„Die spinnen, die Schweden“, ist man in Abwandlung eines Asterix-Zitates zu sagen geneigt, wenn man liest, was sich um die Weihnachtszeit in Schweden ereignet hat. Dort wurde durch die Behörde Schwedisches Kammarkollegiet eine neue religiöse Gemeinschaft anerkannt: die "Missionierende Kopimisten-Gemeinschaft Kopimistsamfundet".
Früher gab es eine Staatskirche
Eigentlich ist der Schwede an sich Mitglied evangelisch-lutherischen Schwedischen Kirche. Sie war bis zum Jahre 1999 sogar Staatskirche war. Im Jahre 2009 gehörten ihr 71,3 % der schwedischen Bevölkerung an. Daneben gibt es starke freikirchliche Gruppen. Die zweitgrößte Religionsgemeinschaft ist der Islam. Es gibt auch etwa 150.000 Katholiken. Und nun eben auch die Kopimisten.
"Credo" der Kopimisten
Das Credo der Kopimisten lässt sich in sechs Leitsätzen wie folgt formulieren:
1. Die Vervielfältigung von Informationen ist ethisch richtig.
2. Die Verbreitung von Informationen ist ethisch richtig.
3. Der Remix ist heiliger als die perfekte digitale Kopie, weil der Remix eine Kreuzkopie vieler Informationen ist.
4. Das Kopieren oder Remixen von Informationen einer anderen Person ist eine Respektsbekundung, eine starker Ausdruck von Akzeptanz und des kopimistischen Glaubens.
5. Das Internet ist heilig.
6. Code ist Gesetz.
Ziele
Die Vervielfältigung von Information ist die Basis der neuen Religionsgruppe. Das, was Politik und Wirtschaft als illegalen Datenaustausch betrachten, halten die Kopimisten für ethisch gerechtfertigt. Die Idee zur Gründung der Gemeinschaft geht zurück auf den schwedischen Philosophie-Studenten Isak Gerson. Er ist als Internet-Pirat unterwegs und selbst ein großer Freund des Filesharings. Neben den sechs Leitsätzen ihres Handelns betrachten die Kopimisten die Tastenkombinationen Ctrl+C und Ctrl+V als religiöse Insignien und verwenden als religiöses Symbol eine Pyramide mit einem großen C verwenden.
Rechtsstatus
In einem dritten Anlauf ist den Kopimisten der offizielle religiöse Status jetzt verliehen worden. Religiöse Gemeinschaften sind zwar auch in Schweden nicht mit Kirchen gleichgestellt, haben aber eine eigene rechtsfähige Persönlichkeit. Die Kopimisten können jetzt als Organisation öffentlich handeln, klagen und verklagt werden. Die Gruppierung haftet mit ihrem Vermögen und erhält staatliche Unterstützung beim Eintreiben ihrer Mitgliedsbeiträge. Wenn auch der spirituelle Gründer Gerson sich erhofft, dass die Mitglieder seiner Gemeinschaft in der Ausübung ihrer Religion nicht behindert werden, so dürften das Raubkopieren und die illegale Informationsweitergabe im Internet dennoch strafbar bleiben.
Bewertung
Das ist schon im höchsten Maße erstaunlich, was da in einem europäischen Land so alles möglich ist. Man kann das, was dort mit staatlicher Genehmigung passiert eigentlich nicht wirklich ernst nehmen. Dennoch sollte man so etwas auch nicht verschweigen und unter den Teppich kehren. Es zeigt, dass in Europa immer mehr das richtige Maß verloren geht. In einem Toleranzstreben, das seinesgleichen sucht, werden traditionelle Werte über den Haufen geworfen, ad absurdum geführt oder der Lächerlichkeit preisgegeben. So verliert die Gesellschaft den Blick für die tatsächliche Bedeutung von Religion und religiösen Werten. Armes Schweden, armes Europa! (hei)