Schon in einem Kirchenlied aus der Mitte des 19. Jahrhunderts heißt es: „Ein Haus voll Glorie schauet weit über alle Land, aus ew’gem Stein erbauet von Gottes Meisterhand.“ Eine Kirche soll also eher aus ewigem und unvergänglichem Stein gemauert sein. Obgleich das Lied eher die Kirche als Ganzes in ihrer Unvergänglichkeit und nicht das einzelne Gotteshaus im Blick hat, trifft die obige Aussage offenbar den Kern des Denkens im Bistum Passau.
Aus Eis und Schnee
Dort haben, in der kleinen Berggemeinde Mitterfirmiansreut die Menschen eine Kirche aus 1400 Kubikmeter Schnee errichtet. Das Gotteshaus hat eine Länge von 26 Metern und bietet etwa 200 Menschen Platz. Dass die Statik stimmt verantwortet der Passauer Architekt Alfons Doeringer. Ein echter Blickfang ist auch der 17 Meter hohe Kirchturm, der aus Eis und Schnee geformt wurde.
Denkmal zur Erinnerung
Warum bauen Menschen eine Kirche aus Schnee? Sie erinnern damit an eine Aktion aus dem Winter 1911. Damals gab es im Bayerischen Wald so viel Schnee, dass die Menschen aus Mitterfirmiansreut nicht mehr mehr als eine Stunde ins Nachbardorf zum Gottesdienst gehen wollten. Da die Amtskirche nicht half, bauten sie ihr eigenes Gotteshaus: eine Schneekirche.
Zu wenig Schnee
Das ehrgeizige Vorhaben, es den Vorfahren gleich zu tun, erwies sich nun als gar nicht so einfach. Zunächst einmal war die Schneesituation im Jahre 2011 anders als vor gut 100 Jahren. Der sonst eher üppige Schnee in dieser Region wollte nicht fallen. So verzögerten sich die Pläne zum Bau und zur Einweihung der Kirche. Sie konnte erst kurz nach dem Weihnachtsfest, am 28. Dezember fertig gestellt werden.
Bischöfliche Bedenken
Und auch der Passauer Oberhirte meldete Bedenken an. Zunächst einmal teilte er mit, dass die Kirche aus Eis und Schnee nicht geweiht werden könne. Ohne Weihe aber keine katholische Kirche und was in Bayern ebenso bitter ist, kein Kirchweihfest. Selbst Trauungen und Taufen dürfen nach dem Willen des Bischofs nicht in der Schneekirche durchgeführt werden, meldet das Internetportal Welt online. Bischof Wilhelm Schraml ängstigt offenbar die weltweite Aufmerksamkeit, die das Kirchlein erfahren hat. „Bei allen liturgischen Feiern und Veranstaltungen der Charakter des geziemenden Ortes gewahrt“ bleiben, betonte der Bischof in einem Brief. Den Segen der Kirche gab es am Ende dann doch bei der Eröffnungsfeier für das Schneehaus, das voll Glorie schauet.