Schön muss er sein, glänzende Nadeln muss er haben, ein unbeschreiblicher Duft muss von ihm ausgehen und vor allem gerade muss er sein. Die Rede ist vom liebsten Dekorationsstück der Deutschen, ohne den das Weihnachtsfest nur eine leere Hülle wäre. Und so ist es für den echten Weihnachtsenthusiasten auch unvorstellbar sich am Heiligen Abend vor einen dieser unsagbar hässlichen Plastikbäume zu stellen. Und dann singen wir vor diesem Plastikteil: O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie treu sind deine Blätter. Du grünst nicht nur zur Sommerzeit ….
Lange Tradition
Warum schmücken wir unsere Häuser eigentlich überhaupt mit einem Tannenbaum? Hier hilft, wie immer, ein Blick in die Geschichte. Einen christlichen Ursprung hat diese Tradition sicherlich nicht. Bereits die alten Römer, aber auch andere Kulturen, schmückten in der Winterzeit oder zum Jahreswechsel ihre Häuser mit Lorbeer- oder Tannenzweigen. So wollte man sich die Hoffnung auf den Frühling bewahren oder den Wintergeistern das Eindringen in die Häuser erschweren. Am nächsten dran an unserer Tradition war der Mithras-Kult. Seine Anhänger schmückten zur Wintersonnenwende einen Baum zu Ehren ihres Sonnengottes.
Bäume als Schmuck
Zumindest seit dem Mittelalter gibt es in unserer Gegend den Brauch, Bäume zu unterschiedlichen Anlässen zu schmücken. Wir denken an den Maibaum oder den Richtbaum beim Häuserbau. Der erste Weihnachtsbaum soll, wie kann es anders sein, ein Werbebaum gewesen sein. Nach unbelegten Gerüchten soll zu Anfang des 15. Jahrhunderts die Bäckerschaft in Freiburg einen solchen Baum aufgestellt haben. Behängt war er mit Naschwerk, Früchten und Nüssen. Am Neujahrstag durften die Kinder der Stadt den Baum plündern.
Aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist belegt, dass sich eine Tradition zur Aufstellung immergrüner Bäume in der Weihnachtszeit, ausgehend von den Häusern der Reichen, etablierte. Offenbar so sehr, dass er 1646 in Straßburg bereits Anlass bot, im dortigen Münster gegen ihn zu predigen: „Unter anderen Lappalien, damit man die alte Weihnachtszeit oft mehr als mit Gottes Wort begehet, ist auch der Weihnachts- oder Tannenbaum, den man zu Hause aufrichtet, denselben mit Puppen und Zucker behängt, und ihn hernach abschüttelt und abblühen (abräumen) lässt. Wo die Gewohnheit herkommt, weiß ich nicht.“ Es gab also die Furcht, dass der Weihnachtsbaum zu sehr von der göttlichen Botschaft des Festes ablenken würde.
Der Weihnachtsbaum in der Literatur
Kein geringerer als Johann Wolfgang von Goethe führte den Weihnachtsbaum in die Literatur ein. In seinem Werk „Die Leiden des jungen Werther“ beschreibt er im Jahre 1774 eine Weihnachtsbaumszene. Die Bäume blieben zunächst ein Privileg der Reichen und das Volk begnügte sich oft mit grünen Zweigen. Erst, als in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Anpflanzung von Tannen und Fichten zunahm, wurde der Baum zu einem erschwinglicheren Objekt der Volksbegierde. Die Kirche ließ zunächst weiter Skepsis gegenüber diesem heidnischen Brauch deutlich werden. Als der Christbaum zunächst in evangelischen Kreisen verstärkt Eingang in das Ritual des Weihnachtsfestes fand, trat er seinen Siegeszug in die katholischen Regionen Deutschlands und anschließend in die ganze Welt an.
Der Tannenbaum und der Fußball
Übrigens: Das Lied wird nicht nur zu Weihnachten gesungen. Die eingängige Melodie hat in den verschiedensten Bereichen Freunde gefunden. So ist die Melodie sei t 1939 die offizielle Hymne des amerikanischen Bundesstaates Maryland, „Maryland, my Maryland“. Die Fans des britischen Fußballclubs FC Chelsea singen in ihrem Londoner Vorort den Fangesang „We’ll keep the blue flag flying high“ ebenfalls auf die Tannenbaummelodie.
Das Lied zum Baum
Der Weihnachtsbaum gehört dazu, und wenn man sich jetzt fragt, wie ging die erste Strophe der Tannenbaumhymne noch einmal weiter, dann lösen wir hier gerne auf:
O Tannenbaum, O Tannenbaum,
Wie treu sind deine Blätter.
Du grünst nicht nur zur Sommerzeit,
Nein auch im Winter wenn es schneit.
O Tannenbaum, O Tannenbaum,
Wie grün sind deine Blätter!