„Dass bei uns Menschen von Rechtsextremen gejagt, verletzt und getötet werden, haben Staat und Politik zu lange übersehen und konsequent verharmlost“, klagte die Bundesvorsitzende des BDKJ, Ursula Fehling. Es müsse Schluss sein mit dem unerträglichen Wegsehen. Der BDKJ sieht insbesondere auch die staatlichen Behörden in der Pflicht: „Sie müssen konsequenter verfolgen, bestrafen und vor allem: helfen, zu verhindern.“
Junge Menschen stärken
Der BDKJ ist erfreut, dass es dem Deutschen Bundestag gelungen ist, eine gemeinsame Erklärung zu verabschieden. Wichtig sei nun allerdings die Umsetzung. „Präventionsprojekte müssen ausgeweitet und nicht gekürzt werden. Angebote gegen extremistische Gewalt brauchen eine langfristige und sichere Förderung“, erläuterte Fehling. Die Jugendverbandsarbeit und kirchliche Jugendarbeit nähmen bei der Aufklärung und Prävention eine wichtige Rolle ein. „Sie machen junge Menschen stark gegen Gewalt und extremistisches Gedankengut.“
Augen nicht verschließen
Menschenfeindlichen Einstellungen, die es auch in der Mitte der Gesellschaft gebe, müsse man in breiten Bündnissen entgegentreten. „Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer. Gerade deswegen dürfen wir die Augen nicht davor verschließen, dass die Vorfälle nur die Spitze des Eisberges sind“, betonte Fehling. Dabei müsse man auch die unterschätzte Rolle weiblicher Neonazis in den Fokus nehmen: „Rechtsextreme sind nicht mehr nur Männer in Bomberjacken und Springerstiefeln. Frauen übernehmen eine tragende Rolle.“
Perspektivlosigkeit ist Nährboden
Perspektivlosigkeit sei ein fruchtbarer Nährboden auf dem gerade auch Kinder und Jugendliche von rechtsextremen Angeboten angesprochen würden. „Wo gute Angebote fehlen, nutzen rechtsextreme Gruppen das Vakuum“, so Fehling. Dies sei beispielsweise in den strukturschwachen Regionen im Osten Deutschlands der Fall. „Wir brauchen mehr Vertrauen in Demokratie und die sozialen Sicherungssysteme. Das ist die beste Möglichkeit, Extremismus vorzubeugen“, machte Fehling deutlich.
Fremdenfeindlichkeit in Teilen der Kirche
Die christliche Botschaft und der gesellschaftliche Konsens über die Menschenrechte seien mit Rechtsextremismus unvereinbar. „Menschenverachtung hat bei uns keinen Platz“, stellte Fehling klar. Fremdenfeindlichkeit sieht sie auch in Teilen der katholischen Kirche als vorhanden an. „Politische Bildungsarbeit und Sensibilisierung von Leiterinnen und Leitern gehört in den katholischen Jugendverbänden zum Standard. Wir setzen uns für Demokratie, Toleranz und Vielfalt ein und handeln aus christlicher Überzeugung gegen Rechtsextremismus.“