Bereits seit einigen Jahren steht Coca-Cola im Kreuzfeuer der Kritik auf kirchlichen Kreisen. Seit dem Jahr 2007 ruft der Bund der Katholischen Jugend (BDKJ) die in seinen Mitgliederverbänden organisierten 660.000 zu einem Boykott gegen die Produkte des Unternehmens auf. Jetzt empfiehlt auch die Evangelische Kirche im Rheinland ihren Ämtern, Einrichtungen und Gemeinden den Verzicht auf die Getränkepalette des Konzerns.
Menschenrechte und Umweltstandards
Der Grund für Boykott und Verzichtsempfehlung: Der Getränkehersteller ignoriert nach Ansicht des BDKJ Menschenrechtsverletzungen an Mitarbeitenden in Kolumbien und ist für Umweltzerstörung in Indien verantwortlich. „Wir rufen dazu auf, Produkte von multinational agierenden Unternehmen mit kritischem Blick auf deren Herstellungsbedingungen zu prüfen. Denn kein Mensch sollte leiden müssen, damit wir günstig und gut einkaufen können“, erklärt der BDKJ.
Anstrengungen unternehmen
Synode wie BDKJ fordern den Coca-Cola-Konzern auf, weltweit vermehrt Anstrengungen zu unternehmen, um den Schutz der Menschenrechte, soziale Standards und den Schutz der Umwelt zu gewährleisten. “. Noch immer würden Mitarbeitende in Kolumbien mit dem Tode bedroht, weil sie ihre Interessen in einer Gewerkschaft vertreten wollten, lautete der Vorwurf in einer Presseerklärung des BDKJ bereits im Oktober 2010. Weiterhin hätte das Unternehmen keine Verantwortung für die Absenkung des Grundwasserspiegels in Indien übernommen oder Betroffene dafür entschädigt.
Bedenken nicht ausgeräumt
Anders als der BDKJ konnte sich die Evangelische Landessynode allerdings nicht zu einem Boykottaufruf durchringen. Die Quellen, die von Menschenrechtsverletzungen, Missachtung sozialer Standards und Umweltschädigung durch den Konzern berichteten, seien nicht überprüfbar, hieß es zur Begründung. Allerdings hätten Tagungen und Gespräche mit Vertretern des Konzerns die Bedenken auch nicht ausräumen können.
Unternehmensrichtlinien
Coca-Cola betont in seinen Unternehmensrichtlinien die Verantwortung für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung. Im Umgang mit ihren Mitarbeitern verpflichtet sich das Unternehmen danach zu „einer Kultur der Fairness, Wertschätzung und des gegenseitigen Respekts, wir gewährleisten die Wahrung von Arbeitnehmerrechten und Gleichberechtigung. Weltweit gelten die gleichen Mindeststandards am Arbeitsplatz, und Coca-Cola betrachtet es als wichtige Aufgabe, Fähigkeiten und Talente von Mitarbeitern aktiv zu fördern.“ Auch der verantwortungsvolle Umgang mit Wasser wird in den Unternehmensrichtlinien festgeschrieben. Dort heißt es: „Wir arbeiten daran, den Wasserverbrauch in unseren Produktionsbetrieben stetig zu reduzieren. Zusammen mit dem WWF haben wir ein Programm zur Senkung unseres Wasserverbrauchs entwickelt.“
Regionale und faire Produkte
Das ändert nichts an der Einschätzung von BDKJ und Evangelischer Kirche im Rheinland. Die Synode jedenfalls empfiehlt jetzt öko-fair hergestellte und beschaffte Getränke möglichst regionaler Herkunft anzuschaffen und ihm Rahmen der Einrichtungen und Gemeinden auszugeben. (hei)