Die COMECE ist die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft. Sie setzt sich aus den delegierten Bischöfen der 24 katholischen Bischofskonferenzen aus dem Gebiet der Europäischen Union zusammen. Am 12. Januar 2012 präsentierte die COMECE durch den Münchener Kardinal Reinhard Marx, an ihrem Sitz in Brüssel ein Papier zur Wettbewerbsfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft in der europäischen Finanzkrise. Die Bischöfe fordern von den Verantwortlichen in der EU, sich langfristig für „eine echte politische Weltautorität“ einzusetzen. Diese müsse neben dem , die neben dem Aspekt der wirtschaftlichen Klugheit auch die Gerechtigkeit und die ökologische Verantwortung berücksichtigen.
Solidarität und sozialer Ausgleich
Gefordert wird eine weitgehende Freiheit des Marktes in Verbindung mit den Instrumenten der Wettbewerbswirtschaft. Hierin einzubinden sind das Prinzip der Solidarität und die Mechanismen des sozialen Ausgleichs. Erforderlich ist nach dem Willen der Bischöfe ein „tiefgreifender sozialer Schutz durch den Staat“. Zur Verwirklichung der Sozialen Marktwirtschaft in der Europäischen Union brauche es eine Solidaritäts- und Verantwortungsgemeinschaft. „Solidarisch und verantwortlich zugleich wird es uns Europäern gelingen, die gegenwärtige schwere Krise zu meistern und unseren gemeinsamen Weg weiterzugehen, um am Ende allen Menschen auf der ganzen Welt ein wirksames Zeichen des Friedens und der Gerechtigkeit zu geben“, befinden die europäischen Bischöfe in dem Papier.
Europäische Marktwirtschaft
Um das zu realisieren ist nach der Auffassung der Bischöfe die Beachtung der maßgeblichen Parameter der sozialen Marktwirtschaft erforderlich: „Den der freien Form der Solidarität entsprechenden Institutionen der Vereine auf Gegenseitigkeit, Genossenschaften und kommunalen Selbstverwaltungen sowie anderer Formen der Sozialwirtschaft und ethischer Investitionen muss beim Aufbau einer europäischen Sozialen Marktwirtschaft besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.” Der Markt müsse nicht prinzipiell unsozial sein. Wettbewerb spiele gerade in der sozialen marktwirtschaft eine wichtige Rolle. Allerdings müssten “Monopole, Kartelle, Preisabsprachen, der Mißbrauch wirtschaftlicher Macht oder öffentlicher Beihilfen, d.h. alles was zu Wettbewerbsverzerrungen führen kann, müssen durch den Gesetzgeber und die Exekutive der Europäischen Union wirksam bekämpft und verhindert werden“.
Nicht nur Profit
Ausdrücklich wenden sich Bischöfe gegen eine Wirtschaftsform, die einzig auf Profit ausgerichtet ist. In ihr drohten “soziale und ökologische Dimensionen der Lebensqualität, die sich häufig nicht unmittelbar in Geldwerten ausdrücken lassen, aus dem Blick zu geraten”. Auch die Verantwortung der Verbraucher nehmen die Bischöfe ausdrücklich in den Blick. Sie seien es, die durch ihre Konsumgewohnheiten in weitem Maße das europäische und weltweite Wirtschaftsgeschehen bestimmten. „Jede wirtschaftliche Entscheidung hat eine moralische Konsequenz. Es bedarf daher eines entschiedenen kulturellen Bemühens, das die Menschen zu einem verantwortlichen Konsumverhalten befähigt.“
Ergänzende Solidarleistungen
In der europäischen Sozialen Marktwirtschaft sei es notwendig, dass Solidarleistungen den Markt ergänzen, damit ein menschenwürdiger Lebensunterhalt für alle Bürgerinnen und Bürger garantiert werden könne. „Das kann nicht länger nur die Sorge der Mitgliedsstaaten sein, sondern muss auch eine der Union werden“, stellen die Bischöfe fest. Die europäischen Institutionen müssten in Zeiten der Krise die Voraussetzungen schaffen, „damit der soziale Dialog zwischen europäischen Partnern die ihm in den europäischen Verträgen zugedachte Rolle spielen kann“.