Beinahe 500 Jahre ist es her, da schuf Raffael Santi in seiner Werkstatt die „Sixtinische Madonna“ und die „Madonna di Foligno“. In der Ausstellung „Himmlischer Glanz“ sind diese außergewöhnlichen Werke der Sakralkunst ab heute bis zum 8. Januar 2012 in der Gemäldegalerie Alte Meister, Semperbau am Zwinger in Dresden zu sehen.
Raffael
Geboren wurde der später fast nur unter seinem Vornamen bekannte Raffael Santi im März 1483 im italienischen Urbino. Der Malerfürst der Hochrenaissance starb am 6. April 1520 in Rom. Alt wurde er nicht, gerade einmal 37 Jahre, aber in dieser Zeit schuf er Werke, die ihm noch fünf Jahrhunderte später als einen der bedeutendsten Künstler seiner Zeit ausweisen.
Rom und Florenz
Rom und Florenz waren die Orte, an denen Raffael wirkte. Neben seiner Tätigkeit als Maler war er auch Bauleiter des Petersdoms und Aufseher über die römischen Antiken. Seine harmonischen und ausgewogenen Kompositionen und lieblichen Madonnenbilder prägten sein Schaffen und fügen sich zu diesem typischen Raffaelerlebnis, das der Betrachter seiner Kunst gewinnen kann.
Geschwisterbilder
Als Geschwisterbilder bezeichnen Kunsthistoriker die beiden Werke, die man jetzt in Dresden zu sehen bekommt. Möglicherweise standen beide damals gleichzeitig in Raffaels Atellier. Die mehr als drei Meter hohe Altartafel der „Madonna di Foligno“ malte der Künstler im Jahre 1512. Im gleichen Jahr erhielt er von Papst Julius II. den Auftrag zur „Sixtinischen Madonna“. Beide Bilder zählen zu den Hauptwerken des Italieners.
Engelchen
Eine eigene Berühmtheit haben die beiden Engelchen aus dem Bild der Sixtinischen Madonna erlangt. Sie wurden vor etwa 200 Jahren vom Bildrand des Werkes abgekoppelt und verselbstständigten sich. In der Folge landeten sie auf allem, was man als möglich oder unmöglich betrachten kann. Als Kunst oder Kitsch. Porzellanmaler bannten sie auf Tassen, sie wurden zu Dekoelementen auf Stickbildern. Bettwäsche und Regenschirme wurden mit ihnen bedruckt. Ihre Gipsköpfe findet man in den meisten Mitbringselgeschäften. Das Bild, aus dem sie einst entsprungen sind, begegnet einem weniger.
August III.
Die Sixtinische Madonna fristete ein beschauliches Dasein in dem oberitalienischen Städtchen Piacenca. Erst nach 200 Jahren wurden Kunstagenten von August III. auf das Werk aufmerksam. Damals wollte jeder, der es sich leisten konnte, einen eigenen Raffael haben. Die Kirche Piacenca war arm und der Sohn von August dem Starken konnte es sich leisten, 25 000 Scudi romani legten seine Aufkäufer auf den Tisch und so fand das Bild seinen Weg nach Dresden. 1956 kam das Bild, dass im kommenden Jahr 500 Jahre alt wird, aus der Sowjetunion, wohin es nach den Krieg im Jahre 1945 verbracht wurde, nach Dresden zurück.
Napoleon
Auf die Madonna di Foligno soll sogar mal Napoleon ein Auge geworfen haben. Sie befindet sich aber gut gesichert in der vatikanischen Pinakothek. Trotz eines Anschlages, der 1988 auf das Bild verübt, bei dem aber nur der Rahmen beschädigt wurde, hat sich der Vatikan zur Ausleihe entschlossen. Normalerweise gibt der Vatikan solche Spitzenobjekte seiner Museen nicht in den Verleih.
Raffales Grab
Raffael Santi wurde, seinem eigenen Wunsch entsprechend im römischen Pantheon in einem antiken Sarkophag bestattet. Über seinem Grab steht eine Marmorstatue der heiligen Jungfrau. Lorenzetto schuf Kunstwerk, das vom Volk unter dem Namen Madonna del Sasso als wundertätig verehrt wird.
Weitere Künstler
Nicht nur die Bilder Raffaels prägen die Ausstellung in Dresden. Weitere hochkarätige Madonnen-Darstellungen sind dort ebenfalls zu bewundern. Dazu gehören Werke von Albrecht Dürer, Lucas Cranach dem Älteren, Correggio und Matthias Grünewald.