Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Mehr Kontrolle über die Finanzmärkte

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Dienstag, 22. Mai 2012 Julia, Rita, Renate
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Kirche und Mammon

Mehr Kontrolle über die Finanzmärkte

Der Vatikan tritt für eine stärkere politische Union Europas ein. Daneben soll den Fehlentwicklungen der Globalisierung mit einer Steuerungsbehörde begegnet werden.

Entfesselte Märkte, verzweifelte Broker. Ist mehr globale Kontrolle der Weg aus der Krise? (Foto: dpa).
Entfesselte Märkte, verzweifelte Broker. Ist mehr globale Kontrolle der Weg aus der Krise? (Foto: dpa).

„Bereits bestehende internationale Einrichtungen müssen modernisiert werden.“ Das verlangt Der Sekretär des Päpstlichen Friedensrates, Mario Toso. Sie bräuchten, so erklärte er gegenüber Radio Vatikan,  „mehr Teilhabe, mehr Legitimation, mehr Einbeziehung der Zivilgesellschaften, eine größere Repräsentativität“. Toso forderte, den internationalen Einrichtungen mehr Autorität zu verleihen, damit sie gleichzeitig demokratischer funktionierten.

Globale Kontrolle

„Eine globale Behörde für die Kontrolle der Finanzmärkte wird nationale Regierungen nicht erdrücken dürfen, auch wenn sie ein Recht zu Sanktionen braucht. Sie sollte sich als Dienstleistung der Mitgliedstaaten verstehen, um ihnen bei der Entwicklung ihrer Märkte zu helfen“, betont Toso. Der Vatikan dämonisiere die Geld- und Finanzmärkte durchaus nicht. Er verstehe sie vielmehr als öffentliches Gut.  „keineswegs dämonisiert“, so Toso, sondern vielmehr „als ein öffentliches Gut“ verstanden. Sie seien allerdings kein Gut und Ziel in sich. „Sie stehen im Dienst einer Realisierung des universellen Gemeinwohls der Menschheitsfamilie."

Anspruch und Wirklichkeit

An dieser Stelle ist allerdings sicher die Frage zu stellen, ob die Finanzmärkte heute diesem hohen Anspruch gerecht werden. In einer immer unüberschaubarer werdenden Welt der Spekulationen und Spekulanten ist ein ungetrübter Blick kaum noch möglich. Auch der Münchener Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, macht in einem Interview mit dem Münchener Kirchenradio auf die  Rolle der Finanzmärkte aufmerksam. „Wir haben eine Entwicklung zu einem radikaleren Kapitalismus“, beklagt Marx. Er könne allerdings nur davor warnen, jetzt in Schwarzweiß-Denken zu verfallen und zu sagen ‚Die Banken’ und ‚Die Politiker’ trügen Schuld. „Es war insgesamt seit den 90er Jahren eine Wende hin zu – wie wir es nennen – neoliberalem Denken und einer stärkeren Orientierung an den Kapitalmärkten. Und ich halte das für einen Irrweg.“

Internationale Legitimierung

Vatikanmann Toso hat auch durchaus skeptische Anfragen an die G-20-Staaten. „Der G-20 ist nur ein informelles, begrenztes Forum – übrigens seit der Erweiterung auch nicht mehr so effektiv. Ihm fehlt die Legitimierung und das politische Mandat durch die Internationale Gemeinschaft, ja er riskiert sogar de facto, bestehenden Institutionen ihre Legitimität abzusprechen oder sich an ihre Stelle zu setzen.“  Das gelte etwa für Weltwährungsfonds und Weltbank. Für Europas Krise empfiehlt Toso, der Europäischen Zentralbank „entsprechende politische Einrichtungen an die Seite zu stellen“.

Effektive Stellschrauben

Kardinal Marx möchte eher marktregulierende Stellschrauben angebracht sehen: „Es braucht eine Umorientierung auch in den Rahmenbedingungen der Wirtschaft und der Finanzmärkte. Inklusive einer Finanztransaktionssteuer, was auch schon seit vielen Jahren diskutiert wird." Ein Weiteres sei Trennung von Investmentbanking und anderen Geschäftsbanken. "Auch das sind Dinge, die schon länger diskutiert werden, und zwar nicht von linker Seite, sondern von den Banken selbst.“




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