liborius.de: Sie waren dem Papst ganz nahe, haben seine Rede im Deutschen Bundestag erlebt und für liborius.de getwittert. Was bleibt für Sie vom Papstbesuch?
Dorothee Bär: Dem Papst so nahe gewesen sein zu dürfen war für mich eines der außergewöhnlichsten Erlebnisse in meiner bisherigen Abgeordnetentätigkeit und sicherlich auch in meinem ganzen Leben. Die Atmosphäre im Plenarsaal war gleichzeitig angespannt und erwartungsvoll. Dem Heiligen Vater ist es auf eine ganz besondere Art gelungen, mit seiner weisen Rede alle in seinen Bann zu ziehen. Es bleibt für mich vom Papstbesuch also, ein persönlich wundervolles Erlebnis und die Gewissheit, dass er durch seine Rede viele Menschen, nicht nur im Plenum, sondern im ganzen Lande, erreichen konnte.
liborius.de: Ist es für eine Bayerin ein besonderes Gefühl einen bayerischen Papst zu haben?
Dorothee Bär: Es ist natürlich für mich als katholische Bayerin ein besonderes Gefühl zu wissen, dass der Papst aus meiner Heimat stammt. Ich glaube jedoch, dass dies für die meisten deutschen Gläubigen zutrifft. Schließlich ist es für unsere Generation auch etwas Einmaliges, dass wir einen deutschen Papst erleben dürfen. Auch zu seinem Vorgänger, Papst Johannes Paul II. hatte ich ein besonderes Verhältnis, da ich 1978, also im Drei-Päpste-Jahr geboren wurde. Unser jetziger Papst, Papst Benedikt XVI. wurde an meinem Geburtstag, am 19. April, 2005, zum Papst gewählt.
liborius.de: Was nehmen Sie aus seine Bundestagsrede für ihre politische Arbeit mit?
Dorothee Bär: Der Papst hat in seiner Rede vor dem Bundestag verschiedene Aspekte angesprochen. Unser Verhältnis zur Natur, aber auch - wie er es nannte - die "Ökologie des Menschen" sowie den Wert der Demokratie. Der Erhalt der Schöpfung und die Achtung der Natur des Menschen ist mir ebenso ein zentrales Anliegen wie die Weitergabe des Wissens über den Wert unserer Demokratie besonders an die junge Generation. Die Rede des Papstes hat mich ganz besonders in meiner Arbeit bestärkt. Seine Aussage am Ende seiner Rede, dass wir "letztlich nichts anderes wünschen könnten als ein hörendes Herz – die Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden und so wahres Recht zu setzen, der Gerechtigkeit zu dienen und dem Frieden" zeigt mir zudem eine Richtung in meinem politischen Handeln.
liborius.de: In seiner Freiburger Rede hat der Heilige Vater eine "Entweltlichung" der Kirche gefordert. Wie schätzen Sie diese Rede ein?
Dorothee Bär: Die Rede von Papst Benedikt in Freiburg und die Berichterstattung im Nachgang ist für mich symptomatisch für die Verkürzung von Nachrichten in unserer schnelllebigen Zeit. Es wird einzig der Begriff "Entweltlichung" diskutiert und vorallem aus dem Zusammenhang gerissen. Der Papst sagte: "Durch die Ansprüche und Sachzwänge der Welt wird aber immer wieder das Zeugnis verdunkelt, werden die Beziehungen entfremdet und wird die Botschaft relativiert. Wenn nun die Kirche, wie Papst Paul VI. sagt, „danach trachtet, sich selbst nach dem Typus, den Christus ihr vor Augen stellt, zu bilden, dann wird sie sich von der menschlichen Umgebung tief unterscheiden, in der sie doch lebt oder der sie sich nähert“ (Enzyklika Ecclesiam Suam, 60). Um ihre Sendung zu verwirklichen, wird sie immer wieder auf Distanz zu ihrer Umgebung gehen, sie hat sich gewissermaßen zu „entweltlichen“." Er sprach also davon, dass eine gewisse Distanz der Kirche nötig ist, um ihre "Sendung" weiterzugeben. Diese Distanz beinhaltet für mich auch ein Ruhespenden in einer hektischen Zeit, Dinge überdenken zu können und die Möglichkeit im Glauben auch die Distanz zum Weltlichen zu finden, die es braucht, um im Alltag genügend Kraft zu haben.
liborius.de: Sind ihre persönlichen Erwartungen an den Papstbesuch erfüllt worden?
Dorothee Bär: Ich konnte mir viele Themen vorstellen, die der Heilige Vater in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag anspricht. Die Bewahrung der Schöpfung war ein solches Thema, aber auch der Wert der Demokratie und unsere europäische Identität. Für mich war es vor allem wichtig, dass viele Menschen die Möglichkeit hatten, den Papstbesuch zu erleben und dabei über ihren eigenen Glauben nachzudenken. Die Diskussionen rund um den Papstbesuch haben sicherlich deutlich mehr Menschen als üblich herausgefordert, über ihren Glauben, die Kirche und ihr Verhältnis zum Papst nachzudenken. So hat sich meine Erwartung erfüllt, dass viele Menschen für einen Moment innegehalten haben. Vergelt’s Gott!