Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Der Papst in Deutschland: Meinungen vor dem Papstbesuch

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Kirche und Politik

Der Papst in Deutschland: Meinungen vor dem Papstbesuch

In einem Buch der Konrad Adenauer Stiftung haben prominente deutsche Politiker ihre Erwartungen an den Besuch des Heiligen Vaters in Deutschland definiert. Herausgekommen ist ein interessanter Einblick in die religiöse Erlebniswelt unserer Politiker.

Gespannte Erwartung herrscht im Reichstag bei den deutschen Politikern vor dem Papstbesuch. (Fotos:dpa)
Gespannte Erwartung herrscht im Reichstag bei den deutschen Politikern vor dem Papstbesuch. (Fotos:dpa)

Hier nun einige Auszüge aus den Beiträgen.

Norbert Lammert, Bundestagspräsident

„Der Besuch des Papstes in Deutschland findet in einer Zeit statt, in der die seelsorgerische Situation in vielen Pfarreien Deutschlands schwierig geworden ist. Dafür ist nicht nur, aber auch und gerade die ständig geringer werdende Zahl von Priestern verantwortlich, die für seelsorgerische Aufgaben in den Gemeinden zur Verfügung stehen.

Für diese Entwicklung gibt es viele Ursachen, zu denen sicher auch der Pflicht-Zölibat gehört, der Jahr für Jahr die Zahl der Priesteramtskandidaten zurückgehen und immer mehr geweihte Priester aus ihrem Dienst ausscheiden lässt. Dies ist der Hintergrund einer Initiative politisch engagierter katholischer Christen,2 die deutschen Bischöfe um eine Prüfung der Zulassung auch von bewährten verheirateten Männern zur Priesterweihe zu bitten.“

Hermann Gröhe, CDU Generalsekretär

„Joseph Kardinal Ratzinger hat in einer Rede 1992 formuliert: „In der Tat können Institutionen nicht halten und wirken ohne gemeinsame sittliche Überzeugungen. Diese aber können aus bloßer empirischer Vernunft nicht kommen”, und weiter: „Haltungen können nicht gedeihen, wenn der geschichtliche Grund einer Kultur und die darin verwahrten sittlich-religiösen Einsichten nicht geachtet werden. Sich von den großen sittlichen und religiösen Kräften der eigenen Geschichte abzuschneiden ist Selbstmord einer Kultur und einer Nation.”

Deshalb ist es unsere Verpflichtung, sehr genau hinzuschauen, wie es heute 2011, in unserer Gesellschaft um das Verhältnis von Politik und Staat auf der einen Seite und „sittlichen und religiösen Kräften” auf der anderen Seite steht.“

Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin in Thüringen

„Die Christen in unserem Lande sind gerufen, das „Salz der Erde” zu sein, dem Leben der Lauen und Kirchenfernen in der Gesellschaft durch ihren Glauben und ihre religiösen Initiativen Impulse zu geben und somit auf die Herausforderungen der Gesellschaft zu reagieren, um eine christlich geprägte Zivilisation zu ermöglichen.

Im Grundgesetz ist festgelegt, dass Staat und Kirche zu trennen sind. Im täglichen Leben kommt man jedoch nicht umhin, eine Verbindung zwischen beiden Institutionen wahrzunehmen. Es gibt Politiker, die Christen sind, und es gibt Christen, die als Staatsbürger an der politischen Gestaltung des Gemeinwesens teilnehmen. Das Gleiche gilt für Nicht-Christen. Politisches Denken und Handeln kann nicht losgelöst von der religiösen oder weltanschaulichen Präferenz des jeweiligen Politikers betrachtet werden. Demokratisch gestaltete Politik bedarf ethischer und moralischer Kräfte, die er jedoch nicht aus sich selbst heraus erzeugen kann. Er muss, wie Papst Benedikt XVI. betonte, diese voraussetzen und sich auf sie stützen.“

Maria Flachsbarth, Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften

„Die Herausforderungen, vor denen wir auch unter schöpfungsethischen Gesichtspunkten stehen, hat Papst Benedikt in seiner Sozialenzyklika Caritas in veritate von 2009 im Blick auf die Rolle der Kirche in der Umweltpolitik klar benannt und als Aufruf, der auch für uns gelten muss, pointiert zusammengefasst: „Die Kirche hat eine Verantwortung für die Schöpfung und muss diese Verantwortung auch öffentlich geltend machen. Und wenn sie das tut, muss sie nicht nur die Erde, das Wasser und die Luft als Gaben der Schöpfung verteidigen, die allen gehören. Sie muss vor allem den Menschen gegen seine Selbstzerstörung schützen. Es muss so etwas wie eine richtig verstandene Ökologie des Menschen geben.

Zu dieser wohlverstandenen Ökologie gehört auch, dass wir es uns, der jetzt lebenden Menschheit weltweit sowie den kommenden Generationen schuldig sind, dass Energie für alle zugänglich und bezahlbar sein wird und sie sicher und umweltverträglich gewonnen wird.

Dabei ist auch das Wort der Kirchen unverzichtbar.“

Günter Nooke, Persönlicher Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin  

„Der „Papst” und die „Menschenrechte” üben eine unvergleichliche Faszination aus. Auf den ersten Blick – insbesondere in Deutschland – ist der Papst umstrittener als die Idee der Menschenrechte. Auf den zweiten Blick – insbesondere aus globaler Perspektive – ist es eher umgekehrt.

Im größeren Teil der Welt, vor allem außerhalb des „christlichen Abendlandes”, erweckt bis heute die Idee universal geltender Menschenrechte, der Gedanke, es gäbe für alle Menschen von Geburt an unveräußerliche und gleiche Rechte, mehr Unverständnis als die Existenz und Autorität eines religiösen und zugleich weltlichen Kirchenoberhauptes.“

Hermann Kues, CDU- Bundestagsabgeordnete und Parlamentarischer Staatssekretär

„Wenn wir unserer Verantwortung für die Eine Welt gerecht werden und die Globalisierung menschlicher gestalten wollen, erfordert dies ein grundlegendes Umdenken in vielen Bereichen. Konzepte wie die Christliche Soziallehre und die Soziale Marktwirtschaft liegen nicht nur vor, sondern haben sich sogar in der Praxis bewährt. Spätestens die aktuelle Finanz- und Schuldenkrise sollte Anlass sein, darüber miteinander ins Gespräch zu kommen. Es ist enttäuschend, dass viele Akteure insgeheim immer noch der Ansicht sind, es könne so weitergehen wie vorher. „A crisis is a terrible thing to waste”, sagt der amerikanische Ökonom Paul Romer: Aus einer Krise muss man lernen, man darf sie nicht ungenutzt vorübergehen lassen, sonst kommt sie bei nächster Gelegenheit mit noch größerer Wucht wieder.“

Karl Schiewerling, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

„Das Zusammenleben der Menschen in einer Gemeinschaft ist mehr als die Summe der Einzelinteressen. Dadurch ist das Gemeinwohl begründet. Das Gemeinwohl ist ein Zielprinzip und beschreibt das, was wir als Gemeinschaft erreichen wollen und wie der Einzelne in der Gemeinschaft eingeordnet ist. Daraus wurden in der kirchlichen Sozialverkündigung die Prinzipien der Solidarität und Subsidiarität sowie der Nachhaltigkeit entwickelt, die gleichzeitig Kriterien für gesellschaftliches und staatliches Handeln sind. Aus diesen Kriterien wiederum resultieren Freiheit und Verantwortung, Partizipation und Sicherung der sozialen Rechte des Einzelnen, das heißt seine Teilhaberechte. Zu den wichtigsten Gerechtigkeitskriterien (neben der 116 Leistungs-, Verteilungs- und Bedarfsgerechtigkeit), zählen für mich die Kriterien der Chancen- und Teilhabegerechtigkeit.“

Annette Schavan, Bundesforschungsministerin

„Das Lebenselixier moderner Gesellschaften ist nicht der technische Fortschritt. Moderne Gesellschaften brauchen gerade in der Vielfalt der Möglichkeiten und Weltanschauungen Orientierung. Statt eines Clash of Civilizations brauchen wir den Dialog der Religionen, der Fremdheit überwindet und Integration möglich macht. Es geht darum, im Dialog der Religionen „das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen. (Nostra aetate Nr. 3)“

Aygül Özkan, Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration in Niedersachsen

„Mir liegt in diesem Zusammenhang am Herzen, gerade das Verbindende zu betonen. Wenn es darum geht, unser Wertesystem neu auszutarieren, müssen wir vor allem das sehen, was uns gemeinsam ist – das Streben nach Werten mit universeller Geltung – nach Frieden, nach Freiheit, nach sozialem Fortschritt und Gleichberechtigung. Oder, um mit Altbundespräsident Roman Herzog zu sprechen: „Es kann nicht darum gehen, dass sich die verschiedenen Kulturen und Religionen der Welt in ihren Grundüberzeugungen relativieren, etwa zugunsten einer künstlichen, oberflächlichen Einheitsphilosophie.

Aber es kommt darauf an, im Konsens nach den Grundlagen für ein partnerschaftliches Verhalten der Menschen wie der Nationen, d. h. nach der ethischen Grundorientierung für verantwortete Weltpolitik und Weltwirtschaft zu suchen.”

Thomas Rachel, CDU- Bundestagsabgeordnete und Parlamentarischer Staatssekretär

„Die Kirchen haben also – bei allen Wechselhaftigkeiten, Irrwegen oder Zweideutigkeiten der eigenen Geschichte – einen hohen und nicht zu leugnenden Anteil an der Gesamtentwicklung dieses besonderen Fortschrittsgedankens, der Europa und die westliche Zivilisation in mannigfacher Weise wissenschaftlich, kulturell und geistig zur weltgeschichtlichen Blüte gebracht hat.“

Peter Weiß, Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

„Vor gut 32 Jahren wurde mit Karol Wojtyła erstmals ein Pole zum Papst gewählt. Und ihm gefolgt ist der Deutsche Joseph Ratzinger. Einen Papst aus Deutschland, das hatte es zuletzt 1522 mit Hadrian IV. gegeben. Nach der über Jahrhunderte wechselvollen Geschichte zwischen Polen und Deutschen, und vor allem nach den grausamen Verbrechen Nazideutschlands an Millionen Polinnen und Polen, stehen diese beiden Päpste – Johannes Paul II., der aus Polen stammende Karol Wojtyła, und Benedikt XVI., der aus Deutschland stammende Joseph Ratzinger – in besonderer Weise mit ihrer Person, ihrem Wirken und ihren öffentlichen Ansprachen für die Aufarbeitung und Überwindung der Vergangenheit und die neue Realität eines in Frieden und Freiheit geeinten Europas.“

Monika Grütters, MdB, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien

„Es sind Religion und Kirche, die kulturelle Identität weit über den Kreis ihrer Mitgliedschaft hinaus schaffen. Sie tun das seit 2.000 Jahren mit einer Prägekraft wie sie keine zweite Institution je entwickelt hat. Ohne die große künstlerische Inspirationskraft der christlichen Theologie wäre die Kultur des Abendlandes ärmer an Geist und Sinnlichkeit. Das fordert auch Intellektuelle und Künstler zur Auseinandersetzung heraus. Waren und sind es also – frei nach Hölderlin – die Künstler, die den Sterblichen den Weg zu den Göttern ebnen? Zumindest können sie dies, oft besser als alle anderen Instanzen – und sie suchen seit Jahrhunderten bis heute sehr aktiv nach diesen Wegen zu Gott.“

Bernhard Vogel, ehemaliger Ministerpräsident und Rheinland-Pfalz und Thüringen

„Vor sechs Jahren zum Papst gewählt – nicht weil, sondern obwohl er ein Deutscher ist –, hat er ein Vorhaben zu Ende gebracht, mit dem er sich, wie er selbst sagt, über viele Jahre befasst hat. Zu Ende gebracht? So sicher ist das nicht. Im Vorwort seines Buches kündigt er an, noch „einen kleinen Faszikel” über die Kindheitsgeschichte folgen zu lassen, „wenn mir dazu noch die Kraft gegeben wird”.

Ein Papst schreibt Bücher. Der Nachfolger des Petrus schreibt ein Buch in zwei Bänden über Jesus von Nazareth, den Stifter seiner Kirche. Eigentlich eine Sensation. Und er beansprucht für seinen Text keine Vorrangstellung. Im Gegenteil, er fordert ausdrücklich zu Auseinandersetzung und Kritik auf. Jedermann stehe es frei, ihm zu widersprechen."

Mehr Informationen finden Sie hier.




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Die Kommentare der Liborius-User:


von Johann ES

am Mittwoch, 21. September 2011

hallo ich muss pupsen

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