Zwischen Hölle und Himmel fühlt man sich, wenn man in einer Enzyklopädie nach dem 9. November googelt. Für die Deutschen ist dieser 9. November mit fürchterlichem, erstickendem Grauen ebenso verknüpft, wie mit der Freude über Freiheit und Luft zum Atmen.
9. November 1918
Doch werfen wir einen chronologischen Blick auf diesen Tag, der für Deutschland erst im 20. Jahrhundert zum Schicksalstag wird. Wir schreiben das Jahr 1918. Der damalige Reichskanzler Maximilian von Baden verkündete die Abdankung von Kaiser Wilhelm II.. Er betraute den Sozialdemokaten Friedrich Ebert mit den Amtsgeschäften. Ebert wollte es einer Nationalversammlung überlassen, welche Staatsform, Deutschland künftig haben solle. Er wurde von seinem Parteigenossen Philipp Scheidemann allerdings vor vollendete Tatsachen gestellt, als dieser von einem Fenster im Westflügel Reichstages die „deutsche Republik“ ausrief: „Seid euch der geschichtlichen Bedeutung dieses Tages bewusst. Unerhörtes ist geschehen! Große und unübersehbare Arbeit steht uns bevor. Alles für das Volk, alles durch das Volk! Nichts darf geschehen, was der Arbeiterbewegung zur Unehre gereicht. Seid einig, treu und pflichtbewusst. Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen! Es lebe das Neue; es lebe die deutsche Republik!“ Nur zwei Stunden später gibt bes in Deutschland eine weitere Republik. Sie ruft der Spartakist Karl Liebknecht vorm Berliner Stadtschloss aus: die „Freie Sozialistische Republik Deutschland“. Liebknechts Ziel ist die internationale Revolution. Im Januar 1919 erfolgt der Spartakusaufstand, mit dem die Übergangsregierung unter Friedrich Ebert abgesetzt werden sollte. Blutige Straßenkämpfe und Massenexekutionen waren die Folge.
9. November 1923
Am Vortag begann Adolf Hitler mit seinem ersten Staatsstreich. Im Münchener Bürgerbräukeller wurde eine Kundgebung abgehalten, die nur ein Ziel hatte, den Aufstand gegen die Reichsregierung. Nach dem Vorbild der italienischen Faschisten bei ihrem Marsch auf Rom, wollten Hitler und seine Spießgesellen einen Marsch auf Berlin organisieren. Sie verkündeten eine so genannte „Proklamation an das deutsche Volk“: „Die Regierung der Novemberverbrecher in Berlin ist heute für abgesetzt erklärt worden. Eine provisorische deutsche Nationalregierung ist gebildet worden, diese besteht aus General Ludendorff, Adolf Hitler, General von Lossow, Oberst von Seißer.“ Am 9. November setzten sich die selbsternannten Putschisten zunächst auf die Münchener Feldherrnhalle in Bewegung. Dort wurde der Putsch niedergeschlagen. Hitler wurde später wegen Hochverrats zur Festungshaft in Landsberg am Lech verurteilt. Hier bereitete er den nächsten Horror vor. Hitler schrieb Teile seines Buches „Mein Kampf“. Die NSDAP wurde verboten. Bereits nach 9 Monaten wurde Hitler wegen guter Führung entlassen. Deutschland hatte offenbar aus diesem Putschversuch nichts gelernt und unterschätzte „den kleinen Gefreiten aus Braunau am Inn“, der Jahre später zum schrecklichsten Tyrannen und Verbrecher werden sollte, der je in Deutschland an der Macht war. An diesem 9. November 1938 blickte Deutschland in die Hölle.
9. November 1938
Einer der fürchterlichsten Tage in der deutschen Geschichte. An diesem Tag nahm das Verhängnis seinen Lauf Deutschland zeigte seine fürchterliche Fratze des Antisemitismus und des Faschismus. Das Deutschland, das es bis dahin gab, hörte auf zu existieren. Sicherlich war mit der Machtübernahme durch die Nazis Deutschland bereits im Jahre 1933 verändert. Die deutsche Republik, die in Weimar versucht hatte zu wachsen, gab es nicht mehr. Adolf Hitler begann sein fürchterliches, menschenvernichtendes Werk und er startete 1938 seinen Frontalangriff gegen die Juden. Bei der so genannten Reichspogromnacht kam es in ganz Deutschland zu organisierten Übergriffen gegen Juden und jüdische Einrichtungen. Synogogen wurden in Brand gesetzt, die Fensterscheiben jüdischer Geschäfte zu zerschlagen. Deshalb trägt diese Nacht des 9. November auch den fürchterlichen Namen „Reichskristallnacht“. Polizei und Feuerwehr waren von den Machthabern zuvor angewiesen worden, nur nichtjüdisches Eigentum zu schützen. Mit diesem 9. November änderte sich die Situation der Juden in Deutschland von einer unerträglichen und von einem Rassenwahn Adolf Hitlers geprägten Diskriminierung zur systematischen Verfolgung. Diese mündete dann in dem Schlimmsten, was in Deutschland und von Deutschland ausgehend je geschah, dem Holocaust an den europäischen Juden im Machtbereich der Nationalsozialisten.
9. November 1989
Betrachtet man die Geschichte des 9. November, so hat man das Gefühl, dass nach dem Versuch eines Neuanfangs von der Monarchie zur Republik, der allerdings auch schon blutige Folgen hatte, nur noch Unheil über das deutsche Volk und die Welt hereinbrach. Der 9. November 1989 zeigte, dass Geschichte auch Freude bringen kann. An diesem Tag fiel das Fanal der Trennung und der Unfreiheit, das Deutschland in Ost und West teilte: die Mauer. Das Volk war auf die Straße gegangen. Die Bürger der DDR hatten für Freiheit und Gerechtigkeit gekämpft. Es war eine Revolution. Anders als andere Revolutionen verlief sie Gott sei Dank unblutig. Das Volk verjagte durch seinen Aufstand den Diktator Honecker. Danach erschallte der Ruf „Wir sind das Volk“ immer lauter. Diejenigen, die dem Braten nicht trauten, stimmten mit den Füßen ab und verließen die DDR über Ungarn oder Tschechien. Abstimmung mit den Füßen konnte man das nenne. Und am 9. November 19899 dann geschah es. Eigentlich wollte die DDR Staatsführung nur die Reisebeschränkungen lockern, um ihren Bürgern ein „Zückerchen“ hinzuwerfen. Noch in der gleichen Nacht stürmten sie zu Zehntausenden über die Grenzübergänge. Ein neues Stück deutscher Geschichte begann: Deutschland einig Vaterland. An diesem 9. November 1989 tat sich der Himmel der Freiheit über Deutschland auf. (hei)
Beten wir, dass der Schicksalstag der Deutschen künftig von Schrecken und Grauen frei sein wird. Daran müssen wir alle gemeinsam arbeiten, als Werkzeuge des Friedens:
Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. AMEN