„Erschienen ist die Güte und die Menschenfreundlichkeit unseres Gottes: Das ist neue, tröstende Gewissheit, die uns an Weihnachten geschenkt wird“ betonte Papst Benedikt XVI. den Kern der Botschaft des Weihnachtsfestes im voll besetzten Petersdom.
Gott sei als Kind erschienen. Gerade so stelle er sich aller Gewalt entgegen und bringe eine Botschaft, die Friede sei. Gott habe uns damit gezeigt, dass wir selbst mit ihm Friedensstifter sein sollen. „Wir leiden darunter, dass die Gewalt fortgeht in der Welt, und so bitten wir dich auch: Zeige deine Macht, o Gott. Mache es wahr in dieser unserer Zeit, in dieser unserer Welt, dass Treiberstöcke, die blutbefleckten Mäntel und die dröhnenden Stiefel verbrannt werden und dein Friede siegt in dieser unserer Welt.“
„Als im Jahr 1223 Franz von Assisi in Greccio Weihnachten feierte mit Ochs und Esel und mit einer heugefüllten Futterkrippe, ist eine neue Dimension des Geheimnisses von Weihnachten sichtbar geworden.“ Franz von Assisi habe Weihnachten „das Fest aller Feste“ genannt – mehr als alle anderen Feste – und es mit „unaussprechlicher Hingebung“ gefeiert. Der Heilige habe in einer ganz neuen Tiefe das Menschsein Jesu entdeckt. „Dieses Menschsein Gottes wurde ihm am meisten sichtbar in dem Augenblick, in dem Gottes Sohn als Kind aus der Jungfrau Maria geboren, in Windeln gewickelt und in eine Krippe gelegt worden war. Die Auferstehung setzt die Menschwerdung voraus.“ Man könne Gott sozusagen in dem Kind im Stall zu Bethlehem anfassen und liebkosen. So habe das Kirchenjahr neben dem Osterfest eine zweite Mitte erhalten, in einem Fest, das vor allem Fest des Herzens ist.
„Heute ist Weihnachten zu einem Fest der Geschäfte geworden, deren greller Glanz das Geheimnis der Demut Gottes verdeckt, die uns zur Demut und zur Einfachheit einlädt“, beklagte der Papst. „Bitten wir den Herrn darum, daß er uns hilft, durch die glänzenden Fassaden dieser Zeit hindurchzuschauen bis zu dem Kind im Stall zu Bethlehem, um so die wahre Freude und das wirkliche Licht zu entdecken.“ Gerade die Begegnung mit der Demut Gottes werde zur Freude – seine Güte schaffe das wahre Fest.
„Wenn wir den als Kind erschienenen Gott finden wollen, dann müssen wir vom hohen Ross unseres aufgeklärten Verstandes heruntersteigen. Wir müssen unsere falschen Gewissheiten, unseren intellektuellen Stolz ablegen, der uns hindert, die Nähe Gottes zu sehen“, forderte Benedikt XVI. Wichtig sei, im Sinne des heiligen Franziskus, sich auf den Weg zu begeben zu jener letzten äußeren und inneren Einfachheit, die das Herz sehend macht. „Verzichten wir auf unsere Fixierung auf das Materielle, auf das Messbare und Greifbare. Lassen wir uns einfach machen von dem Gott, der sich dem einfach gewordenen Herzen zeigt. Und beten wir in dieser Stunde vor allem auch für alle diejenigen, die Weihnachten in Armut, in Leid, im Unterwegssein feiern müssen, dass ihnen ein Strahl der Güte Gottes erscheine.“