„Gemeinsam die Gegenwart des lebendigen Gottes bezeugen und damit der Welt die Antwort zu geben, die sie braucht.“ Das ist für den Heiligen Vater ökumenisches Zusammenleben. Deshalb solle man bei ökumenischen Begegnungen nicht ständig die Spaltung beklagen, sondern vielmehr „Gott für alles danken, was er uns an Einheit erhalten hat und immer neu schenkt.“
Die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen und die gemeinsame christliche Wertekultur, das ist das, was der Papst auch unter Ökumene versteht. In einer Zeit der Anfechtungen und der Gefahren sei das gemeinsame Eintreten für christliche Werte in Politik und Gesellschaf wesentlich. „Wir als Christen müssen die unantastbare Würde des Menschen verteidigen, von der Empfängnis bis zum Tod – in den Fragen von PID bis zur Sterbehilfe“, nannte der Papst ein aktuelles Beispiel.
Einen „inneren Ort der Einheit“ nannte der Papst das Gebet. „Wir werden eins sein, wenn wir uns in dieses Gebet hineinziehen lassen.“ Die Hoffnung auf Kompromisse in der Ökumene trübte der Papst allerdings deutlich. „Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln“. Benedikt XVI. betonte: „Nicht durch Abwägung von Vor- und Nachteilen, sondern nur durch tieferes
Hineindenken und Hineinleben in den Glauben wächst Einheit.“
Der Gottesdienst mit dem Papst und den Spitzenvertretern des deutschen Protestantismus fand an einem historischen Ort statt. In das Augustinerkloster trat 1505 der spätere Reformator Martin Luther (1483-1546) ein, wo er zwei Jahre nach der Priesterweihe seine erste Messe feierte. Luther lebte in dem Kloster bis 1511, bevor er an die Wittenberger Universität wechselte.
Im Anschluss an den Gottesdienst würdigte der EKD Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider aus das einstündige Gespräch mit Benedikt XVI. Schneider sprach sprach von einer „sehr ernsthaften und tiefen geschwisterlichen Begegnung“. Der Papst habe Martin Luther auf starke Weise positiv gewürdigt und deutlich gemacht, wie sehr ihn persönlich die Frage des Reformators nach einem gnädigen Gott bewege. Die Präses der EKD-Synode, Katrin Göring-Eckardt, sagte, die beiden Kirchen hätten eine Aufgabe bekommen, die sie nun in den nächsten Jahren ausfüllen müssten. Über die Geschichte und die vergangenen Verletzungen müsse nun so gesprochen werden, dass daraus eine gemeinsame Zukunft entstehe.