Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Papstreden: Kein Fastfood-Erlebnis

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Dienstag, 22. Mai 2012 Julia, Rita, Renate
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Benedikt XVI.: Unser Standpunkt

Der Papst spricht im Bundestag:

Flash ist Pflicht!

Die Rede von Papst Benedikt XVI. vor dem Deutschen Bundestag noch einmal zum Genießen.

Papstreden: Kein Fastfood-Erlebnis

Benedikt XVI. ist kein Freund von intellektuellem Fastfood. Er fordert seine Zuhörer geistig heraus. Ein Papst mit Tiefgang.

Begeisterung trotz schwerer theologischer Kost. (Foto: dpa)
Begeisterung trotz schwerer theologischer Kost. (Foto: dpa)

Da musste man schon zweimal hinhören und am Besten noch einmal nachlesen, was der Papst im Deutschen Bundestag sagte. Es waren keine platten politischen Botschaften, keine Appelle in konkreten Fällen in bestimmter Weise zu handeln. Benedikt XVI. zeigte einmal mehr, dass die menschliche Vernunft für ihn im Vordergrund steht.

Deshalb zählt der Einzelfallratschlag für ihn viel weniger, als die tiefe Durchleuchtung. Woher kommt das Recht?, fragte er und leitete es kulturgeschichtlich und rechtsphilosophisch her. Damit unterstrich er die Bedeutung Europas und unserer abendländischen Kultur für die Errungenschaften, die wir Freiheit und Gerechtigkeit nennen. So mahnt Benedikt die Politiker zur Verantwortung für das gemeinsame Europa und ermutigt zu einem Festhalten an der großen europäischen Idee. Das ist viel mehr als ein plattes Lippenbekenntnis oder der Spruch eines Wirtschaftsweisen.

Auch den Politikstil nahm Benedikt XVI. aufs Korn. In seiner filigranen Art, mit leiser Stimme, vom Alter und der Bürde seines Amtes gezeichnet, aber dennoch auf der Höhe der Zeit. Auch hier bedient er sich nicht der platten Floskel vom Politiker, der zuhören muss. Er holt aus, führt uns bis in die Tiefen des Alten Testaments und stellt und Salomon vor. Der wünschte sich von Gott keine vergänglichen Schätze wie Erfolg oder den Sieg über seine Feinde. Er wünschte sich mit dem Herzen zu hören. Das ist die Gabe die Benedikt XVI. den Politikern ans Herz legte: Hört auch ihr mit dem Herzen, seid nahe bei den Menschen und nehmt Verantwortung für sie wahr.

Der Mensch mache sich nicht selbst, er habe eine Natur, die er nicht manipulieren dürfe. Das war eine Ohrfeige für alle die, die in den letzten Jahren den Lebensschutz nicht ernst genommen Manipulation am menschlichen Leben zugelassen haben. Gesprochen mit feinem Florett, aber ein gewaltiger Hieb, gerade auch für die, die das „C“ politisch vor sich hertragen.

Weiter ging es im Olympiastadion. Auch hier ließ sich der Papst nicht auf kleinteilige Diskussionen zu sicher bedeutenden Fragen der Kirche ein. Im ging es um den Zusammenhalt des „schönsten Geschenks Gottes an uns Menschen, die Kirche“. Benedikt XVI. erstarrt nicht im Blick auf das Schlechte und schlimme, was auch in seiner Kirche passiert. Er nennt es deutlich beim Namen und macht klar, dass er auch die Frustration dererr verstehen kann, die sich abwenden. „Wenn dann auch noch die leidvolle Erfahrung dazukommt, dass es in der Kirche gute und schlechte Fische, Weizen und Unkraut gibt, und der Blick auf das Negative fixiert bleibt, dann erschließt sich das große und schöne Mysterium der Kirche nicht mehr.“

Dieses große Mysterium in seiner ganzen Schönheit will er aber den Menschen zeigen. Und macht dabei deutlich, dass Gott ohne Kirche nicht passt. „Die Kirche als Verkünderin des Wortes Gottes und Spenderin der Sakramente verbindet uns mit Christus.“ Jeder Einzelne sei vor die Entscheidung gestellt, mit der Kirche und damit mit Christus verbunden zu bleiben. Ein deutliches Wort: Die Einheit mit Christus funktioniert nur in der Kirche Jesu Christi.

Der Auferstandene habe die Kirche als „einen Ort des Lichtes, der Hoffnung und Zuversicht, der Ruhe und Geborgenheit“ den Menschen geschenkt. Benedikt XVI berief sich auf das Zweite Vatikanische Konzil, wonach die Kirche das „universale Heilssakrament“ ist. Benedikt XVI. will auch hier die Menschen tiefer führen als das mit dem Blick von außen auf die Kirche und ihre Wahrnehmung als Struktur möglich ist. Aus diesem Verständnis heraus betrachtet er Glaube und Kirche. Interessant wird es sein, wie er diese Perspektive heute bei der Begegnung mit den evangelischen Brüdern und Schwestern in Christo ausleuchten wird. Dann treffen nämlich nach dem Kirchenverständnis die Mittlerin des Heils und die evangelische Versammlung der Gläubigen aufeinander.

Auch heute dürfen wir keine ökumenischen Appetithäppchen erwarten. Benedikt XVI. wird aber sicher erneut auf seine eigene, tiefgründige Art Klartext sprechen. (hei)




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