Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Wir brauchen öffentllches Bekenntnis

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Dienstag, 22. Mai 2012 Julia, Rita, Renate
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Glaube und Bekenntnis

Wir brauchen öffentliches Bekenntnis

Andere vom Glauben durch das eigene Zeugnis überzeugen, die Grenzen der Freiheit verantwortungsvoll achten und nicht immer nach dem eigenen Nutzen fragen. Das sind Wertgrundlagen für 2012.

Bischöfe, die das klare Wort lieben: Zollitsch und Marx (Foto: dpa, Montage: liborius.de).
Bischöfe, die das klare Wort lieben: Zollitsch und Marx (Foto: dpa, Montage: liborius.de).

Zum Jahreswechsel hat der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch die Katholiken in Deutschland zu einem sichtbaren Glaubensbekenntnis in der Öffentlichkeit ermutigt. „Das Ansehen der Kirche hängt von der Überzeugungskraft jedes einzelnen Christen ab, von Menschen, die mit demütigem Selbstbewusstsein ihren Glauben bekennen, die sich für andere stark machen und sich für die Schwachen einsetzen, die tapfer zu ihren Gewissensüberzeugungen stehen, auch dann wenn sie dafür nicht öffentlich gelobt werden.“ Die Frage wird in der Zukunft allerdings sein, inwieweit die Kirche solche Menschen findet. Darauf wies der Münchener Kardinal Reinhard Marx hin. „Wir können nur dann ein zukunftsfähiges Gemeinwesen bleiben, wenn Menschen da sind, die in Freiheit verantwortlich handeln können und dazu einen breiten Raum des Wissens, der Moral, des Nachdenkens und der religiösen Fundierung mitbringen.“

Verantwortung übernehmen

Zollitsch fordert von den Menschen die Übernahme von Verantwortung in der Gesellschaft und für die Schöpfung ernst nehmen: „Der Glaube an Gott macht dankbar für das Geschenk der Schöpfung, er macht sensibel für einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit der Natur.“ Verantwortung bedeutet aber auch, dass die Menschen mit der ihnen gegebenen Freiheit so umgehen, dass andere keinen Schaden nehmen. Als Beispiel für den Missbrauch von Freiheit nannte der Kardinal die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik. „Hier ist die Grenze einer verantwortlichen Freiheit überschritten. Freiheit ohne Respekt vor dem Leben kann nicht zu dem Ziel führen, das uns von Gott gesteckt ist.“ Die wahren Feinde der Freiheit seien der „Relativismus, der keine Werte und keine Überzeugungen kennt, der nur nach Nützlichkeit fragt“, sowie der Fatalismus, der Populismus und der Ökonomismus.

Hinwendung zu den Menschen

Erzbischof Zollitsch fordert weiter eine bewusste Hinwendung zu den Menschen, die der Hilfe anderer bedürfen. Eine Gesellschaft, die Gott in ihrer Mitte wisse, habe auch in größten Sorgen und Herausforderungen nie einen Grund zur Trostlosigkeit. Zollitsch verurteilte die Gewalt gegen Christen in Nigeria und im Irak und forderte zur Unterstützung für die Menschen in den Hungergebieten Ostafrikas auf. In der Wirtschaftspolitik benötigten die Verantwortlichen realistische Lösungen, keine einbalsamierende Rhetorik für die Wähler. „Dazu braucht es ethische Leitplanken“, machte Zollitsch deutlich. Kardinal Marx warnte, wie bereits Papst Benedikt XVI., von einer Gesellschaft ohne „gemeinsame Verantwortung, ohne gemeinsame Grundwerte, ohne gemeinsame Überzeugungen“, die sich einfach anpasse an das, was gerade ökonomisch nutzbringend sei und was der Mehrheitsmeinung entspreche.




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