am Mittwoch, 15. Februar 2012
Vielen Dank an alle Beteiligten, die sich für diesen längst überfälligen Schritt in der kath. Kirche eingesetzt haben. Es muss endlich eine Lösung gefunden werden, die aus einer Geste der Barmherzigkeit ihren Ausgangspunkt findet, um Menschen in einer schwierigen menschlichen Situation beizustehen.
In einem Brief an „meinen“ Bischof Bode habe ich genau diesen Aspekt angesprochen. In seiner letzten Silvesterpredigt hatte Bode das Problem der wiederverheiratet Geschiedenen thematisiert. In meinem Brief hatte ich mich für seine Worte bedankt – doch er blieb unbeantwortet. Zwischen Worten einer Predigt und Taten in einer konkreten Bistumssituation klaffen offensichtlich unüberbrückbare Lücken. Es wird deutlich, wie groß die Differenz zwischen wohlfeilen Worten und hilfreichen Taten ist.
Zudem zeigt das Verhalten Bodes, dass er an einem Dialog offensichtlich nicht interessiert ist. Wenn ein Katholik seines Bistums ihm einen persönlichen Brief zukommen lässt und der Bischof es noch nicht einmal für notwendig hält, eine Empfangsbestätigung dem Absender zukommen zu lassen, so spricht dieser Sachverhalt Bände hinsichtlich der Ernsthaftigkeit einer Dialogbereitschaft zwischen Klerus und Laien. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass alles nur eine große Show-Veranstaltung ist. Das Dialogforum dient offensichtlich dazu, den kritischen Katholiken ein Forum zu bieten, Dampf abzulassen, ohne dass bei den Vertretern der Amtskirche die Bereitschaft vorhanden ist, ein Heutig-Werden der kath. Kirche einzuleiten.
In früheren Zeiten praktizierte die kath. Kirche den Scheiterhaufen gegenüber Reformern als Höchststrafe, heute lautet die Höchstbestrafung „Nicht-Beachtung“ oder persönliche Verunglimpfung, wie sie der Regensburger Bischof Müller zu praktizieren pflegt, wenn er z.B. zu Protokoll gibt:
„Sektiererische Grüppchen wie „Wir sind Kirche“ können ökumenisch nur schaden und sind als Verbündete zur Schwächung der Katholischen Kirche zu meiden. Diese Extremisten bringen nur weitere Spaltungen und blockieren den von Christus vorgeschriebenen Weg zur größeren Einheit im Glauben. Wer so agitiert, der versündigt sich am Willen Christi.“
Nochmals bedanke ich mich bei den Beteiligten der Unterschriftenaktion – leider jedoch mit einer sehr pessimistischen Grundausrichtung hinsichtlich auch nur eines Funkens Hoffnung einer tatsächlich ernsthaften Bereitschaft einer Neuausrichtung bei den Vertretern der DBK ; hier ist man offensichtlich nur am Machterhalt einer Männer dominierten kath. Kirche interessiert.
Im Folgenden lasse ich Ihnen einen kurzen Auszug aus meinem längeren Brief an Bode zukommen.
Paul Haverkamp, Lingen
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Sehr geehrter Herr Bischof Bode!
Sehr herzlich beglückwünsche ich Sie zu Ihrer großartigen Silvesterpredigt. Ich hoffe, dass dieser Text – genau wie er von den Redakteuren des Kirchenboten als wichtig für einen Abdruck angesehen wurde- auch von den Redakteuren des Osservatore Romano als würdig für einen Abdruck empfunden wird.
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„Weiter denke ich bei einem neuen Aufbruch an eine möglichst lebensnahe Katechese für alle Generationen; ich denke an den Umgang der Kirche mit wiederverheiratet Geschiedenen und mit Paaren in konfessionsverschiedenen Ehen; ich denke an ein vertieftes Zusammenwirken von Männern und Frauen in den Diensten des Gottesvolkes; ich denke an den Beitrag der Kirche zu einer positiven Sexualkultur“
In all meinen schriftlichen Einlassungen der letzten Jahrzehnte habe ich immer wieder diese Punkte angesprochen. Von Camus stammt der Satz:
„Seine Grundsätze soll man für die wenigen Augenblicke im Leben aufsparen, in denen es auf Grundsätze ankommt. Für das meiste genügt ein wenig Barmherzigkeit.“
Sie selber sagen in Ihrer Predigt u.a.: „Es kommt auf eine Kultur der Barmherzigkeit an“; wie recht haben Sie.
Alle großen Religionen der Menschheit sind um eine Mystik des Leidens konzentriert. Metz stellt fest: „Fremdes Leid wahrzunehmen ist unerlässliche Bedingung aller universalen moralischen Ansprüche.“ In diesem Zusammenhang verwendet Metz das Wort „Compassion“ als Zentralaussage „für das Weltprogramm der biblischen Religionen im Zeitalter der Globalisierung. Diese Compassion als teilnehmende Wahrnehmung fremden Leids, als Eingedenken des Leids der anderen, ist in meinen Augen die biblische Mitgift für Europa.“
Das leer bleibende Kreuz in Anna Seghers Roman „Das siebte Kreuz“ vermag Ansporn und Herausforderung für einen jeden Menschen in der Gegenwart sein, mit Hilfe seines Verhaltens dazu beizutragen, dass die Anzahl der nicht ans Kreuz geschlagenen Menschen in der Gegenwart durch unser jeweiliges persönliches Verhalten im Alltag verringert werden kann; und zwar dadurch, dass wir uns solidarisieren mit den Ärmsten der Armen, den Entrechteten, den Opfern von Gewalt und Krieg, den Opfern von Erniedrigung und Folter. Das siebte Kreuz der Potentaten von heute muss leer bleiben durch unsere nicht nachlassende Solidarität und Empathie mit denjenigen, die Kreuzesleiden erfahren, die ihrer Menschenwürde beraubt und ihrer göttlichen Schöpferidentität beraubt werden.
Nun sprechen Sie es doch bitte endlich auch als Verantwortlicher für Ihr Bistum aus:
„In meinem Bistum können konfessionsverbundene Ehepaare und wiederverheiratet Geschiedene ohne Wenn und Aber wieder das eucharistische Brot empfangen.“
Ich bitte Sie inständig – lassen Sie es nicht bei Ankündigungen: Sprechen Sie einen solchen Satz als höchster Repräsentant dieses Bistums endlich aus!!! Das wären doch nun endlich kleine, aber ganz wichtige Schritte, damit die Forderung innerhalb Ihrer Predigt eine Konkretion erführe; Sie forderten in dieser Ihrer Predigt, „die Absichten und Impulse des Konzils neu zu lesen“. Bitte lassen Sie Ihren Wortbeiträgen konkrete und der Glaubwürdigkeit dienende Schritte folgen!!!
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Dass der Papst sich in der Ausgestaltung des CIC über den von den Konzilsvätern gewünschten Machtzuwachs der Ortsbischöfe hinwegsetzt hat, wird u.a. auch daran deutlich, dass er die konziliare Kennzeichnung der Bischöfe als Stellvertreter Christi nicht übernommen hat. In Lumen Gentium 27 hatte es noch geheißen : „Die Bischöfe leiten die ihnen anvertrauten Teilkirchen als Stellvertreter und Gesandte Christi.“ Aufgrund seiner unumschränkten Macht hat Johannes Paul II. eben sein Verständnis einer konziliaren Ekklesiologie in eine rechtliche Sprache übersetzen lassen : Honny soit qui mal y pense !
Abschließend möchte ich Ihnen, sehr geehrter Herr Bischof Bode, nochmals meinen Dank zum Ausdruck bringen – verbunden mit der Hoffnung, dass die „Improvisation des Geistes“ Sie zu konkreten Entscheidungen führen möge, die dem jesuanischen Vorbild gleichen.
Mit freundlichem Gruß!
Paul Haverkamp

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