Veränderungen will Benedikt XVI. vor allem aus dem Glauben heraus schaffen. „Ihr müsst mehr Glauben“, das war eine der zentralen Botschaften des Papstes. Eines machte er gerade auch in der Begegnung mit den evangelischen Christen in Erfurt deutlich: Da steht kein geschliffener Diplomat, dem er darum geht, auf dem politischen Parkett möglichst viele Kompromisse zu erzielen. Da steht kein Staatsmann, der sich wegen seiner geschickten Verhandlungsführung rund um staatsvertragliche Abschlüsse feiern lassen möchte. Benedikt XVI. ist auf der Suche nach der Wahrheit. Diese findet man, das weiß der große Theologe und Philosoph, nicht in der Beliebigkeit, sondern im Festhalten unvergänglichen Werten.
Beten
Die Einheit im Gebet ist dem Papst in der Frage der ökumenischen Annäherung wichtiger als die Einheit im Ritus. Ihm geht es darum, dass sich die Christen gemeinsam gegen den fortschreitenden Säkularismus, gegen die Entgöttlichung der Gesellschaft aufstellen. Er kam nicht als der Überbringer von Gastgeschenken. Er kam als der Bote auch unbequemer Ansagen. Aber er hatte etwas zu sagen und er sagte es deutlich.
Herzlichkeit
Der herzliche Umgang, gerade in der Begegnung mit den protestantischen Schwestern und Brüder, die Gesten der Einheit, wie das Treffen an der Wirkungsstelle Martin Luthers, waren bewegende Momente. Und das im besten Wortsinne, weil durch sie sehr wohl Bewegung in das ökumenische Zusammenleben kommt. Die Konzentration auf das, was uns ohnehin schon verbindet, sieht Benedikt XVI. durchaus als bedeutender an, als das ständige Betonen dessen, was uns trennt.
Stammbuch
Seiner deutschen Kirche schrieb der Papst übrigens ebenso deutliche Ansagen ins Stammbuch. Die Treue zum Papst und zu Rom benannte er als zentrale Grundlagen des katholischen Lebens. Das war schon deutlich mehr, als eine schlichte Bitte um Solidarität in schwerer Zeit. Es war auch eine Aufforderung, im Rahmen des dort eingeleiteten Dialogprozesses nicht zu überziehen. Nicht ständig Forderungen zu erheben, die zwar Populistisch und aus kirchenpolitischer Sicht in Deutschland angebracht sein mögen, die aber der Weltkirche möglicherweise schaden. Auch hier ist die Einheit, das feste Zusammenstehen, nach Auffassung des Papstes der richtige Weg: „Die Kirche in Deutschland wird die Herausforderung der Gegenwart und Zukunft bestehen, wenn Priester, Gottgeweihte und christgläubige Laien in Einheit zusammenarbeiten.
Strukturen
Ob das in den in Deutschland bestehenden Strukturen allerdings funktionieren kann, scheint Benedikt XVI. zu bezweifeln: Er sieht die Kirche der Zukunft weniger materialistisch, mit weniger Privilegien und weniger Macht versehen, damit der Blick auf das Wesentliche, auf Gott und den Glauben unverstellt möglich ist. Hier macht der Papst ein mächtiges Fass auf und sich selbst wohlmöglich zum Kronzeugen derer, die schon lange dafür plädieren, kirchliche Vorteile wie den Kirchensteuereinzug abzuschaffen. Benedikt XVI. hat die große Sorge, dass sich die deutsche Kirche in Bequemlichkeit zurücklehnt und zu einem Sozial- und Gottesdienstdienstleister wird.
Fazit
Deutschland sah einen Papst, der sich über den Jubel der Menschen freute, der die Jugend liebt und in ihr die große Hoffnung der Kirche sieht. Einer Kirche, die er nicht ändern wird und ändern kann, weil sie sich aus sich selbst heraus reformieren muss. Deutschland sah einen intellektuellen Kirchenführer und einen der letzten großen Philosophen unseres Landes. Benedikt XVI. spricht nicht die Sprache des Volkes. Er spricht die Sprache der Lehre, der Wissenschaft. Aber ohne unsere großen Lehrer bliebe unser Wissen im Dunkeln und die Wahrheit verborgen. Die 300.000 Katholiken, die an seinen Heiligen Messen und seinen Ansprachen teilgenommen haben gegen ein deutliches Signal ab. Dieser Papst kann Menschen berühren und bewegen. Dieses Gefühl sollte die Kirche von Deutschland mit in ihren Alltag nehmen. (hei)