Die Junge Union Deutschlands befindet sich in guter Gesellschaft, wenn sie jetzt das Verbot der Scientology-Sekte in Deutschland fordert. Auch der Bayerische Landesinnenminister Joachim Herrmann (CSU) spricht von einer „verfassungsfeindlichen und menschenverachtenden Organisation“. „Ich mache keinen Hehl daraus, dass mir ein Verbot von Scientology am liebsten wäre“, sagte Hermann gegenüber der BILD-Zeitung.
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Profitgenerierung
Den Vorstoß des Innenministers unterstützt die Spitze der Jungen Union. Die stellvertretende Bundesvorsitzende Nina Warken, und der gesellschaftspolitische Sprecher der Jugendorganisation der CDU, Bröckelmann stellen den Charakter der Organisation in den Mittelpunkt ihrer Forderungen. „Scientology ist keine Religionsgemeinschaft, sondern eine Organisation, die zum Zwecke der Profitgenerierung ihre eigenen Mitglieder psychologisch und finanziell ausbeutet.“ Dabei schrecke die Sekte auch nicht vor verfassungsfeindlichen Methoden zurück.
Umsturz des Systems
Ziel von Scientology sei neben der Gewinnmaximierung der Umsturz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Deutschland und die Etablierung eines eigenen Herrschaftssystems auf Basis der ideologischen Vorstellungen des Gründers L. Ron Hubbard. „Da es sich um eine Organisation von totalitärem Charakter handelt, deren Ziele und inneren Strukturen dem Menschenbild des Grundgesetzes widersprechen und die gezielt versucht, politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen in Deutschland zu unterwandern, ist eine Überwachung durch die Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern weiterhin dringend geboten“, fordert die JU-Spitze.
Die Junge Union beschäftigt sich bereits seit den 1990er Jahren mit den Auswirkungen der totalitären Organisation. In einer Informationsbroschüre mit dem Titel "Seelenriss" warnte sie vor den selbsternannten Heilsbringern von Scientology. Daraufhin schaltete Scientology in einer großen US-Zeitung eine ganze Anzeigenseite gegen die Junge Union.
Scientology nennt sich selbst Kirche und versteht sich als eine Religion, „die einen exakten Weg bietet, der zu einem vollständigen Verstehen und einer Gewissheit über die eigene spirituelle Natur führt, über die Beziehung zu sich selbst, zur Familie, zu Gruppen, zur Menschheit, zu allen Lebensformen, zum materiellen Universum, zum geistigen Universum und dem höchsten Wesen.“
Wirtschaftskonzern
Der Verfassungsschutz in Deutschland sieht das anders und bewertet Scientology als Wirtschaftskonzern, der ein weltweites Herrschaftssystem nach seinen eigenen Vorstellungen errichten will. Scientology strebe nach Gewinnmaximierung und beute seine Mitglieder zu diesem Zweck aus.
Mitglieder
Scientology hat in Deutschland nach den Angaben des Verfassungsschutzes etwa 5500 Mitglieder. Die meisten von ihnen offenbar in Bayern (1700) und Baden-Württemberg (1000). In den Vereinigten Staaten schmückt sich Scientology gerne mit prominenten Anhängern. Einer der bekanntesten Scientologe ist der US-Schauspieler Tom Cruise (Staufenberg). Aber auch John Travolta, Lisa Marie Presley und Kirstie Alley gehören dem Vernehmen nach zu Scientology. (hei)
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