Die Enzyklika „sollicitudo rei socialis“ ist ein wichtiger Meilenstein unter den Sozialenzykliken. Schon ihr deutscher Titel „Besorgnis über gesellschaftliche Angelegenheiten“ zeigt, dass Johannes Paul II. nicht nur Fakten benennt sondern zeigt, dass ihn die Entwicklung der globalen Wirtschaft und Gesellschaft mit Sorge erfüllt. 20 Jahre nach der Enzyklika Papst Pauls VI., die unter dem Namen „populorum progressio“ die Entwicklung der Völker in den Blick nahm, schreibt der Papst aus Polen die Katholische Soziallehre fort. Dabei nimmt er die zunehmenden Probleme im Nord-Süd-Konflikt verstärkt in den Blick.
Weltweite soziale Frage
Die weltweiten Ausmaße der sozialen Frage hatten bereits Paul VI. umgetrieben und so wollte auch Johannes Paul II. das Erfordernis der solidarischen Entwicklung der Menschen und Völker stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Der Aufbau gerechter Gesellschaften war im gesamten Pontifikat Johannes Pauls II. ein wesentliches Element, mit dem er sich immer wieder auch in seinen Predigten und Verkündigungen auseinandersetzte. Auf den vielen Reisen in die unterschiedlichsten Länder, die er unternahm, wurden ihm die wirtschaftlichen und sozialen Gefälle immer wieder vor Augen geführt. So entwickelte und schärfte er seinen Blick für die Menschen in Not und Elend.
Verantwortung der reichen Nationen
Johannes Paul II. beließ es aber nicht bei der Wahrnehmung sondern predigte und schrieb immer wieder gegen die wachsende Schere zwischen Reichtum und Armut an. Er beklagte, dass Menschen unter unwürdigen Verhältnissen leben und arbeiten müssen und dass der Lohn trotz vieler Arbeit oft nicht ausreicht um eine Familie zu ernähren. In seiner Enzyklika nahm der Papst gerade die reichen Nationen in die Verantwortung. Er forderte sie zu Hilfsleistungen auf und setzte sich für strukturelle Reformen in den Entwicklungsländern ein.
Versklavung durch Entwicklung
Wirtschaftliche Entwicklung vermöge den Menschen nicht immer nachhaltig zu befreien, stellte der Papst fest. Vielfach versklave sie den Menschen noch mehr als zuvor. Die damals noch festgezurrten ideologischen Grabenkämpfe zwischen dem „liberalistischen Kapitalismus“ und dem „marxistischen Kollektivismus“ machte Johannes Paul II. als einer der Haupthindernisse einer gerechten globalen Entwicklung aus. Das „Recht auf wirtschaftliche Initiative“ dürfe nicht unterdrückt werden. In seiner Enzyklika entwickelte der Papst das Leitbild einer „solidarischen Gesellschaft“. Schon dem damaligen Papst war klar, dass wissenschaftliche und technische Errungenschaften dem Menschen nur dann nützen, wen sie von einer sittlichen Grundeinstellung getragen würden.