Der Tahrir-Platz in Ägyptens Hauptstadt Kairo schien im politschen Frühling zu einem Symbol von Freiheit im Kampf gegen Unterdrückung zu werden. Seit Sonntag ist die zarte demokratische Pflanze in Agypten wieder mit Blut befleckt. Mit dem Blut koptischer Christen. Sie haben von ihrem Menschenrecht auf Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht, als sie am gegen die Brandstiftung an einem ihrer Gotteshäuser in der südägyptischen Provinz Assiut demonstrierten. Die folgenden Ausschreitungen zwischen ägyptischen Sicherheitskräften und koptischen Christen kosteten 26 Menschen das Leben. Mehr als 200 wurden verletzt.
Tiefer politischer Riss
Ein tiefer Riss geht durch die ägyptische Gesellschaft. Er ist festzumachen an den Kämpfen der unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften. Am Sonntag lieferten sich Kopten und Muslime mit den Sicherheitskräften des Staates Straßenschlachten. Einer der schlimmsten Anschläge war der Terrorakt gegen eine koptische Kirche in Alexandria. Er brachte in der Silvesternacht 2010/2011 21 Toten und bis zu 100 Verletzten.
Ums Zusammenleben beten
„Man kann nur hoffen und beten, dass sich in Ägypten eine Gesellschaft entwickelt, in der alle verschiedenen Rassen, Religionen und Denkanschauungen friedlich miteinander leben können“, sagt der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick in einem Interview mit dem Kölner domradio. Schick ist der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz.
Wer sind die Kopten?
Bis dahin ist es ein weiter Weg. Wer sind eigentlich diese koptischen Christen? Liborius.de erklärt, wie es zu ihrer Abspaltung von der katholischen Kirche kam. Etwa 20 Millionen koptische Christen gibt es weltweit. Rund die Hälfte von ihnen lebt in Ägypten. Als Gründer gilt der koptischen Glaubensrichtung gilt der Evangelist Markus. Er war im ersten Jahrhundert nach Christus Bischof in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria.
Konzil von Caldecon
Die Kopten trennten sich nach dem Konzil von Calcedon von der römisch-katholischen Kirche. Das Konzil fand vom 8. Oktober bis zum 1. November 451 in der Euphemia-Kirche in Calcedon statt. Der Ort entspricht dem heutigen Stadtteil von Istanbul Kadıköy. Es war das vierte der ersten sieben Ökumenischen Konzile. Bis zu dem Treffen in Caldecon stritt man sich um die Frage der Natur Jesu. Das Konzil definierte Christus als wahren Gott (Gott der Sohn als zweite Person der Dreifaltigkeit) und wahren Menschen zugleich. Diese göttliche Natur ist „unvermischt und ungetrennt“. Die koptische Auslegung geht von einer rein göttlichen Natur Jesu aus.
Zu einer Annäherung kam es in Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils. 1973 legten die Katholische und die Koptische Kirche schriftlich fest, dass beide Kirchen –trotz unterschiedlicher Formulierungen – den gleichen Glauben bekennen.
In Deutschland leben derzeit etwa 6.000 koptische Christen. Ihr Oberhaupt ist seit 1971 Papst Schenuda III. Dessen offizielle Amtsbezeichnung lautet "Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhles des Heiligen Markus".