterschaft besonderen Schutz. Außerdem brauchen Kinder anfangs ihre Mutter als Bezugsperson. Wenn die Gesellschaft Frauen dazu bewegen will, Kinder zu bekommen, dann müssen auch die finanziellen Absicherungen, die dafür nötig sind, geschaffen werden.

 
„Gender Mainstreaming“ gilt heute als ein großes Thema, das breit gefördert wird. An Sie als Journalistin die Frage: Helfen sprachliche Klimmzüge die Situation der Frauen zu verbessern?

Ich glaube: Keine Frau wird auch nur einen Cent mehr Geld verdienen, weil man sie als ÄrtztIN oder JuristIN bezeichnet. Das Gender Mainstreaming-Konzept kann kein Mensch in zwei vernünftigen Sätzen erklären. Umso mehr verwundert es mich, dass es sich so festgesetzt hat in sämtlichen staatlichen Institutionen und sogar als Handlungsmaxime unserer Regierung gilt. In meinen Augen steckt dahinter aber nur eine Ideologie, kein Naturgesetz. Gender Mainstreaming ist von der UN-Ebene über die nationalen bis auf die kommunalen Ebenen in die Gesellschaft eingedrungen in einem sogenannten „top-down-Prozess“. Es ist uns von oben übergestülpt worden. Ich persönlich halte die Trennung zwischen dem biologischen und dem sozialen Geschlecht für Blödsinn.
 

Sie werfen den C-Parteien vor, ethische Positionen aufzugeben. Ist die CDU noch eine christliche Partei?

Sagen wir so, es gibt nach wie vor viele, sehr gute, christlich motivierte Leute in der CDU - in den anderen Parteien allerdings auch. Aber die Zeiten sind vorbei, in denen sich die Christen in der CDU gesammelt haben, während die anderen woanders waren. Fakt ist: Viele christliche Grundfesten bestehen nicht mehr in der CDU. Ich verweise zum Beispiel auf die Abtreibungsdebatte, oder auf die Diskussion um Stammzellforschung oder die Präimplantationsdiagnostik (PID). Oder darauf, dass die CDU es aufgegeben hat, die traditionelle Familie zu fördern oder zumindest als etwas Schützenswertes zu betrachten. Im politischen Alltag ist überhaupt nicht mehr erkennbar, dass die CDU das C im Namen trägt.




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Die Kommentare der Liborius-User:


von Beatrice

am Dienstag, 6. Dezember 2011

Traurig wie unter frau v d leyen die Mutter und Familie entwertet wurde. nach wie vor sind frauen, die sich wirklich um ihre Kinder kümmern und die leistungsträger erziehen, auf die alle anderen sich stützen, die verlierinnen in einer randgruppen-ideologie. im grunde geht es nur darum, der wirtschaft arbeitskräfte zuzuführen, weil es keinen nachwuchs gibt - aufgrund ebendieser zerstörerischen ideologie und der daraus resultierenden politik. Die politik ist im gesellschaftlichen sektor genauso wenig nachhaltig und vorausschauend wie im umweltsektor und wird auch da die zerstörerischen folgen zeigen. armes deutschland!

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von Werner Tegeler

am Freitag, 2. Dezember 2011

Ich kann die Gedanken von Frau Kelle gut nachvollziehen und besonders aus männschlicher Sicht verstehen! Der Weg der Frau ist ein vielfältig individueller Weg.

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von Regina Hilsberg

am Donnerstag, 1. Dezember 2011

Wie recht sie hat!
Dazu meine Frage als Frau und Mutter:
Wann darf ich endlich wollen, was ich wollen will, anstatt wollen zu müssen, was ich wollen soll???

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