Eine Kirche, mitten in der Welt. Eine Kirche, die ganz nah bei den Menschen ist. Das ist zumindest das, was in Deutschland bislang versucht wird, auch wenn es nicht immer gelingt. Durch die Mitwirkung von Laien, also von Menschen aus der Welt, wird die Kirche näher in den Mittelpunkt der Gesellschaft gerückt. Der Klerus wird nicht mehr als übermächtig und überbordend empfunden. Will Benedikt XVI. das ändern? Will er die Kirche aus der Welt in die Mauern der Kirchen und Klöster zurückführen? Das ist eine Sorge, die viele Menschen nach der Freiburger Rede des Papstes umtreibt.
Was soll geschen?
Helmut Kriege, Kommentator beim Deutschlandfunk, bringt die Sorge auf den Punkt: „Mit Blick auf das Kirchenverständnis des Papstes könnte mit Entweltlichung möglicherweise aber auch etwas gänzlich anderes gemeint sein: nämlich die konsequente Rückkehr zu einer Kirche, in der verstärkt wieder die Kleriker eine alles bestimmende Rolle spielen sollen.“ Ist das wirklich so gemeint?
Die Menschen erreichen
Im Kern geht es dem Papst offenbar darum, und das übrigens in nahezu all seinen Reden, wie die von Kirche heute die Menschen noch erreichen kann. In einer immer säkularer werdenden Gesellschaft ist die Verkündung der Botschaft des Glaubens immer schwieriger. Deshalb fragt Benedikt XVI.: „Muss die Kirche sich nicht ändern? Muss sie sich nicht in ihren Ämtern und Strukturen der Gegenwart anpassen, um die suchenden und zweifelnden Menschen von heute zu erreichen?“ Und der Papst führt die Fragen nach Veränderung in der Kirche auf den Kern zurück: „Was die Kirche betrifft, ist das grundlegende Motiv der Änderung aber die apostolische Sendung der Jünger und der Kirche selbst.“ Die eigentlich einfache Botschaft sei „Verkündet das Evangelium allen Geschöpfen“. So sei es im Markusevangelium beschrieben.
Verdunkelung durch Sachzwänge
Danach stellt Benedikt XVI. fest, dass durch die Ansprüche und Sachzwänge der Welt das apostolische Zeugnis immer wieder verdunkelt werde und die Botschaft, die dahinterstehe, relativiert. Der Sinn der Kirche im Verständnis des Papstes ist es, „Werkzeug der Erlösung zu sein, die Welt mit dem Wort Gottes zu durchdringen und die Welt in die Einheit der Liebe mit Gott zu verwandeln“. Dazu müsse sie sich fortwährend in den Dienst der Sendung stellen, die sie vom Herrn empfangen hat.
Den Sorgen der Welt öffnen
Das soll sie aber offenbar nicht im Verborgenen tun, wie viele Zuhörer nach der Rede des Papstres befürchten. „Die Kirche muss sich immer wieder neu den Sorgen der Welt öffnen und sich ihnen ausliefern.“ Die Sorgen der Welt sind es also, die die Kirche in den Blick nehmen soll. Um sich dieser Sorgen anzunehmen, dürfe die Kirche sich allerdings nicht selbstgenügsam in dieser Welt einrichten und sich den Maßstäben der Welt angleichen. Im Sprachgebrauch eines Wirtschaftsunternehmens würde das heißen „Wir müssen nach vorne denken und uns auf das Kerngeschäft unseres Unternehmens konzentrieren“. Dieses Kerngeschäft ist für Benedikt XVI. eindeutig die Verkündigung des Glaubens. Und das unverstellt durch wirtschaftliche Zwänge und politische Abhängigkeiten.
Entweltlichung durch Säkularisierung
Den verschiedenen Epochen der Säkularisierung schreibt der Papst eine oftmals heilsame Wirkung auf die Kirche zu. Sie hätten zu ihrer Läuterung und inneren Reform wesentlich beigetragen. Die Enteignung von Kirchengütern oder die Streichung von Privilegien hätten jeweils eine tiefgreifende Entweltlichung der Kirche beutet. Sie habe sich ihres weltlichen Reichtums entblößt und wieder ganz ihre weltliche Armut angenommen. „Das missionarische Zeugnis der entweltlichten Kirche tritt klarer zutage. Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein.“
Taktik ablegen
Benedikt XVI. will jede Taktik in der Kirche ablegen um sie für die Welt zu öffnen. „Aber eben nicht, um die Menschen für eine Institution mit eigenen Machtansprüchen zu gewinnen, sondern um sie zu sich selbst zu führen, indem sie zu dem führt, von dem jeder Mensch mit Augustinus sagen kann: Er ist mir innerlicher als ich mir selbst.“
Der Papst will die Kirche nicht aus der Welt zurückziehen, aber sie vom Weltlichen entlastet sich ihrem eigentlichen Auftrag zuwenden lassen. Verkündet den Menschen das Evangelium und zeigt ihnen unverstellt die Liebe Gottes. (hei)
Was bedeutet das für die Kirche? Wird sie sich von Kunstschätzen trennen, wird sie sich aus Aufgaben wie Schulen, Kindergärten etc. zurückziehen? Was glauben Sie, wie kann eine Entweltlichung der Kirche geschehen? Diskutieren Sie mir uns!