Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Ein anderer Blick auf das Papstamt

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Montag, 21. Mai 2012 Hermann Joseph , Erenfrid
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Kirche und Kino

Ein anderer Blick auf das Papstamt

Ein Papst der zweifelt, ein Papst, der Angst hat, seiner Aufgabe nicht gewachsen zu sein? Ein spannender Stoff für einen Film wie „habemus papam“, der jetzt in unseren Kinos lauft.

Flash ist Pflicht!
"Habemus Papam" läuft seit 8. Dezember in den deutschen Kinos.

Auf gefährliches Eis begibt sich so mancher Regisseur, der einen fiktiven Film über einen Papst abdrehen will. Nanni Moretti, ein politisch eher links stehender bekennender Berlusconigegner, hat sich an einen solchen Stoff gewagt. Eine Komödie, die den Vatikan als Zentrum der Kirche und den Papst als ihr Oberhaupt im  Blick hat wird immer schnell Kritiker finden, die sich vor Begeisterung kam noch halten können und andere, die jede Befassung mit diesem Thema, schon gar in diesem Genre für unangemessen halten.

Lob und Tadel
 
So war es auch bei habemus papam, der bereits in den italienischen Kinos erfolgreich gelaufen ist. Lob gab es sogar auch Kirchenkreisen, allerdings auch empörte Katholiken, die zum Boykott des Filmes aufriefen.  Solche Muster lassen sich wenige Tage nach dem Kinostart in Deutschland noch nicht feststellen. Also scheint etwas dran zu sein an der Bewertung durch den Fernsehsender der italienischen Bischofskonferenz  TV2000. Er nannte den Film überzeugend. Auch Radio Vatikan lobte die menschliche Komponente des Filmes, die ohne karikierendes Verzeichnen auskomme. Andre sagen wiederum der Film sei eine „Beleidigung unserer Religion“.

Bürde der Veranwortung

In dem Film geht es letztlich um die wahnsinnige Bürde der Verantwortung, vor der ein Mensch, der in ein solches Amt gewählt wird, auf einmal steht. Selbstzweifel und wirkliche Versagensängste inszeniert Nanni Moretti mit behutsamem Humor. Der gerade gewählte Papst schafft es nicht auf den Balkon, dorthin wo Johannes Paul II. den Menschen nach seiner Wahl zurief: „Habt keine Angst“. Dieser Balkon, auf den der sonst so verschlossene Kardinal Ratzinger als strahlender Papst  hinaustrat und auf dem das Titelbild der Bildzeitung mit der legendären Schlagzeile „Wir sind Papst“ entstand. Der neue Papst hat Angst vor diesem Moment, Angst vor den Erwartungen der Menschen, Angst vor der eigenen Schwäche.

Menschliches Bild

Nanni Moretti zeichnet ein menschliches Bild von diesem Amt, das immer aus dem Blick der Öffentlichkeit  mit Stärke und Macht verbunden ist. Eine Öffentlichkeit die Einsamkeit und Stille in dem vatikanischen Treiben nicht wahrnimmt, die die Schwere der Verantwortung für die Einheit einer Weltkirche nicht im Blick hat. Dieser Papst auf der Leinwand will oder kann nicht so funktionieren, wie man es von ihm erwartet. Er läuft weg, er verweigert sich. Er handelt wie ein Mensch. Auch Gottes Sohn hat als Mensch am Kreuz geklagt „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Diese menschliche Komponente macht Gott und macht Kirche und Glauben begreifbarer für die Menschen.     
Dieser humorvolle Blick auf menschliche Schwächen in einem hohen Amt der Kirche mag verärgern, mag aber auch begeistern. Den Weg in die Kinosäle verdient er allemal.  (hei)




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