Kommt man in ein fremdes Land, bemüht man sich bereits als Tourist, sich zumindest verständlich machen zu können. Will man aber dauerhaft in einem anderen Land leben, so ist die Sprache ein unverzichtbares verbindendes Element. Ohne die neue Sprache zu kennen, hat man in einem anderen Land eigentlich keine Chance. Ohne ein Wort Englisch wird es schwer in den Vereinigten Staaten. In Frankreich kommt man weder mit Deutsch noch mit Englisch besonders weit. Will man also nicht auf Zeichensprache angewiesen sein, sollte man die Sprache des Landes, in das man dauerhaft oder für längere Zeit ziehen will lernen.
Eigenes Interesse
Das ist zunächst auch im eigenen Interesse, denn eigentlich will man doch seine Nachbarn kennen lernen, mit den Lehrern seiner Kinder reden und im Supermarkt nicht mit dem Finger auf die Waren zeigen müssen. Auch weiß man, dass ein berufliches Fortkommen in einem fremden Land nur möglich sein wird, wenn man sich mit seinen Arbeitskollegen und seinen Chefs verständigen kann.
Wenn Erdogan bei verpflichtenden Deutschkursen vorm Umzug in unser Land die Verletzung von Menschenrechten rügt, irrt er. Die Fähigkeit zur Kommunikation ist ein menschliches Grundbedürfnis. Ohne diese Fähigkeit ist man ausgeschlossen, nicht in der Mitte der Gesellschaft. Menschen in dem Glauben zu lassen, sie bräuchten keine Sprache zur Integration, Entwertet das Menschenrecht auf Kommunikation. Und es fördert die Ghettobildung. Natürlich brauche ich kein Deutsch, wenn in meinem Stadtteil alles türkisch spricht. Nur werde ich dann nie in Deutschland wirklich ankommen.
Bärendienst
Erdogan erweist seinen Landsleuten einen Bärendienst, wenn er sagt: „Türken in Deutschland sollten ihren Kindern zuerst Türkisch und dann Deutsch beibringen“. Selbstverständlich sollen die Kinder Türkischer Einwohner die Sprache ihres Herkunftslandes lernen, aber ohne gute Kenntnisse der Sprache des neuen Landes werden sie hier von Vielem abgeschnitten sein. Eine zweisprachige Erziehung, ohne der einen Sprache einen Vorrang einzuräumen funktioniert bei den Kiondern anderer Einwanderer doch auch.
Integration, nicht Assimilation
Niemand verlangt von den Menschen, die zu uns kommen, die uneingeschränkte Assimilation. Was wir erwarten dürfen ist Integration und dazu gehört zuallererst das Beherrschen der deutschen Sprache. Menschen zu veranlassen, unsere Sprache bereits zu erlernen, bevor sie dauerhaft in unser Land ziehen ist daher kein menschenverachtender Zwang sondern Hilfe zur Integration. Das sollte auch Herr Erdogan begreifen. (hei)