Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Gebet schafft Einheit

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Benedikt XVI.: Auf Luthers Pfaden

Gebet schafft Einheit

Sich gegenseitig im Glauben zu stärken, das sieht Benedikt XVI. als eine der zentralen ökumenischen Aufgaben. Der Papst predigte im Erfurter Augustinerkloster, der ehemaligen Wirkungsstätte Martin Luthers.

Getrennt und doch gemeinsam. Katholik und Protestant am Altar. (Foto: dpa)
Getrennt und doch gemeinsam. Katholik und Protestant am Altar. (Foto: dpa)

„Gemeinsam die Gegenwart des lebendigen Gottes  bezeugen und damit der Welt die Antwort zu geben, die sie braucht.“ Das ist für den Heiligen Vater ökumenisches Zusammenleben. Deshalb solle man bei ökumenischen Begegnungen nicht ständig die Spaltung beklagen, sondern vielmehr „Gott für alles danken, was er uns an Einheit erhalten hat und immer neu schenkt.“

Die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen und die gemeinsame christliche Wertekultur, das ist das, was der Papst auch unter Ökumene versteht. In einer Zeit der Anfechtungen und der Gefahren sei das gemeinsame Eintreten für christliche Werte in Politik und Gesellschaf wesentlich. „Wir als Christen müssen die unantastbare Würde des Menschen verteidigen, von der Empfängnis bis zum Tod – in den Fragen von PID bis zur Sterbehilfe“, nannte der Papst ein aktuelles Beispiel.

Einen „inneren Ort der Einheit“ nannte der Papst das Gebet. „Wir werden eins sein, wenn wir uns in dieses Gebet hineinziehen lassen.“ Die Hoffnung auf Kompromisse in der Ökumene trübte der Papst allerdings deutlich. „Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln“. Benedikt XVI. betonte: „Nicht durch Abwägung von Vor- und Nachteilen, sondern nur durch tieferes

Hineindenken und Hineinleben in den Glauben wächst Einheit.“
Der Gottesdienst mit dem Papst und den Spitzenvertretern des deutschen Protestantismus fand an einem historischen Ort statt. In das Augustinerkloster trat 1505 der spätere Reformator Martin Luther  (1483-1546) ein, wo er zwei Jahre nach der Priesterweihe seine erste Messe feierte. Luther lebte in dem Kloster bis 1511, bevor er an die Wittenberger Universität wechselte.

Im Anschluss an den Gottesdienst würdigte der EKD Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider aus das einstündige Gespräch mit Benedikt XVI. Schneider sprach sprach von einer „sehr ernsthaften und tiefen geschwisterlichen Begegnung“. Der Papst habe Martin Luther auf starke Weise positiv gewürdigt und deutlich gemacht, wie sehr ihn persönlich die Frage des Reformators nach einem gnädigen Gott bewege.  Die Präses der EKD-Synode, Katrin Göring-Eckardt, sagte, die beiden Kirchen hätten eine Aufgabe bekommen, die sie nun in den nächsten Jahren ausfüllen müssten. Über die Geschichte und die vergangenen Verletzungen müsse nun so gesprochen werden, dass daraus eine gemeinsame Zukunft entstehe.




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Die Kommentare der Liborius-User:


von Paul Haverkamp

am Samstag, 24. September 2011

In Erfurt ist genau das passiert, was „Ökumene-Realisten“ und Papst-Kenner vorausgesagt hatten: Vom Papst kommen wohlgesetzte Worte, die an Unverbindlichkeit kaum zu überbieten sind und ein gütiges brüderliches Lächeln, das die mangelnde Ökumenebereitschaft dieses Papstes zu überspielen versucht. Die Kirchen der Reformation bleiben eben Kirchen zweiter Klasse bzw. kirchliche Gemeinschaften – alles wie gehabt.

Dieser Auftritt hat den Papst in theologischer Hinsicht nichts gekostet; der Besuch diente ausschließlich dem Ziel, die laut gewordene Kritik hinsichtlich des Verhaltens Roms gegenüber den Kirchen der Reformation (Dominus Jesus) mit einem Sedativum zu beantworten. Mit Hilfe dieses den Vertretern der Kirchen der Reformation verabreichte Placebo-Medikament kann der Papst jetzt gegenüber seinen Kritikern in die Öffentlichkeit treten und verkünden, dass er doch „guten Willen“ bekundet hat und sich mit diesem Hinweis zugleich von jeder Schuld am Ökumene-Stillstand selbst exkulpieren. Das ist ein bemerkenswerter Schachzug!

Dem Papst scheint jedes Gespür für die pastoralen Nöte vieler Menschen fremd zu sein; ich denke vor allem an die wiederverheiratet Geschiedenen und die konfessionsverbindenden Ehepaare. Wie sehr hätten Sie auf ein Wort der Hoffnung und Zuversicht gewartet, dass man im Vatikan zumindest bereit ist, über die Sorgen und Trauergefühle bezüglich einer vom Vatikan verwehrten Abendmahlsgemeinschaft auch nur nachzudenken.

Dem Papst ist ein toller Medien-Coup gelungen, die Kleidung des Papstes sorgt für Macht und Reichtum demonstrierende Bilder - ansonsten gilt jedoch: Die Karawane zieht weiter – die Not leidenden Menschen bleiben auf der Strecke.

Welch unjesuanischer Geist atmet aus diesem substanzlosen Auftritt des Oberhauptes der kath. Kirche!

Paul Haverkamp, Lingen

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